Gemeinsam schweissen und schleifen

Mittelhäusern

Auf der Fläche von ungenutzten Parkplätzen in einer Einstellhalle in Mittelhäusern bauten ein paar Einwohner des Quartiers Strassweid eine Offene Werkstatt. Alle Maschinen werden geteilt, betrieben wird «Les Bricoleurs» von einem Verein.

Amadeus Wittwer in der Offenen Werkstatt: «Das Einzige, was es braucht, sind Leute, die mitziehen, und ein passender Raum.»

Amadeus Wittwer in der Offenen Werkstatt: «Das Einzige, was es braucht, sind Leute, die mitziehen, und ein passender Raum.»

(Bild: Iris Andermatt)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Manchmal braucht es nicht viel. Eine Idee, ein bisschen Energie und schon entsteht ein Projekt wie «Les Bricoleurs». «Les Bricoleurs» ist eine Offene Werkstatt in der Strassweid in Mittelhäusern. Initiiert wurde sie von Amadeus Wittwer. Der Familienvater wohnt selber in der Siedlung. Vor ein paar Jahren besuchte er eine Weiterbildung in alternativem Projektmanagement in Deutschland. Dort hörte er erstmals vom Prinzip der Offenen Werkstätte. Zurück in Mittelhäusern, tat er sich mit ein paar Nachbarn zusammen und gründete selbst eine Offene Werkstatt.

«Viele Leute haben irgendwo im Keller eine Maschine stehen – die kann man doch auch anderen zugänglich machen», erklärt Amadeus Wittwer die Idee hinter dem Projekt. So sei bereits eine ansehnliche Anzahl an Werkzeugen zusammengekommen. Bandsäge, Kreissäge, Schleifmaschine, Schweissmaschine, Trennscheibe, Standbohrmaschine und viele kleinere Handmaschinen. Dazu einige Schränke und ein paar Arbeitstische. Alles in allem viel mehr, als eine Einzelperson in ihrem persönlichen Werkraum hat. Was zu Beginn nicht vorhanden war, kaufte der neu gegründete Verein gebraucht in Internetauktionen.

Auch ein Arbeitsraum war schnell gefunden. In der Siedlung gibt es eine Einstellhalle für Autos, die laut Wittwer relativ schlecht genutzt ist. Der Verein beantragte der Wohnbaugenossenschaft, ob man einige der Parkplätze auflösen und dort Wände hochziehen könne, um eine Werkstatt zu betreiben. Die Genossenschaft willigte ein. Nun steht die Werkstatt in ihrem vierten Betriebsjahr.

Das Kinderproblem

Und so arbeitet Amadeus Wittwer an diesem warmen Samstagnachmittag in der kühlen Werkstatt mit Ausblick auf die Einstellhalle. Am Boden sind immer noch die Begrenzungen der früheren Parkplätze sichtbar. Heute zählt der Verein «Les Bricoleurs» 20 Mitglieder. Sie zahlen einen Beitrag von 120 Franken im Jahr und können die Werkstatt uneingeschränkt nutzen. Zu einem Engpass an den Maschinen sei es dabei noch nie gekommen. Mit dem Betrag werden Miete, Strom und Auslagen für Werkzeuge bezahlt. Alle Werkzeuge werden nämlich von den früheren Besitzern erworben, damit die Werkstatt bei einem allfälligen Wegzug eines Mitglieds nicht plötzlich leergeräumt wird.

Am Samstag steht die Werkstatt für einige Stunden unter Aufsicht auch Nichtmitgliedern zur Verfügung. «Im Moment sind gerade Seifenkisten das grosse Thema», sagt Amadeus Wittwer. Tatsächlich benutzen viele Kinder die Werkstatt. So viele, dass der Verein spezielle Regeln für sie erlassen musste. «Wir haben einen Kinderpass, den ein Kind bekommt, wenn es sich dreimal unter Aufsicht bewährt hat», erzählt er. Dann könne es die Werkstatt allein benutzen – mit Ausnahme der grossen Maschinen. Ausserdem räumt er gleich mit einem weiteren Klischee auf. «Nein, wir haben nicht nur männliche Mitglieder, ich würde sagen, fast die Hälfte sind Frauen», sagt Wittwer.

Das Entsorgungsproblem

Um «uns vor dem grossen Chaos zu retten», wie Wittwer sagt, gibt es eine Werkstattordnung. «Es geht vor allem darum, dass man die Werkstatt so verlässt, wie man sie auffindet», erklärt er. Diesbezüglich habe man einige Erfahrungen sammeln können: «Viele haben die Werkstatt mit Überbleibseln ihrer Basteleien beschenkt. Da hat sich mit der Zeit ziemlich viel angesammelt.» Zwischendurch musste der Verein darum einiges entsorgen.

Die Erfahrungen, die die Werkstattbetreiber in Mittelhäusern sammeln konnten, würden sie auch gerne weitergeben. «Es ist ein Muster, das sehr leicht auf jedes Quartier übertragbar ist», sagt Wittwer, «das Einzige, was es braucht, sind Leute, die mitziehen, und ein passender Raum».

Berner Zeitung

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