Ein toter Fuchs gibt Rätsel auf

Worb

Im Wislewald ist ein Spaziergänger von einer Treibjagd überrascht worden. Ein toter Fuchs lag noch Tage später im Dickicht. Ein Jagdfrevel? Am Mittwoch konnte Jagdinspektor Peter Juesy entwarnen.

Der tote Fuchs im Wislewald: Das Tier ist gestern von Wildhüter Peter Sommer untersucht worden. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht von Gewehrkugeln getroffen worden war.

Der tote Fuchs im Wislewald: Das Tier ist gestern von Wildhüter Peter Sommer untersucht worden. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht von Gewehrkugeln getroffen worden war.

(Bild: zvg)

In einem Wäldchen im Gebiet Wisle bei Worb war Ueli Emch letzten Samstag um 15.30 Uhr mit seinen vier Hunden unterwegs. Der pensionierte Direktor einer grossen Firma und WorberFDP-Fraktionspräsident traf dort andere Hundehalter, Biker, Sportler und eine Familie mit Kinderwagen. «Plötzlich hörte ich Töne wie Posaunenstösse», schreibt Emch in einem Brief, den er gestern verschiedenen Behörden und Medien zustellte.

Töteten Jäger den Fuchs?

Die Jagdhorntöne waren Teil einer Treibjagd. Emch sah einen Jäger mit dem Gewehr. Auf dem Rückweg knallten in unmittelbarer Nähe auch noch zwei laute Schüsse. «Das hat mich und andere Spaziergänger leicht geschockt», so Emch. Und er fragt sich: «Wie kann ein so rege benutztes Naherholungsgebiet von einem Moment auf den anderen von Jagenden in Besitz genommen werden?»

Doch damit nicht genug. Ueli Emch sah später neben dem Weg einen toten Fuchs liegen. Für ihn war klar: Er war von den Jägern erlegt worden. Am Sonntag entdeckte seine Frau den Fuchs in einem nahen Dickicht, ihre Hunde hatten ihn angezeigt. Gestern Vormittag sah der Pensionär nach: «Er lag immer noch da. Es ist unverständlich, wie die Jäger mit den Wildtieren umgehen.»

Seine Vermutung, dass die Jagdzeit lange vorbei sei, musste Emch zurücknehmen. Er sah im Internet, dass Füchse und anderes Kleinwild von September bis Ende Februar gejagt werden dürfen. Aber: «Als absolutes Minimum müsste man verlangen, dass in so stark benutzten Gebieten die Jäger vor ihrem gefährlichen Handeln an den Eingängen zum Wald Warnsignale mit dem Vermerk ‹Jagd› aufstellen müssten», fordert Emch.

Kein Schrot, keine Kugel

Der kantonale Jagdinspektor Peter Juesy hat gestern Abklärungen vorgenommen. «Der zuständige Wildhüter Peter Sommer wusste nichts von der samstäglichen Jagd und vom toten Fuchs», erklärt er. Sommer erfuhr, dass Gemeindearbeiter den Fuchs durch einen Tipp geholt und zur Kadaversammelstelle gebracht hatten. Dort fand er gestern das tote Tier und untersuchte es. Damit der Wildhüter feststellen konnte, ob der Fuchs geschossen worden war, musste er ihm das Fell abziehen. Denn Verletzungen von Schrotkugeln sind sonst nicht sichtbar.

Ueli Emch war bei der Untersuchung anwesend. Es zeigte sich: Nicht Schüsse töteten den Fuchs, er war an einer Krankheit gestorben. «Ein absoluter Zufall, dass ich ihn dort fand, als die Jagd im Gang war», sagt Emch. Wäre das Tier durch Kugeln gestorben, hätte es eine Strafanzeige gegeben, weil Jäger zur Nachsuche verpflichtet sind. Jagen im Wislewald ist gemäss Peter Juesy dagegen nicht verboten; eine solche muss auch nicht bekannt gemacht werden.

Berner Zeitung

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