Hostel zum Funkelnden Auge

Bern verfügt demnächst über 116 neue günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Auf dem Areal des ehemaligen Zieglerspitals stehen neben dem «Hostel 77» weitere neue Zwischennutzungen an.

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Christoph Hämmann

Bis zum 16. September wird es diesen fünf sicher nie langweilig. Dann empfangen Fabienne Aebi, Karin Roth, Daniel Fahrni, Ad­rian Sager und Dominik Stalder die ersten Gäste in ihrem neuen Hostel an der Morillon­strasse 77. Doch bevor die Stadt Bern dank ihnen über 116 neue preiswerte Betten verfügen wird, muss hier noch einiges geschehen.

Damit der Raum im Eingang des ehemaligen Personalhauses des Berner Ziegler­spitals zum schmucken Zentrum des Hostels wird und die Réception gleich auch noch zum Bistro, braucht es eine gute Kaffeemaschine, eine Kühlvitrine, ein Lavabo und ein paar andere Sachen mehr. Um möglichst viele davon bald anschaffen zu können, sammeln die Betreiberinnen und Betreiber mittels Crowdfunding Geld. Ein Bistro fehle im Quartier, finden die künftigen Betreiber. Es werde deshalb auch offen sein für Leute, die in der Umgebung wohnen oder arbeiten würden.

Ein eingespieltes Team

Beim Empfang sollen die künftigen Gäste erstmals merken, dass im Hostel 77 Gastgeber voller Leidenschaft und Herzblut am Werk sind und der Ort eine Seele hat. «Damit setzen wir fast ein bisschen einen Gegentrend zu den Self-check-in-Möglichkeiten in anderen Gaststätten», sagt einer der fünf Betreiber, die beim Besuch im entstehenden Hostel munter durcheinander­reden.

«Wir wollen den Leuten nicht nur ein Bett verkaufen.»Betreiber des Hostels 77

«Wir wollen den Leuten nicht nur ein Bett verkaufen», sagt jemand anders. Neben der fröh­lichen Atmosphäre, die im Hostel 77 herrschen soll, wollen die Betreiber ihre Gäste auch teilhaben lassen an ihrem grossen Netzwerk und dem damit verbundenen Wissen darüber, was man in Bern unternehmen kann.

Die fünf sind ein ein­gespieltes Team. Als in der derzeit geschlossenen Berner Jugendherberge, in der sie bereits zusammengearbeitet haben, der Umbau losging, nahmen sie dies zum Anlass, mit einem eigenen Projekt los­zulegen. Als «Einfach übernachten Bern GmbH» traten sie an die städtische Koordinations­stelle Zwischennutzung heran und hatten bald eine Perspektive auf dem Areal des Zieglerspitals, wo mindestens bis Ende 2023 diverse Zwischennutzungen stattfinden (siehe grosse Box).

Massarbeit in Eigenleistung

Seit Anfang Jahr sind sie daran, im 3. und im 4. Stock des ehema­ligen Personalhauses Zweier-, Vierer-, Sechser- und Achterzimmer einzurichten. Das günstigste Bett inklusive Frühstück ist für 38 Franken zu haben. In allen Zimmern hat es ein Lavabo; zusätzliche Duschen und Toi­letten auf den Etagen hat Immobilien Stadt Bern eingebaut. Ins ehemalige Personalrestaurant im Erd­geschoss, wo die Gäste frühstücken und auf Anfrage auch zu Abend essen werden, kam eine neue Küche. «Die Zusammenarbeit mit der Stadt war von Anfang an sehr gut», erzählen die Betreiber. «Die Verantwortlichen hatten grosses Verständnis für unsere Bedürfnisse.»

Vieles aber entstand in Eigenleistung: Die Vorhänge in den Zimmern sind ein­gefärbte Leintücher, alte Betten wurden auf­gemöbelt oder zu einem Tischchen umfunktioniert, in die Schränke wurden Schliess­fächer eingebaut. Im dritten Stock richteten sie eine kleine Küche ein, in der die Gäste auch mal selber kochen können. Der hohe Anteil der Eigenleistungen lag auch daran, dass die Betreiber keine grossen Geldgeber im Rücken haben. Er ist für sie aber ein Pluspunkt ihres Projekts: «Wir konnten vieles auf Mass bauen, was anders gar nicht möglich gewesen wäre. Und es verbindet uns nun eine besondere Beziehung zur Einrichtung.»

Zahlreiche Reservationen

Die Vorfreude des Teams hinter dem Hostel 77 ist ansteckend. «Wenn ich in meinem Umfeld vom Hostel erzähle, heisst es immer, dass meine Augen zu funkeln begännen», erzählt Karin Roth, und ihre vier Mitstreiter strahlen. Alle sind sie überzeugt, dass es in Bern eine grosse Nachfrage nach einem neuen Hostel gibt. «Insbesondere für Familien, Gruppen oder Schulklassen gibt es sonst zurzeit nichts Vergleichbares», sagt einer. Eine Meinung, die von Bern Tourismus geteilt wird (siehe kleine Box).

Jedenfalls hätten sie vom ersten Tag an schon zahlreiche Reservationen, erzählen sie. Ist das Hostel 77 erst mal eröffnet, soll es ihnen erst recht nie langweilig werden.

Berner Zeitung

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