Hypothek? Frage die Pensionskasse!

Lange war die Vergabe von Hypotheken für Pensionskassen nicht besonders attraktiv. Im aktuellen Tiefzinsumfeld ist sie aber wieder zu einer hervorragenden Alternative geworden.

Potenzial ist vorhanden: Heute stammen nur rund 1,4 Prozent der Hypothekarkredite von Pensionskassen.

Potenzial ist vorhanden: Heute stammen nur rund 1,4 Prozent der Hypothekarkredite von Pensionskassen.

(Bild: Keystone)

In Hypotheken investieren, die so wenig einbringen wie nie zuvor? Auf den ersten Blick werden da wohl nicht nur Laien den Kopf schütteln. Institutionelle Anleger und vor allem Pensionskassen sehen dies aber völlig anders: «Hypotheken sind im aktuellen Tiefzinsumfeld eine hervorragende Alternative zu Obligationen-Anlagen», gaben in den letzten Tagen gleich mehrere Pensionskassen-Chefs und -Experten zu Protokoll: «Lieber Hypotheken als niedrig verzinsliche Anleihen», sagt etwa Thomas Schönbächler, Leiter der Pensionskasse BVK, der Kasse der Angestellten des Kantons Zürich.

Diese zählt mit einem Vermögen von 28 Milliarden Franken zu den grossen Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz und verfügt auch über ein beachtliches Immobilienportefeuille von 4,5 Milliarden sowie über ein Team von Immobilienexperten. Die Voraussetzungen sind damit vorhanden, das Hypothekengeschäft in eigener Regie betreiben zu können.

Not macht erfinderisch

Das Finanzportal Moneypark hat beobachtet, dass auch andere Grosskassen, wie die Pensionskasse der Bundesbahnen SBB, die Schweizerische Unfallversicherung Suva und viele kantonale Beamtenkassen, darunter jene des Aargaus und von Basel-Stadt, verstärkt ins Hypotheken­geschäft eingestiegen sind. Die Gründe liegen nach Ansicht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften auf der Hand: «Der Anlagenotstand drängt die Pensionskassen immer stärker auf die Vergabe von Hypotheken.»

Wegen des aktuellen Tiefzinsumfelds, der zunehmenden regulatorischen Anforderungen und der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestverzinsung steige der Renditedruck für die Vorsorgeeinrichtungen stetig an. Die Pensionskassen müssten also neue Investitionsmöglichkeiten finden, um ihre gesetz­lichen Verpflichtungen erfüllen zu können.

Die Vergabe von Hypotheken ist eine dieser Möglichkeiten. Und zwar nicht nur für grosse Vorsorgeeinrichtungen. Auch kleinere Kassen können mitmischen, wenn sie auf die Hilfe spezialisierter Dienstleistungsunternehmen als Outsourcing- Partner zurückgreifen. Neu in dieses wachsende Geschäftsfeld ist diesen Sommer das Opfiker Jungunternehmen Finovo eingestiegen: «Unser Ziel ist es, Schweizer Pensionskassen zu helfen, Hypotheken direkt an ihre Versicherten zu vergeben.»

Anders als andere Outsourcing-Firmen, decke Finovo dabei sämtliche operativen Prozesse der Hypothekenvergabe ab. Also auch den Vertrieb und die Vermarktung. Oder die persönliche Betreuung der Hypothekarkunden. Verwaltungsratspräsident der Finovo ist der ehemalige Leiter von Swisscanto, Gérard ­Fischer. «Hypotheken sind im aktuellen Tiefzinsumfeld eine hervorragende Alternative zu Obligationen-Anlagen», bestätigt Christian Stöckli, Mitgründer von Finovo: «Sie versprechen eine bessere Rendite. Sie sind grundpfandgedeckt und damit relativ risikoarm. Und sie bleiben bei einem Zinsanstieg wertstabil, weil sie zum Nennwert bilanziert werden können.»

Einige Pensionskassen nutzen diese Möglichkeit nach Stöckli bereits heute. Dass die Pensionskassen mit ihren verstärkten Aktivitäten im Hypothekargeschäft nun die Banken in Bedrängnis bringen könnten, ist nicht zu erwarten. Denn ihr Anteil am gesamten Schweizer Hypothekarmarkt ist noch sehr bescheiden. Er beträgt nur gerade 1,4 Prozent und hat sich in den letzten zehn Jahren halbiert.

Lange galten Hypotheken für PKs aus verschiedenen Gründen als nicht besonders attraktiv. Die Publica beispielsweise verkaufte Anfang 2012 ein Hypothekenportfolio von rund 1,3 Milliarden Franken an die Berner Kantonalbank. Einige Prozent der verlorenen Marktanteile könnten die Vorsorgeeinrichtungen mit ihren neuen Initiativen durchaus zurückgewinnen, ist Stöckli überzeugt.

Potenzial ist vorhanden

Längerfristig liegt laut Stöckli gar ein Marktanteil von 5 bis 10 Prozent drin. Denn die Pensions­kassen haben gegenüber den Banken im Hypothekargeschäft zwei ­wesentliche Vorteile: Sie müssen Hypotheken nicht mit Eigenmitteln hinterlegen und keinen grossen Verwaltungs­apparat mit­finanzieren. Das macht sie ­wesentlich kostengünstiger, was ihnen ermöglicht, günstigere Hypotheken anzu­bieten.

Wenn der Versicherte seine Hypothek bei der Pensionskasse abschliesst, profitiert er nicht nur von vorteilhaften Zinskonditionen, sondern er hilft seiner eigenen Altersvorsorge. Dies, indem er der Pensionskasse – trotz seiner günstigen Hypothekarzinsen – eine verbesserte Rendite ermöglicht.

Berner Zeitung

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