Weinselig schlafen

Hotel und Wein sind eine beliebte Kombination. Kein Hotel setzt das so konsequent um wie das neue Weinhaus am Bach in Erlinsbach AG, wo man sogar im Weinkeller schlafen kann.

In der Weinkeller-Suite nächtigt man tatsächlich inmitten von Weinflaschen.<p class='credit'>(Bild: Silvia Schaub)</p>

In der Weinkeller-Suite nächtigt man tatsächlich inmitten von Weinflaschen.

(Bild: Silvia Schaub)

Die Magnum-Weinflaschen stehen nicht zufällig vor der frisch renovierten Häuserzeile am Erzbächli in Erlinsbach vis-à-vis dem Landhotel Hirschen. Sie ­stehen Spalier zu einem der un­gewöhnlichsten Hotels der Schweiz: dem Weinhotel am Bach.

«Hier ist die Weinkompetenz, drüben die Esskompetenz», erklärt Gastgeber Albi von Felten, der das Unternehmen in fünfter Generation mit seiner Frau Silvana führt. In der Tat wird im eben eröffneten Hotelkomplex der Fokus ganz auf Wein gelegt. «Wir ­leben in einer genussfeindlichen Welt», meint von Felten, «hier bekommen die Gäste einen Ort, wo sie die Freude am sinnvollen Genuss erleben können.»

«Unbetreutes Trinken»

Das beginnt schon in der Hauptlobby im Parterre, wo Albi von Felten eine «Weinstube für unbetreutes Trinken» eingerichtet hat. Aus einem Önomaten können sich die Gäste selbst bedienen.

Sie stecken eine Weinkreditkarte in den Schlitz, drücken auf den Knopf für ein ganzes, halbes oder Viertelglas, und schon können sie sich in der modern eingerichteten Lobby oder nebenan in der Kaminlounge dem Weingenuss hingeben – von Riesling-Sylvaner Erlinsbach von Wehrli über Humagne rouge von Grégor Kuonen bis zu Riserva Tre Api Merlot von Tenuta Bally & von Teufenstein. Je acht Rot- und Weissweine stehen zur Auswahl, der Grossteil von Schweizer Winzern.

Wer im Landhotel Hirschen einkehrt, weiss, dass hier regionale Produkte hochgehalten werden. Von Felten ist ein Besessener, wenn es um die Sache der Regionalität und des Genusses geht. Lange bevor das Thema Einzug in die hiesigen Küchen genommen hat, hatte der gelernte Koch, Kellermeister, Sommelier und Gastgeber nach dem Besten gesucht, was die umliegenden Ställe und Felder zu bieten haben. ­Gleiches gilt auch für die Weinberge. Also war es nur noch ein Schritt zu ihrem neuesten Projekt.

Mit seiner Frau Silvana wollte er schon lange expandieren. Weil sie für das Land hinter dem Hirschen im Kanton Solothurn keine Baubewilligung erhielten, kauften sie die Häuser auf der anderen Seite des Erzbachs auf Aargauer Boden. Für das Projekt wurden die von Feltens mit dem Hotel Innovations Award 2016 von Gastro Suisse ausgezeichnet.

Und weil der umtriebige Beizer keine halben Sachen macht, nächtigen die Gäste auch in Winzerzimmern. 22 Winzer aus der Schweiz konnte der Erlinsbacher für sein Projekt gewinnen, darunter so namhafte wie Martha und Daniel Gantenbein aus Fläsch, Marie-Thérèse Chappaz aus Fully oder Andy Rhis, der in der Provence ein Weingut betreibt, aber auch Newcomer wie Tom Litwan aus Schinznach Dorf. Sie alle haben ein Zimmer mitgestaltet – bei der Farbwahl oder mit privaten Accessoires und Bildern.

So steht etwa im Zimmer von Christian und Jürg Marugg aus Fläsch ein alter Weinstock, der wie eine Skulptur wirkt; an der Wand hängen aus­gesuchte Etiketten ihres Momentum-Weins sowie alte Plakate. Die Küttiger Winzerin Susi Wehrli hat für ihr Zimmer ein harmonisches Rot gewählt und hält ein Fernrohr bereit, damit die Gäste von der Laube aus direkt auf ihren Weinberg gucken können.

Begehbarer Weintresor

Für die Suiten muss man entweder mit dem Lift direkt unters Dach fahren, wo sich die Bollinger-Suite (originell eingerichtet mit Schüttelgestellen) befindet und natürlich Champagner kredenzt wird, oder dann in den Keller. Ja, in der Weinkeller-Suite nächtigt man tatsächlich inmitten von Weinflaschen. Damit es die Gäste trotzdem komfortabel haben und nicht frösteln müssen, sind die Flaschen in zwei be­gehbaren Weintresoren unter­gebracht.

«Schon oft haben mir Gäste im Restaurant gesagt, sie würden sich gern mal in unserem Weinkeller einschliessen lassen und dort nächtigen», erklärt Albi von Felten, wie er zur Idee für die Suiten und das Hotel gekommen ist. Er möchte die Weinkultur mit einer gewissen Leichtigkeit und mit einem anderen Zugang präsentieren. Bis ins kleinste Detail zieht sich das Konzept durch. ­Sogar eine Pflegelinie mit Sauvi­gnon-blanc-Aroma haben sich die von Feltens mischen lassen, sodass man selbst auf der Haut und im Haar das Weinkonzept sinnlich erleben kann.

Man müsse als Hotelier kreativ sein, betont er. «Die Leute müssen den Kick haben, hierherzufahren.» Schliesslich ist Erlinsbach nicht unbedingt ein touristischer Hotspot. Noch so einiges schwirrt von Felten im Kopf herum. So kann man zum Beispiel im September einen Hauch von James-Bond-Feeling erleben, indem man die Bollinger-Suite samt einem Aston Martin mit Picknickkorb bucht.

Es schläft sich übrigens wunderbar in der Weinkeller-Suite. Zwar geniesst man hier keine Aussicht, Tageslicht bekommt man aber dennoch durch einen grosszügigen Schacht, wo Fässer der kredenzten Weine stehen. Was gibt es Schöneres, als sich ein erholsames Bad in der frei ­stehenden Wanne zu genehmigen, dazu ein Glas Wein Vosne-Romanée – ganz nach dem Motto, das das Möbel von René Fritschi im Raum ziert: «Wer die Wahrheit im Wein finden will, darf die Suche nicht schon beim ersten Glas aufgeben!»

www.hirschen-erlinsbach.ch, Doppelzimmer im Weinhaus am Bach ab 198 Fr. mit Frühstück, Weinsuiten für 320 Fr.

Berner Zeitung

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