Die Militärpolizei soll Berner Zivilisten büssen

Bern

Bernerinnen und Berner entsorgen ihren Privatkehricht auf der Kasernenwiese. Die FDP fordert die Schliessung des Areals für die Bevölkerung. Waffenplatzleiter Hans Ulrich Born schaltet die Militärpolizei ein.

Kinder spielen auf dem Waffenplatz: Noch steht die Wiese bei der Stadtberner Militärkaserne offen für die Bevölkerung.

Kinder spielen auf dem Waffenplatz: Noch steht die Wiese bei der Stadtberner Militärkaserne offen für die Bevölkerung.

(Bild: Beat Mathys)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Nun dreht der Wind. Bisher hatten sich die zuständigen Militäroffiziere für die öffentliche Nutzung der Stadtberner Kasernenwiese starkgemacht. Weil aber ein Teil der Bevölkerung die Regeln bricht, könnte der Berner Waffenplatz seinen speziellen Status verlieren.

Noch ist die Berner Kasernenwiese weltweit einmalig: Weder Stacheldraht noch grimmig dreinblickende Wachleute versperren den Zugang zu dem Militärareal. Kinder spielen mit den Grosseltern, Pärchen liegen in der Sonne, und Hündeler werfen Holzstöcke durch die Luft.

Dank der Militäranlage sei dem Nordquartier eine letzte Grünzone erhalten geblieben, sagte Hanspeter von Flüe, Vorsteher des kantonalen Amtes für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM), im November 2010 in dieser Zeitung. «Zu diesem Gut müssen wir Sorge tragen.»

Scherben und Kehricht

Doch einige Gäste treiben es auf dem Waffenplatz zu bunt. Laut Waffenplatzleiter Hans Ulrich Born vom BSM sind das einerseits Jugendliche, die an sonnigen Abenden gerne ein paar Flaschen leeren, aber diese Flaschen weniger gerne entsorgen. Zudem haben ein paar davon offenbar eine Schwäche für Scherben.

Aber es sind auch Erwachsene, die ihren Privatkehricht auf dem Areal entsorgen, um die eine oder andere Kehrichtsackgebühr zu sparen. «Am Montagmorgen müssen wir jeweils als Erstes das Kasernengelände säubern», sagt Hans Ulrich Born.

«Macht die Wiese zu»

Von einer «Schweinerei» spricht Peter Gugger, Parteileitungsmitglied der Stadtberner FDP und Anwohner der Kaserne. Er mache die gleichen Beobachtungen wie Waffenplatzleiter Born. «Es hat auch Pseudofussballer, die lassen Isostarflaschen oder Bierbüchsen rumliegen», sagt Peter Gugger und fügt an, dass damit nicht die Fussballvereine gemeint seien. «Diese Leute haben wohl vergessen, welches Privileg wir alle mit der öffentlichen Kasernenwiese geniessen.»

Doch damit, so die Forderung der FDP, sollte nun Schluss sein. «Damit die Berner Bevölkerung wieder lernt, sich diszipliniert zu verhalten, soll das Militär das Kasernenareal bis auf weiteres schliessen – zumindest an den Wochenenden», sagt Peter Gugger. Dieses Anliegen werde er bei Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) deponieren. Zudem will er die Forderung via Grossratsfraktion ins kantonale Parlament bringen.

Patrouillen der Militärpolizei

So weit wie Peter Gugger will Waffenplatzleiter Hans Ulrich Born (noch) nicht gehen. Eine Schliessung der Wiese komme für ihn erst als Ultima Ratio in Frage. Er appelliert an die Vernunft und an die Zivilcourage der Nordquartierbewohner. «Der grösste Teil führt sich anständig auf», sagt Hans Ulrich Born. Es wäre schade, diese Menschen wegen ein paar Unbelehrbarer zu bestrafen. Born erwähnt auch: Eine Schliessung des Areals würde für das Militär einen unerwünschten Zusatzaufwand mit sich bringen, weil ein Zutrittssystem nötig würde.

Der Waffenplatzleiter will die Militärpolizei einschalten. «Diese soll nach ihren Rundgängen fehlbare Leute melden.» Die Waffenplatzverwaltung wird diese Leute bei der Staatsanwaltschaft verzeigen. «Die Formulare für eine Anzeige haben wir schon vorbereitet.»

Berner Zeitung

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