Das Ende war so nicht geplant

Roggwil

Hätten andere Ausstellungen nur annähernd so interessiert wie die aktuelle zu Cuno Amiet: René Brogli hätte ans Aufgeben wohl nicht gedacht.

Da war die Umnutzung noch kein Thema: René Brogli bei der Vernissage im vergangenen März.

Da war die Umnutzung noch kein Thema: René Brogli bei der Vernissage im vergangenen März.

(Bild: Simon Leibundgut/PD)

Kathrin Holzer

Ein Ende war absehbar. Nie ist die neue Kaltenherberge wirklich ins Laufen gekommen seit dem Start 2005. Erst waren es gastronomische Konzepte, die scheiterten. 2011 dann sattelte Inhaber René Brogli um. Fortan sollte Kunst dem Millionenbau an der Roggwiler Landstrasse Leben einhauchen. Doch es waren weiterhin Erfolge höchstens von ganz kurzer Dauer, die der Geschäftsmann aus dem Aargau in seiner Bromer Kunst im Oberaargau verzeichnen konnte. Wenn wie 2013 unter dem jüngsten Museumsdirektor der Schweiz Stars wie Ursula Andress in sein Kunsthaus kamen etwa. Oder wenn wie aktuell bei der Retrospektive zu Cuno Amiet die Besucher plötzlich Schlange stehen am Eingang.

Meistens aber blieben die Besucherströme aus. Zwei bis drei Gäste hätten sie an einer nor­malen Ausstellung pro Tag im Schnitt begrüssen können, sagt Brogli. Manchmal gar keinen. «Obwohl diese Ausstellungen überhaupt nicht schlechter und die Biografien vielleicht sogar interessanter waren», verweist er etwa auf die Retrospektive zu Rudolf Häsler 2016/2017.

Die fehlende Anerkennung

Dass er mit seiner Bromer Kunst jährlich rund eine Million Franken verlor, war für Brogli dabei nicht einmal das Schlimmste. Das Kunsthaus war für ihn stets mehr Steckenpferd als Wirtschaftszweig. Sein Geld machte und macht er mit Immobilien. Dass er in der Kunstwelt aber bis heute kaum Anerkennung fand, damit hat Brogli bis zuletzt gerungen.

Keine einzige öffentliche Ins­titution habe ihm Werke ausge­liehen für die aktuelle Ausstellung, sagt er enttäuscht. Obwohl die Retrospektive die grösste überhaupt sei, die es zum Oberaargauer Künstler je gegeben habe. Auf 1600 Quadratmetern sind in Roggwil noch bis zum 1. Juli über 220 Werke Amiets aus acht Jahrzehnten zu sehen.

Mit Genugtuung verweist er da auf den aktuellen Riesenerfolg. 8800 Leute haben die Ausstellung bereits besucht. Er ziehe den Stecker auf einem Höhepunkt. Ein Höhepunkt, der freilich ebenso defizitär sein wird wie alle vorausge­gangenen Projekte in der Bromer Kunst. Eintritt verlangt Brogli von seinen Besuchern schon seit fünf Jahren nicht mehr. Schliesslich sei man primär Galerie gewesen. «Aber das ist jetzt Geschichte.» Bromer Kunst werde es zwar weiter geben, informierte Brogli letzte Woche. Allerdings nur noch in Form einer Internethandelsplattform.

Eine Lösung fürs ganze Haus

Dabei hat er noch bei der Eröffnung der Amiet-Retrospektive Ende März nicht geahnt, dass mit ihr im Sommer auch die Geschichte seines Kunsthauses enden wird. Den Laden einfach dichtmachen: Mit dem Gedanken hat er in den vergangenen sieben Jahren zwar immer wieder gespielt. Doch was würde er dann mit dem Millionenbau machen? Ideen für verschiedene Teilnutzungen habe es zwar immer wieder gegeben. Rund die Hälfte der Räume aber seien als Flächen der Begegnung konzipiert: kaum zu vermieten und doch zu unter­halten. Brogli wollte eine Lösung fürs ganze Haus.

«Nun hat sich uns eine echte Chance aufgetan.»René Brogli

«Nun aber hat sich uns eine echte Chance aufgetan», erklärt Brogli. Im Raum gelegen hat die Idee offenbar schon länger. Erst im Mai jedoch haben Brogli und ein Oberaargauer Unternehmer, dessen Namen er vorerst nicht nennen will, den Gedanken zu konkretisieren begonnen. Quasi im fliegenden Wechsel wird das Kunsthaus im Juli nun zum Büro- und Verwaltungszentrum umfunktioniert. Ohne Umbau. Und ohne jenes grosse Aufsehen, das Brogli mit seinen bisherigen Konzepten in Roggwil jeweils ausgelöst hat.

Seine Bromer Immobilien AG, die seine beiden Geschäftszweige heute unter einem Dach vereint, wird aufgesplittet in zwei neue Gesellschaften, an denen Brogli weiterhin beteiligt sein wird. Mittelfristig werde der neue Partner die Mehrheit des abgespaltenen Teils der Immobilienfirma übernehmen, sagt Brogli, mittlerweile 61 Jahre alt. Er beinhaltet neben den Roggwiler Immobilien auch den Kunsthandel.

Langenthaler Tagblatt

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