Endspurt im Tunnel

Rosshäusern

Anfang September geht der neue Rosshäuserntunnel in Betrieb. In der Röhre laufen die letzten Arbeiten, Mitte August steht eine Rettungsübung an.

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Hans Ulrich Schaad

Der neue Rosshäuserntunnel ist die mit Abstand grösste Baustelle der BLS. Der Ausbau der Strecke zwischen Rosshäusern und Mauss auf Doppelspur, mit dem zwei Kilometer langen Tunnel als Herzstück, kostet rund 265 Millionen Franken. Im April 2012 war der Spatenstich, am 3. September geht er in Betrieb.

Dazwischen liegen über sechs Jahre Bauzeit mit schwierigen geologischen Verhältnissen, welche die Ingenieure zum Umdenken und zu einer neue Vortriebsmethode zwangen. Die Inbetriebnahme verzögerte sich um mehr als anderthalb Jahre, die Kosten stiegen um gut 60 Millionen.

Zu kurz für Testfahrten

Diese Mühen sind vergessen. Im Mai wurde der Einbau der Bahntechnik abgeschlossen. Bei den letzten Arbeiten sei es darum gegangen, die Elektrotechnik und die Kabelstränge für die Datenübertragung und die Beleuchtung zu installieren, erklärt BLS-Sprecher ­Stefan Dauner.

Dazu kamen Testfahrten mit dem Lösch- und Rettungszug. Eigentliche Testfahrten, wie etwa bei der Bahn 2000, seien nicht notwendig: «Die Strecke ist zu kurz.»

Nun laufen noch Kleinstarbeiten, verschiedene Tests und die Schulung der Mitarbeitenden. Mitte August findet noch eine grosse Einsatzübung statt. Unter der Leitung des Kantons und der Gebäudeversicherung wird das Zusammenspiel von über 100 Rettungskräften (Kantonspolizei, Sanitätspolizei, Feuerwehren, Careteam, Bahnrettung) getestet. Simuliert wird ein Feuer mit Rauchentwicklung im Tunnel, über 50 Figuranten müssen über den Notausstieg evakuiert werden.

Reduziertes Tempo

Die BLS dürfe die Strecke selber freigeben, sagt Stefan Dauner. Das Unternehmen müsse jedoch dem Bundesamt für Verkehr bestätigen, dass das Projekt gemäss Auflagen ausgeführt und sämtliche Tests der relevanten Systeme erbracht worden sind.

Nach einer gut eintägigen Streckensperre geht das neue Stellwerk am Ostportal am 3. September in Betrieb, ab 5 Uhr verkehren die Züge durch den neuen Tunnel. Jedoch noch nicht im Vollbetrieb. In einer ersten Phase rollt der Verkehr nur über das südliche Gleis und nur mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde. Ab dem 26. Oktober fahren die Züge dann auch über das zweite Gleis.

Im November werde der Schotter im Tunnel ein drittes und letztes Mal verdichtet, beschreibt Stefan Dauner den weiteren Schritt. «Das ist ein übliches Vorgehen bei neuen Fahrbahnen und gewährleistet einen optimalen Halt der Gleise.» Danach dürfen die Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern fahren.

Der Fahrplan ändert sich mit der Inbetriebnahme noch nicht. Die etwas kürzere Fahrzeit werde etwa dadurch kompensiert, dass die Züge in Brünnen einige Sekunden länger stehen blieben, erklärt BLS-Sprecher Dauner.

Die erste Veränderung gebe es mit dem offiziellen Fahrplanwechsel im Dezember: Rosshäusern erhält den Halbstundentakt, dafür wird der Halt in Ferenbalm-Gurbrü aufgehoben. Der Fahrplan wird durch die zusätzliche Doppelspur stabiler, Kreuzungen sind weniger anfällig auf Verspätungen.

Praktisch abgeschlossen ist ebenfalls die Modernisierung des Bahnhofs in Gümmenen. Bis im September laufen noch diverse Umgebungs- und Abschlussarbeiten.

Das Tunnelfest findet am Samstag, 25. August, von 10 bis 16 Uhr beim Bahnhof Rosshäusern statt.

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