Seilbahn: Neue Idee für altes Anliegen

Spiez

SVP-Politiker Peter Gertsch möchte, dass die Spiezer Bucht mit einer Luftseilbahn vom Bahnhof her erschlossen wird. Der Gemeinderat soll Möglichkeiten zum Bau prüfen, investieren sollen andere.

Möglicher Seilbahn-Korridor: Vom Fotostandort am Bahnhof führt die Linie über die Schönegg Garage hinunter in die Bucht (Rogglischeune hinter den blauen Flaggen). Im Bereich der Autos gäbe es eine Stütze.

Möglicher Seilbahn-Korridor: Vom Fotostandort am Bahnhof führt die Linie über die Schönegg Garage hinunter in die Bucht (Rogglischeune hinter den blauen Flaggen). Im Bereich der Autos gäbe es eine Stütze.

(Bild: PD)

Jürg Spielmann

Der 1. April, an dem den Mitmenschen mitunter Bären aufgebunden werden, ist noch fern. «Es ist auch keine Furzidee», sagt Peter Gertsch am Montagnachmittag im Grossen Gemeinderat von Spiez, als er seine eben eingereichte Motion begründet. Und seinen Worten auf der Leinwand Fotos folgen lässt.

Eines zeigt eine verglaste Luftseilbahnkabine hoch über dem Meer. Ein Themenbild, das für ein Raunen in den Reihen des Gemeindeparlaments sorgt. Gertsch, Faulenseer Ortsvereinspräsident, möchte wie mit unterzeichnende SVP-Parteikollegen, dass sich dereinst «geräuschlos in die schönste Bucht Europas schweben» lässt. So verlockend formuliert ist der Titel seiner Motion «Luftseilbahn Bahnhof–Bucht».

«Ganzjahresattraktion fehlt»

Die Frage, wie sich die 62 Meter Höhenunterschied zwischen der Bucht und dem Bahnhof überwinden lassen, treibt die Spiezer seit Jahrzehnten um (siehe Kasten). Gertsch setzt auf eine Lösung in luftiger Höhe. Doch warum? Der Seebus verkehre nur von Mai bis September, für Gehbehinderte sei es mittels ÖV schwierig, die Bucht oder das Schloss zu erreichen. «Es fehlt eine Ganzjahresattraktion, ein Grund, nach Spiez zu reisen», ist der Initiant überzeugt. Der Ort würde sich mit der Seilbahn von der Masse abheben, an Attraktivität und Innovation gewinnen.

Um dem Thema das nötige Gewicht zu geben, entschied sich der Lokalpolitiker für einen Vorstoss im Parlament. «Wenn ich als Privatperson komme und erkläre, dass ich eine Luftseilbahn bauen will, ist die Wirkung eine andere.» Seine Motion hat zum Ziel, dass sich der Gemeinderat des Geschäfts annimmt. Er soll innerhalb von zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie für ein Seilbahnprojekt erstellen. «Die Bahn sollte gemäss Label Energiestadt Spiez mit alternativen Energien betrieben werden können.» So ist es im Motionstext zu lesen.

Was kostets? Wer bezahlts?

Gertsch liess von der Seilbahnfirma Garaventa erste Abklärungen treffen. «Eine Bahn ist für sie an diesem Standort realisierbar», sagt er. Vergleichbare Anlagen hat sie beispielsweise in Mexiko erstellt. Laut der Garaventa wäre eine einspurige Pendelbahn mit Windenantrieb in der Bergstation angedacht. Kabinenkapazität: 25 bis 30 Personen. Der Korridor würde, so Peter Gertsch, «nur 4 bis 6 Meter» betragen.

Typenähnlich wie diese einspurige Garaventa-Pendelbahn in Mexiko könnte eine Spiezer Seilbahn sein. Ein Dach wäre nicht nötig. Foto: PD

Bei der Linienführung wurde geschaut, dass möglichst wenig Häuser überquert werden, was von der Spiezer Terrasse über die Schönegg-Garage hinab zur Rogglischeune der Fall wäre. Über eine schräge Länge von circa 280 Metern. Seeseitig der Oberlandstrasse käme eine Stütze zu stehen, für die Talstation ein «minimales Gebäude».

«Es ist klar, dass die Seilbahn nicht von der Gemeinde bezahlt würde.»Initiant Peter Gertsch

Die Bergstation könnte auf Niveau Bahnhofstrasse mit Antrieb im Untergeschoss positioniert werden. Peter Gertsch sagt, dass heute Bahnen bereits vollautomatisch betrieben werden. Mit geringem Betriebsaufwand. Nichts ist in seinen Unterlagen zu den Kosten zu lesen. «Es ist klar, dass die Seilbahn nicht von der Gemeinde bezahlt würde. Ich stehe mit potenten potenziellen Investoren in Kontakt.» Namen nennt er keine.

«Wir sind an einer ganzjährigen ÖV-Verbindung Bucht–Bahnhof interessiert», sagt Stefan Seger von Spiez Marketing in einer ersten Reaktion. Eine Luftseilbahn erachtet er als interessante Idee, die durchaus attraktiven Charakter hat. «Ob das Vorhaben landschaftsverträglich ist, darüber werden die Meinungen geteilt sein. Dieser Punkt dürfte neben der Finanzierung eine der Knacknüsse sein.» Seger glaubt, mehrheitsfähiger wäre da der Wiederaufbau der geschichtsträchtigen Verbindungsbahn.

Eine «Dreitagesfliege»?

Wie tönt es in der Bucht? Walter Holderegger, Präsident des Vereins Bucht Spiez, sagt: «Der Motionär greift ein echtes Thema auf. Spiez fehlt neben den regionalen ÖV-Angeboten ein öffentlicher Ortsbus als Feinverteilungsangebot.» In der Bucht wäre für Holderegger rein platzmässig eine Talstation realistisch und machbar – «ob ästhetisch schön, ist eine andere Frage. Ob an der Bahnhofstrasse eine Bergstation mit Antriebsaggregat platziert werden kann, bezweifle ich sehr.» Zudem seien von den Direktbetroffenen unter der Seilbahn mit Bestimmtheit Vorbehalte zu erwarten, glaubt er. «Die Motion wird kaum weiter als von einer Ein- zu einer Dreitagesfliege mutieren können.»

Binnen eines halben Jahres wird der Gemeinderat das Geschäft in den Grossen Gemeinderat bringen müssen. Der GGR entscheidet dann, ob die Exekutive eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn ausarbeitet. Peter Gertsch ist guter Dinge; erste Reaktionen von Parlamentariern seien positiv – auch aus anderen Lagern. «Ich hoffe, der Gemeinderat bringt die Motion an die erste Sitzung im Februar.» Er werde nicht nachlassen. Schliesslich will er geräusch- und emmissionslos gen Bucht schweben.

Berner Oberländer

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