Die Trifthütte im Zeichen der Steine

Gadmen

«Der Standort der Trifthütte ist ein geologischer Glückstreffer.» Zu diesem Schluss kommen nicht nur die heutigen Hüttenwarte der auf 2520 Meter Meereshöhe stehenden Trifthütte, sondern auch Geologen, die sich näher mit der Umgebung befassen.

Mittagsrast auf dem Amphibolitstein: Trifthüttenwarte Artur Naue, Partnerin Nicole Müller und Sohn Leo. Rechts die Hütte, links der Gletscher.

Mittagsrast auf dem Amphibolitstein: Trifthüttenwarte Artur Naue, Partnerin Nicole Müller und Sohn Leo. Rechts die Hütte, links der Gletscher.

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

Die Idee hatte sie im letzten Jahr, während ihrer ersten Sommersaison als Hüttenwartin der SAC-Trifthütte: Nicole Müller, die sich schon während ihrer Ausbildung zur Wanderleiterin vertieft mit dem Thema Geologie auseinandergesetzt hatte, bemerkte bald, dass allein schon die Aussenfassade der Trifthütte aus nicht weniger als sechs verschiedenen Gesteinsarten besteht. «So war bald das Projekt eines Geologierundwegs geboren, das wir nun mit­hilfe von Spendern und des Geologen Toni Labhart verwirklichen können.»

Gänzlich ohne Baumaterial

Und so entsteht in diesen Tagen rund um die Trifthütte bis zum Telltistock hinauf ein 1,5 Kilometer langer Geologieerlebnispfad für jedermann, «quasi von Halblaien für Laien gemacht», wie Nicole Müller augenzwinkernd bemerkt. Auf diesem Geopfad bekommen die Besucher an zehn Stationen die verschiedenen Gesteinsarten vermittelt und auch gleich erklärt, wieso diese ausgerechnet hier vorzufinden sind.

«Ein Teil des Pfades besteht schon seit langer Zeit, nämlich derjenige, der zur Wasserfassung führt», sagt Müllers Lebenspartner Artur Naue, der mit viel Handarbeit und Fotografien massgeblich an der Herstellung des Geopfades beteiligt ist. «Den restlichen Teil des 200 Höhenmeter aufweisenden Pfades haben wir mit Gesteinsschichtungen hergestellt, und als Weg­weiser dienen schmucke Steinmännchen.»

«Ein Teil des Pfades besteht schon seit langer Zeit, nämlich derjenige, der zur Wasserfassung führt.»Artur Naue

Die Hinweisschilder werden direkt an den Felsen angebracht – zum Bau des Geopfades wurde gänzlich auf jegliche Beton- oder Stahlkonstruktionen verzichtet. «Diese Wunder der Natur sollen in der Natur belassen werden, wie sie sind», so Artur Naue. Und: «Ausführliche Erklärungen und witzige Geschichten gibt es in der reich bebilderten Broschüre zu lesen.»

Der Rundweg ist mit der Schwierigkeitsstufe T3 auch einfacher zu bewältigen als der vierstündige Hüttenweg selber (T4).

Eintauchen in Erdgeschichte

Der Erlebnisweg beginnt bereits bei der Hütte selber, deren Fassade vor 70 Jahren aus sechs verschiedenen Gesteinsarten errichtet worden ist. Unmittelbar neben dem «Mittagstisch» auf der Hüttenterrasse steht nämlich ein riesiger Amphibolitfels. Ein Gestein, welches durch seine «chaotischen Strukturen» zu den interessantesten überhaupt gehört.

Es folgen Gneise, Schiefer, Granit, Kristalle und Serpentinit. Auch wird der Gletscher als Landschaftsgärtner näher vorgestellt: «Bis zur letzten grossen Vereisung vor 22 000 Jahren lag der grösste Teil der Triftregion unter einem gewaltigen Eispanzer begraben, über der heutigen Hütte erhob sich eine fast hundert Meter dicke Eisschicht.»

Funde von Arvenstämmen und Torf beim benachbarten Sustengletscher belegen andererseits, dass das Gebiet zur Zeit der Römer bis auf eine Meereshöhe von 2800 Meter eisfrei und bewaldet war. Ein Blick auf die Entwicklung in der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt auf, wie die markanten Moränen, die den Triftgletscher heute säumen, entstanden sein müssen und wie die Gletscherzunge damals noch bis zur heutigen Bergstation der KWO-Triftbahn reichte.

Am 28. August eröffnet ein Überraschungsgast den neuen Geopfad. «Es hat noch paar Übernachtungsplätze frei, aber vorgängige Reservation ist dringend empfohlen», sagt Hüttenwart Artur Naue. Ab 9.30 Uhr gibt es ­kostenlose Führungen. Während dieser zeigt der Hüttenwart ausgefallene Fundstücke wie etwa eine Kristallkluft.

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