Skulpturen, Wasser und Risotto

Oberburg

Erstmals stellt der Künstler Luciano Andreani seine Arbeiten im Emmental aus – genauer: in Oberburg.

Jacqueline Graber

Monique hat eine hagere Figur. Mit der Zigarette im Mundwinkel und der wilden Frisur wirkt sie verrucht. «Vielleicht bekommt sie noch ein Hündchen», sagt Luciano Andreani, der mitten in der Vorbereitung für seine Ausstellung steckt. Es ist das erste Mal, dass er seine Werke im Emmental zeigt.

Bis vor gut zwei Jahren wohnte er in der Stadt Bern, erst nach dem Kauf des ehemaligen Gasthofes Bahnhof zügelte Andreani nach Oberburg. Sein Atelier verwandelt er für die kommenden zwei Wochenenden in eine Galerie. Auch der Pavillon, der seit kurzem neben der Liegenschaft steht, wird Teil des Events: Dort bekocht Robert Riesen, Störkoch und Andreanis Freund,  die Gäste mit Risotto. 

Zorro und ein Stier

Bis zur Vernissage am Samstag  bedarf es noch einiger Arbeit im Pavillon. Und auch im Atelier gibt es viel zu richten. Noch liegen Frauenschuhe, ein Kessel, Teppichklopfer, eine Schwimmbrille und ein Wischmopp am Boden. Letzteres wird allenfalls der Hund von Monique. Die Dame mit dem französischen Namen ist ein Objekt, hergestellt aus Fliegenklatschen, Bürste, Draht und Handtasche. Denn seine neusten Werke stellt der Künstler mit Alltagsgegenständen her. Dazu gehören auch Velosättel.

Und wie vielseitig diese sein können, zeigt sich im Loft des Künstlers. Auch dieser wird während der vier Ausstellungstage zur Galerie. Luciano Andreani greift in eine Kartonschachtel und nimmt eine Maske, wie er es nennt, heraus. Dabei handelt es sich um einen alten Velosattel, dem der Künstler zu einem Gesicht verholfen hat. Nebst Zorro, einem Sattel mit einer Ganovenmaske, hat er auch einen Stierkopf und einen Mann mit einer Tabakpfeife kreiert.

Beim Anblick der vielen Sitzgelegenheiten kommt unweigerlich die Frage auf: Woher stammen sie? «Alle in der Nacht abgeschraubt», sagt Andreani. Doch es ist nicht so, dass die Emmentaler jeweils in der Dunkelheit um ihre Fahrradsitze bangen müssen. Nein, abgeschraubt wurden die Dinger in Brüssel. Seit Jahren verbringt der Künstler mehrere Wochen im Jahr dort im Atelier eines Kollegen. «In der Stadt stehen viele alte Velos rum, und wenn ich sehe, dass sie schon ausgeschlachtet sind, nehme ich halt auch noch etwas mit», erklärt der 72-Jährige.

Obacht, Wasser

Doch Luciano Andreani hat nicht nur flinke Finger, wenns ums Abmontieren geht, er weiss auch mit Farbstiften umzugehen. Etliche Zeichnungen, die ebenfalls ausgestellt werden, zeigen einen Hirsch und die Jagdgöttin Diana. «Unschuld und Aggression» oder «Erotik und Leidenschaft». Man könne selbst wählen, was man sehen möchte.

Dasselbe gilt auch für die Skulpturen, die draussen auf dem Parkplatz stehen. Fantasiefiguren, die an Afrika erinnern, und eine rostige, übergrosse Wetterfahne, die einer Frau ähnelt. Doch aufgepasst: Andreani mag Wasser. Eines seiner bekanntesten Werke ist der am Boden aufgeklebte Fünfliber in der Münstergasse in Bern. Sobald sich ein Passant nach dem Batzen bückt, wird er mit Wasser bespritzt.

Ausstellung:Vernissage am Samstag und Sonntag, 20. und 21. Oktober. Finissage: Samstag und Sonntag, 27./28. Oktober. Jeweils ab 11 bis 18 Uhr. Ort: ehemaliges Restaurant Bahnhof, Oberburg.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt