Das Schlusslicht braucht eine Extraschicht

Panik bei den SCL Tigers? Fehlanzeige! In Langnau sind die Verantwortlichen trotz letztem Rang überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein. Coach Benoît Laporte wird der Rücken gestärkt.

Gefordert: Tigers-Coach Benoît Laporte hat in Langnau viel Arbeit vor sich.

Gefordert: Tigers-Coach Benoît Laporte hat in Langnau viel Arbeit vor sich.

(Bild: Keystone)

Eishockeyspiele beginnen fünf Minuten zu früh und hören fünf Minuten zu spät auf. So jedenfalls dürften es die SCL Tigers empfinden.

17 Tore haben sie in jenen Phasen eines Spiels bis anhin kassiert, mindestens 12 Punkte sind ihnen dadurch entgangen. «Zu Beginn schlafen wir, gegen Ende verhalten wir uns naiv – das darf nicht sein», meint Stürmer Sandro Moggi. «Es nervt gewaltig, gar nicht auszudenken, was für uns möglich wäre.»

«Was-wäre-wenn»-Szenarien werden in Langnau derzeit oft verwendet. Verwaltungsratspräsident Peter Jakob etwa erwähnt das falsche Bild, welches die Tabelle wiedergebe.

Gewiss ist der Aufsteiger bis anhin nicht vom Wettkampfglück begünstigt worden, Fakt aber ist: Von den ersten 18 Partien haben die Emmentaler lediglich 5 für sich entschieden, sie liegen auf dem letzten Rang. «Wir haben zu wenig Punkte», sagt Sportchef Jörg Reber, «aber wir sind kein Kanonenfutter. Die Art und Weise, wie wir auftreten, stimmt mich positiv.»

Laportes Selbstbewusstsein

Reber war es, der nach dem Aufstieg den Trainerwechsel von Bengt-Ake-Gustafsson zu Benoît Laporte initiierte. Er würde es wieder tun, das bekräftigt er vehement. Da und dort geniesst Laporte wenig Kredit, einige fordern bereits seine Freistellung. Als energieraubend bezeichnet der Sportchef dieses Thema, «über den Trainer brauchen wir keine Sekunde lang zu diskutieren».

Der Verein steht hinter dem Coach, «ich wüsste nicht, was ich ihm vorwerfen könnte», hält Peter Jakob fest. Nun, dass Laporte die Linien oft neu zusammenstellt, sorgt zuweilen für Verwunderung. Und das Forcieren von Topspielern wie Chris DiDomenico scheint so früh in der Saison nicht eben weitsichtig zu sein.

Seit Laporte an der Bande steht, herrscht auf dem Eis allerdings Ordnung, ein System ist erkennbar. Der Frankokanadier ist von sich überzeugt, wirkt nicht nervös («Ich weiss, dass ich ein guter Trainer bin»). Wer im Vertrauten mit den Profis spricht, kommt zum Schluss, dass sich nach Laportes Ankunft die Trainingsqualität verbessert hat.

Jakobs Versprechen

Intakt zu sein scheint der Teamgeist, ungeachtet dessen, dass das Kader mit 29 Profis gross ist, der eine oder andere oft auf der Tribüne Platz nehmen muss. 8 Spieler stiessen im Sommer zu den SCL Tigers, als echte Verstärkung hat sich erst der finnische Verteidiger Ville Koistinen erwiesen.

Zu seinen Transfers mag sich Jörg Reber nicht äussern, Partei ergreift er für die Goalies. «Es gibt in der NLA wenige, mit denen ich tauschen möchte.» Mit einer Fangquote von 90,1 Prozent steht Stammkeeper Damiano Ciaccio in der Tat besser da als die SCB-Goalies Marco Bührer und Janik Schwendener, noch agiert der Romand aber zu inkonstant.

Als Hauptursache für die ungemütliche Situation nennt Reber die individuellen Fehler – diese hängen zweifellos mit der im Quervergleich geringeren Klasse des Aufsteigers zusammen. VR-Präsident Jakob bestätigt auf Anfrage, dass der Verein bereit sei, demnächst ins Team zu investieren.

Aus Schweden war zu hören, dass der in Malmö tätige Kanadier Eric Himelfarb (einst Biel, Langenthal) ein Kandidat bei den Tigers sei, was Reber dementiert. Mit 8 Punkten Rückstand auf die Playoff-Plätze ist Langnaus Lage nicht aussichtslos. Es sei kein Vergleich mit den Geschehnissen in der Abstiegssaison 2012/2013, als die Tigers überfordert gewesen seien, hält Jakob fest.

Er schwärmt vom riesigen Rückhalt und dem Zuschauerschnitt von fast 5800. «Aber die Zuneigung wird abnehmen, sollten wir den Anschluss bald verlieren.» Es brauche nun Extraschichten von jedem Einzelnen im Klub. Auf die Spieler bezogen bedeutet dies: Schläfrigkeit und Naivität mag es nicht mehr leiden.

Berner Zeitung

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