Stadt Bern fördert Gesundheit ihrer Lehrpersonen

Bern

Kinder lernen besser, wenn ihre Lehrpersonen gesund sind, zeigen Studien. Hier will die Stadt Bern ansetzen: Eine neue Werkstatt soll Lehrpersonen helfen, gar nicht erst krank zu werden.

Links die Ressourcen, rechts die Belastungen: Die Pädagoginnen und Pädagogen durchlaufen einen spielerischen Parcours.

Links die Ressourcen, rechts die Belastungen: Die Pädagoginnen und Pädagogen durchlaufen einen spielerischen Parcours.

(Bild: Nathalie GuinandFranziska Rothenbuehler)

Andrea Knecht

«Es ist verrückt, die Belastung ist eigentlich am stärksten, wenn die Kinder nicht da sind», sagt San­dra Oberli. Sie unterrichtet Kindergartenkinder im Spitalacker. Ein grosser Stressfaktor in ihrer Arbeit sei Administratives, Mails, die eher gestern als erst morgen beantwortet sein müssten.

Claudia Lerch, die ab diesem Schuljahr gemeinsam mit Oberli unterrichtet, hat eigentlich ein kleines Pensum inne – arbeitet aber deutlich mehr, als sie eigentlich angestellt ist: Vorbereiten, Elternarbeit, der Austausch mit dem Team schlagen zu Buche. Beide Frauen sehen zudem die Doppelbelastung von Beruf und Familie als Herausforderung.

Beruf mit Belastungspotenzial

Richard Jakob, Co-Leiter des städtischen Gesundheitsdienstes, kennt die Stressfaktoren des Lehrberufs. «Er gehört mit der Fülle von Aufgaben, mit der Dichte sozialer Interaktionen und mit den gesellschaftlichen Erziehungs- und Bildungsansprüchen zu den Berufen mit sehr hohen Belastungspotenzialen», erklärt er – und untermauert seine Aussage mit Studien. Hier will die Stadt Bern ansetzen: Ein Gesundheitsparcours soll Lehrpersonen helfen, gar nicht erst krank zu werden. Das Konzept des Parcours wurde im Aargau entwickelt und von der Pädagogischen Hochschule Bern angepasst.

Bildungsdirektorin Franziska Teuscher hofft, dass die Werkstatt ­zukünftig kantonsweit Schule macht. Der Parcours soll nicht nur Lehrpersonen, sondern in­direkt auch Schülerinnen und Schülern zugutekommen: Kinder lernten nämlich besser, wenn ihre Lehrpersonen gesund seien, so Jakob. ­Besonders gross seien die Zusammenhänge bei sozial benachteiligten und leistungsschwächeren Kindern.

In der laufenden Augustwoche absolvieren nun rund 300 Lehrpersonen an jeweils einem halben Tag die spielerisch aufge­baute Gesundheitswerkstatt im Kirchgemeindehaus Johannes.

Auf einer Wippe werden Belastungen und Ressourcen gegeneinander aufgewogen. In Teamübungen wird ausprobiert, was Führen und Sichführenlassen ­bedeuten. Eine Teilnehmerin sagt nach der Übung: «Wir führen als Lehrpersonen dauernd, es ist nicht einfach, sich führen zu lassen.»

Die Kindergärtnerinnen Oberli und Lerch versuchen auch im Alltag, Stress zu reduzieren: Lerch bewegt sich viel und gerne. Oberli geniesst es, sich nebst Lehrberuf und schulpflichtigen Kindern mit Themen zu beschäftigen, die nichts mit der Schule zu tun haben. So, sagt sie, beginnen die Gedanken nicht zu drehen.

Berner Zeitung

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