SAC-Hütten: Sogar das WC-Papier wird geklaut

Einbrüche, Diebstähle, unanständiges Verhalten: Nicht alle Alpinisten wissen den Service des SAC zu schätzen. Die Konsequenzen davon tragen aber alle – insbesondere jene, die das Angebot der SAC-Hütten schätzen und ehren.

Wegen Diebstahls: Verwandte bringen kurzfristig Klopapiernachschub zur Trifthütte.

Wegen Diebstahls: Verwandte bringen kurzfristig Klopapiernachschub zur Trifthütte.

(Bild: zvg)

Bruno Petroni

Das Problem ist so alt wie der Alpinismus selber: Trift-Hüttenwart Artur Naue fand im Archiv ein Mahnschreiben vom 11. September 1868 – verfasst also vor 148 Jahren, vom damaligen Präsidenten der SAC-Sektion Bern, wonach die Trifthütte «in der jüngsten Zeit auf unberechtigte Weise von herumziehenden Kristallsammlern in Beschlag genommen, das vorrätige Holz verbrannt, das Futter verunreinigt und die Gerätschaften verdorben worden sind».

Naue: «Bei uns beschränken sich die Diebstähle primär auf Holz – und Klopapier: Nachdem im letzten Juni an einem einzigen Abend mit zwanzig Gästen über vierzig Rollen Klopapier verschwunden waren, musste mein Cousin, der uns am nächsten Tag besuchte, einigen Nachschub an Toilettenpapier zur Hütte mit hochtragen.

Die benachbarte Tierberglihütte hat ab dieser Saison aufgrund «unehrlicher Nutzung», Sachbeschädigungen und masslosen Holzverbrauchs keinen Winterraum mehr, sondern bloss noch einen Schutzraum für in Not Geratene, ohne Schlaf- und Kochgelegenheit. «Im Verlauf des vo­rigen Winters haben wir bei vier Kontrollgängen jedes Mal unangemeldete Gruppen im Winterraum angetroffen», berichtet Tierbergli-Hüttenwart Hanspeter Imboden. Vor wenigen Wochen brachen unbekannte Täter sogar in die neu sanierte Hütte ein.

Sarah Benz von der Konkordiahütte merkt, «dass sich jeweils gegen Saisonschluss auffällig viele Leute nach der Schliessung der Hütte erkundigen – wohl, um dann spesenfrei übernachten zu können». Am jeweiligen Holzverbrauch sieht sie deutlich, dass längst nicht alle Gäste für die Benützung des Winterraumes bezahlen. In der Dossenhütte liessen vor zehn Jahren dreiste Diebe Bargeld, T-Shirts und Schutzkleidung und einiges anderes mitgehen. Jetzt hat es dort keinen Winterraum mehr; Schutz findet man 300 Höhenmeter tiefer im Rosenlaui-Biwak.

Unerfreuliche Entdeckungen machen die Hüttenwarte in der ganzen Schweiz: So schlug ein Alpinist bei der Basodinohütte im Bedrettotal eine Scheibe ein. Er trank sämtliche Weinreserven auf und hinterliess ein Chaos. Selbst die mit 3855 Metern am zweithöchsten gelegene SAC-Unterkunft, das Mischabeljoch-Biwak (Wallis), wird von Unholden nicht verschont. Hier gab es innert vier Jahren drei Einbrüche. In gut besuchten Hütten wie der Monte Rosa werden Hüttengästen wiederholt Pickel gestohlen. «Und um Verwechslungen handelt es sich sicher nicht», sagt Hüttenwart Peter Rubin: «Der Anstand in den Bergen ist verloren gegangen.»

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