Zollbrücks «Spiel des Lebens»

FC Zollbrück

Die Emmentaler Drittligaequipe steht vor dem grössten Spiel der Vereinsgeschichte. Am Sonntag empfängt die Mannschaft von Trainer Bruno Zaugg den Challenge-League-Club Aarau.

Einschwören vor dem grossen Spiel: Zollbrück-Trainer Bruno Zaugg (rechts) gibt seinem Team Anweisungen im Training.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Einschwören vor dem grossen Spiel: Zollbrück-Trainer Bruno Zaugg (rechts) gibt seinem Team Anweisungen im Training.

(Bild: Andreas Blatter)

Den Sonntag haben sich die Spieler des FC Zollbrück schon lange rot in der Agenda angestrichen. Dann nämlich ist der FC Aarau auf dem Sportplatz Tannschachen zu Gast. Zum ersten Mal hat sich der Drittligist für den Schweizer Cup qualifiziert und trifft auf den dreimaligen Schweizer Meister und einmaligen Cupsieger.

Die Sitzplatztribüne steht bereit. Am Freitag vor einer Woche und letzten Montag haben die Spieler und Mitglieder des FC Zollbrück diese selber aufgestellt. Viele nahmen dafür extra frei. «Für so ein Spiel macht man das gerne», sagt Captain Yanick Blaser.

Der 28-Jährige sitzt vor dem letzten Training vor dem Clubhaus, flankiert von seinen Teamkollegen Damian Wüthrich und Tim Schober. Die Vorfreude bei den drei ist spürbar. Blaser spricht vom «Spiel des Lebens» und Schober sagt, dass sie eine solche Partie vielleicht nie mehr wieder erleben werden.

Dramatische Wende

Die Emmentaler gehören zu den konstantesten und erfolgreichsten Teams der gesamten Drittliga. In den vergangenen fünf Jahren haben sie sich viermal für die Aufstiegsspiele qualifiziert. In der letzten Saison verpassten sie dieses Ziel zwar als Zweite hinter Roggwil, im Berner Cup reihten sie aber Sieg an Sieg.

Angefangen hatte alles mit einem dramatischen Spiel gegen Muri-Gümligen im vergangenen August. Die Emmentaler machten gegen die ambitionierten Berner in den letzten neun Minuten einen 1:3-Rückstand wett, gingen in der Verlängerung erstmals in Führung und siegten schliesslich mit 9:8 im Penaltyschiessen.

Es folgten Siege gegen Spiez, Bümpliz, Madretsch und Courtételle. «Spätestens da merkten wir, dass wir es schaffen können», sagt Damian Wüthrich. Nach dem Auswärtserfolg im Halbfinal gegen Herzogenbuchsee stand die erstmalige Qualifikation für den Schweizer Cup fest.

«Ein grosses Spiel pro Saison muss es schon sein», sagt Tim Schober und lacht. Viele verfolgten die Auslosung am 1. Juli gemeinsam, und Zollbrück musste lange ausharren. Als es gezogen wurde, war der FC Aarau das einzig verbleibende Profiteam, und der FCZ hatte Glück. «Klar hofften wir im ersten Moment auf Basel oder YB» sagt Wüthrich. «Aber Aarau ist ein super Los.»

«Ein grosses Spiel pro Saison muss es schon sein.»Tim Schober

Wohl kein Leibchentausch

Für spezielle Spiele hatten sich die Verantwortlichen in früheren Jahren auch etwas Spezielles einfallen lassen. Ans Aufstiegsspiel in Münsingen im letzten Jahr reiste der FCZ beispielsweise mit einem Car, wie ihn die Nationalmannschaft zur Verfügung hat. Auf solche aussergewöhnlichen Massnahmen wird diesmal indes verzichtet.

Die Emmentaler nehmen sich vor, das Spiel so anzugehen wie jedes andere auch. «Auch wenn die Vorfreude grösser ist», meint Schober. Auf dem Sportplatz Tannschachen werden um die 2000 Fans die Partie mitverfolgen – vor so einer Kulisse hat noch kein FCZler je gespielt.

Die Spieler werden extra angefertigte Trikots mit Namen und Nummer tragen. Es werde wohl niemand mit den Aarauern Leibchen tauschen wollen, vermutet Trainer Bruno Zaugg und schmunzelt.

«Die Chancen auf ein Weiterkommen sind sicher minim», sagt Blaser, erinnert aber gleich an die vielen Geschichten, die im Schweizer Cup schon geschrieben wurden. «Wer weiss, das ist vielleicht auch hier möglich.» Trainer Zaugg lässt jedenfalls nichts unversucht.

Den 2:0-Sieg der Aarauer gegen Servette am vergangenen Montag verfolgte er vor Ort im Brügglifeld. Jeder Spieler sei individuell besser als seine Akteure, gibt Zaugg zu. Dennoch hat er sich einen klaren Gameplan zurechtgelegt. Für die Zeitung bestimmt ist dieser jedoch nicht.

Schobers Zwickmühle

Am Montag treffen sich die Zollbrücker zum Abbauen der Tribüne. Wobei: «Vielleicht können wir sie ja auch stehen lassen» sagt Yanick Blaser und lacht. Dann nämlich, wenn sich die Emmentaler gegen Aarau durchsetzen sollten und es am 17. oder 18. September zum nächsten Fussballfest in Zollbrück kommen würde.

Tim Schober hat sich dieses Wochenende schon lange dick angestrichen. Nicht darum, weil er bereits ein zweites Cupabenteuer vor Augen hätte, nein. Er heiratet. Die Teamkollegen sind eingeladen. «Es wäre ein ‹Seich›», sagt er und schildert die Zwickmühle, in die ihn ein Weiterkommen bringen würde. «Aber vielleicht können wir sie ja verschieben», sagt Schober und lacht. Die Cuprunde, wohlgemerkt.

Berner Zeitung

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