Zusatzschlaufe bei Schulhaus-Sanierung verärgert Parlamentarier

Köniz

Trotz teurer Machbarkeitsstudie bleibt alles beim Alten: Das Schulhaus Mengestorf in Köniz soll doch saniert werden wie vorgesehen.

Das über 100-jährige Schulhaus Mengestorf muss dringend saniert werden.

Das über 100-jährige Schulhaus Mengestorf muss dringend saniert werden.

(Bild: zvg)

Christoph Albrecht

Sie ist das grosse Sorgenkind unter den Könizer Schulhäusern: die Schule Mengestorf im ländlichen Gemeindegebiet. Das über 100-jährige Gebäude ist schwer sanierungsbedürftig, der Platzmangel akut. Um den Unterricht aufrechtzuerhalten, wird seit Jahren improvisiert. Der Werkraum befindet sich in einer alten Dusche, der Stauraum auf der Toilette. Weil ein Umkleideraum fehlt, müssen sich die Kinder fürs Turnen im Gang umziehen. Ein Lehrerzimmer? Fehlanzeige.

Lange hat Köniz die Zustände zähneknirschend geduldet, wegen der finanziellen Schieflage der Gemeinde aber nichts dagegen getan. Bis vor einem Jahr. Da hat der Gemeinderat dem Parlament einen Projektierungskredit von 220'000 Franken für den langersehnten Umbau vorgelegt. Sein Vorschlag: Im Dachgeschoss soll ein neuer, multifunktionaler Raum entstehen, im Untergeschoss ein Anbau mit Garderoben und Geräteraum. Geschätze Kosten für die Realisierung: etwa drei Millionen Franken. Die dringend nötige Sanierung – sie schien endlich angepackt zu werden.

Lehrer wollen Neubau

Bloss: Eine Allianz aus SVP, SP und Grünen innerhalb des Parlaments machte dem Gemeinderat in letzter Sekunde einen Strich durch die Rechnung. Die Parteien kritisierten beim vom Gemeinderat vorgeschlagenen Projekt das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen. Und sie fanden, zuerst müsse der effektive Schulraumbedarf abgeklärt werden. Überraschend wiesen sie das Geschäft deshalb zurück und erteilten der Exekutive den Auftrag, verschiedene Sanierungsvarianten auszuarbeiten.

Das hat der Gemeinderat nun getan. In einer fast 50'000 Franken teuren Machbarkeitsstudie hat er sechs Varianten geprüft – von der einfachen Sanierung der Gebäudehülle über einen Anbau bis hin zum doppelstöckigen Pavillonneubau. Dabei hat er auch die Präferenzen der betroffenen Lehrer abgeklärt. Das Resultat: Die Lehrerschaft wünscht sich einen frei stehenden zweigeschossigen Neubau.

«Weder unser Input noch derjenige der Schule wurde berücksichtigt.»Adrian Burren, SVP Köniz

Darauf eingegangen ist der Gemeinderat aber nicht. Die geprüften zusätzlichen Varianten seien entweder zu teuer oder wegen des Heimatschutzes kaum bewilligungsfähig. Die erwartete Entwicklung der Schülerzahlen mache einen grösseren Ausbau zudem nicht nötig. Im überarbeiteten Geschäft, das der Gemeinderat am Montag dem Parlament vorlegen wird, schlägt er deshalb die Variante A vor – und damit exakt das gleiche Projekt wie schon vor einem Jahr.

Extrarunde für nichts

Eine teure Extrarunde, bei dem dasselbe Resultat wie vorher herauskommt? Insbesondere bei der SVP kommt das gar nicht gut an. «Weder unser Input noch derjenige der Schule wurde berücksichtigt», ärgert sich Adrian Burren. Der Parlamentarier wirft dem Gemeinderat mangelnde Kompromissfähigkeit vor. «Es scheint, als hätte er fünf zu­sätzliche Projekte hingelegt, die alle einen genug grossen Haken haben, um nicht unterstützenswert zu sein.» Seine Partei, die sich einen Pavillonneubau gewünscht hätte, sei «resignativ unzufrieden». Man werde dem Projekt dem Frieden zuliebe wohl aber zustimmen. «Wir wollen die Sanierung der Schule Mengestorf nicht noch weiter verzögern.»

Kritik äussern auch die Grünen. «Wir sehen die vorge­schlagene Variante als verpasste Chance, da sich die Schule trotz Sanierung nicht vollumfänglich entfalten kann», sagt Dominique Bühler. Immerhin wisse man nun, dass ein zusätzlicher Pavillon grundsätzlich möglich wäre. Die SP ihrerseits ist zufrieden. «Die Schülerzahlen zeigen auf, dass die vorgeschlagene Variante verhältnismässig ist.»

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