Offenes WLAN in Zürich: Die Stadt will sparen und ein Netz wie in Bern

Der Gemeinderat will zwar, dass in Zürich ein offenes WLAN entsteht. Die Stadt soll dabei aber nur den Weg ebnen für einen privaten Betreiber.

In Zürich nicht überall möglich: Kostenlos surfen auf der Wiese.

In Zürich nicht überall möglich: Kostenlos surfen auf der Wiese. Bild: Flickr/Ed Yourdon

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Überall in der Stadt gratis ins Internet: Das forderte die SP im Stadtzürcher Wahlkampf 2010. Gemeinderat Davy Graf und die damalige Stadtratskandidatin Claudia Nielsen, die heute Mitglied der Stadtregierung ist, haben damals ein Postulat eingereicht, das ein flächendeckendes, drahtloses Netz für den Internetzugang (WLAN) in Zürich fordert. Gestern hat der Gemeinderat den Vorstoss überwiesen – allerdings in einer stark veränderten Fassung. Nicht die Stadt soll das Netz aufbauen, sondern ein privater Betreiber. Der Stadtrat soll ihm dazu eine Konzession erteilen.

Keine Kernaufgabe des Staates

Die SP hatte in ihrem Postulat gefordert, dass die Stadt nicht nur die Koordination beim Aufbau des Netzes übernimmt, sondern die Lücken selbst schliesst. Laut dem Stadtrat wären dazu 2000 Antennen nötig, die Kosten beliefen sich laut einer groben Schätzung auf 15 Millionen Franken.

Dies ging den bürgerlichen Parteien zu weit. «Es ist keine Kernaufgabe des Staates, den Bürgerinnen und Bürgern ein WLAN-Netz zur Verfügung zu stellen», sagte SVP-Gemeinderat Mauro Tuena. Die Kosten für den Aufbau seien dem Steuerzahler nicht zuzumuten. Er wisse auch nicht, ob ein genug grosses Bedürfnis bestehe: So habe ein privater Anbieter seinen Gratis-Hotspot am Limmatquai wieder aufgegeben, weil ihn weniger Personen als erwartet genutzt hatten. Tuena sprach von einem «reinen Wahlkampf-Gag» der SP.

Marc Bourgeois (FDP) fand ebenfalls, es sei nicht die Pflicht der Stadt, ein WLAN-Netz zu installieren. Heute könne man sich zudem mit den meisten Smartphones problemlos ohne WLAN ins Internet einloggen.

Das spezielle Angebot in Bern

«Private Anbieter soll man aber nicht behindern», so Bourgeois. Ein Blick nach Bern zeige, dass diese durchaus Interesse daran haben könnten, ein öffentliches Gratisnetz aufzubauen. Dort hat die Stadtregierung vor gut einem Jahr der Firma TheNet-Internet Services AG die Konzession erteilt, ein flächendeckendes WLAN-Netz zu schaffen. Die Firma, die seit 2002 einzelne Hotspots in Bern betreibt, will dieses in drei Jahren fertigstellen. Das Angebot wird zweigeteilt: Gratis surft man auf einem langsamen Netz mit beschränkter Datenmenge im Internet. Daneben bietet die Firma ab 17 Franken pro Monat ein Premium-Angebot an, das unbeschränktes und schnelleres Surfen erlaubt.

Bourgeois schlug deshalb vor, das Postulat umzuformulieren. Der Stadtrat solle bis in zwei Jahren zwar prüfen, wie ein öffentliches WLAN auf Stadtgebiet realisiert werden könne. Aber: «Eine allfällige Umsetzung und Finanzierung soll dabei wenn möglich mittels Konzessionierung privater Anbieter erfolgen.»

Die SP akzeptierte die Änderung, die anderen Parteien stimmten dem umgeschriebenen Postulat ebenfalls zu, ausser die SVP. Sie störte sich an der Formulierung «wenn möglich». «Diese öffnet Tür und Tor, dass letztlich doch der Staat die Aufgabe übernehmen wird», kritisierte Mauro Tuena.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 28.06.2012, 10:02 Uhr)

Artikel zum Thema

Der Ärger mit dem kostenpflichtigen Swisscom-WLAN

iPhones mit iOS5 können sich automatisch ins kostenpflichtige WLAN-Netz der Swisscom einwählen, wie der «Kassensturz» aufgedeckt hat. Die Folge sind unerklärlich hohe Datenvolumenrechnungen. Mehr...

SBB rüsten 2. Klasse mit WLAN auf

Ab 2014 wollen die SBB in ihren neuen Doppelstockzügen Internet über WLAN anbieten. Ob der Service gratis wird und ob auch weitere Wagen aufgerüstet werden, entscheidet das Bahnunternehmen diesen Sommer. Mehr...

Frage des Tages: Offenes WLAN oder Glasfasernetz?

Nach zwei Jahren Wartezeit wird der Zürcher Gemeinderat endlich über ein offenes WLAN-Netz in Zürich debattieren. Stadtrat Andres Türler stemmt sich allerdings immer noch gegen das Bedürfnis vieler Zürcher. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Blogs

Foodblog Baklava und singende Männer
Gartenblog Auf der Zielgeraden
Sportblog Die guten alten Zeiten

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Sch**** Kunst: Eine Mitarbeitern der Tate Britain bestaunt das Werk «Project for a door» von Anthea Hamilton. Die britische Künstlerin ist zusammen mit Michael Dean, Helen Marten und Josephine Pryde auf der Shortlist des Turner Prize 2016. (26. September 2016).
(Bild: Carl Court/Getty Images) Mehr...