Gewerkschafterin verliert den «Kampf um Macht und Geld»
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 04.05.2012 11 Kommentare
Artikel zum Thema
- Unia-Mitarbeiter wegen Hausfriedensbruch bestraft
- Gewerkschaft: Rettung von Merck Serono in Genf ist möglich
- Bauarbeiter erhalten mehr Lohn
Teilen und kommentieren
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Julia Gerber Rüegg muss sich eine neue Arbeit suchen. Die SP-Kantonsrätin verliert auf Ende Juni ihre Kaderstelle in der Gewerkschaft Unia Zürich-Schaffhausen. Auf diesen Termin hin hat die Unia unter Führung von Geschäftsleiter Roman Burger das Arbeitsverhältnis mit der Co-Präsidentin der SP-Frauen Schweiz beendet. Gerber Rüegg und die Unia bestätigen einen Artikel der NZZ von gestern Donnerstag.
Über die Gründe, die zur Kündigung geführt haben, gehen die Darstellungen auseinander. Sicher ist: Ein Streit tobt im Zürcher Gewerkschaftsbund (GBKZ), wo Gerber Rüegg und Burger im dreizehnköpfigen Vorstand sitzen, sie als Präsidentin, er als einfaches Mitglied. Im Zentrum des Konflikts steht die künftige Ausrichtung des Dachverbands, dem die meisten Zürcher Gewerkschaften angehören. Die Unia, sagte Roman Burger gegenüber der NZZ, vertrete eine konsequente Orientierung auf Kampagnen, andere Kräfte strebten eine Lobbyorganisation an.
Unia verneint Strafaktion
Ein GBKZ-Vorstandsmitglied kritisiert, dass diese Aussage verschleiere, worum es tatsächlich gehe: «Es ist ein Kampf um Macht und Geld. Die Unia bringt alle gegen sich auf.» Der Insider will anonym bleiben, um die vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund jüngst aufgegleiste Mediation im GBKZ-Vorstand nicht zu gefährden. Gerber Rüegg leitet den Prozess – «neutral», wie sie versichert. Als Präsidentin sei sie für das Funktionieren und die Arbeit des GBKZ verantwortlich. Burger, so ein Insider, werfe Gerber Rüegg vor, gegen die Unia zu agieren und deren Interessen nicht zu vertreten. «Dass er sie nun entlässt, ist eine Retourkutsche.»
In diesem Sinn äussert sich auch Urs Loppacher, langjähriger VPOD-Vertreter im GBKZ-Vorstand. Die Entlassung hänge zweifelsohne mit der Arbeit von Gerber Rüegg als GBKZ-Präsidentin zusammen. Dies sagt auch Gerber Rüegg selber. Der Konflikt, so bestätigen es mehrere Quellen, sei vielschichtig und auch eine Folge von Burgers «sehr schwierigen Art». Mit ihm Kompromisse zu finden, sei fast nicht möglich, da er alle Macht an sich reissen wolle. Burger selber war gestern für den TA nicht erreichbar.
Nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen
Ein Streitpunkt ist laut Recherchen des TA, dass die Unia gegen den Willen der Mehrheit im Vorstand eine Teilzeitstelle im GBKZ streichen und die so freiwerdenden Gelder für Kampagnen einsetzen will. Ebenso konfliktbeladen sei das Dossier VBZ, dessen Federführung traditionell beim VPOD liegt, dem Verband, der die Angestellten im öffentlichen Sektor vertritt. Beim VBZ-Zwist im letzten Jahr – es ging um die Arbeitsbedingungen der Chauffeure – brachte die Unia den VPOD gegen sich auf, weil sie für die VBZ-Buschauffeure eine Petition beim Stadtrat einreichte. Der VPOD argwöhnte, die Unia wolle ihm Mitglieder abluchsen.
Gerber Rüegg will sich zur Kündigung nicht weiter äussern, weil sie mit Burger derzeit über eine Austrittsvereinbarung verhandelt. Als Kündigungsgrund nannte Burger im NZZ-Artikel «strategische Differenzen» zwischen ihr und den Leitungsgremien der Unia. Worin diese bestehen, wollte gestern ein Sprecher der Unia nicht näher erläutern. Er betont aber, die Differenzen bezögen sich einzig auf die Rolle Gerber Rüeggs als Kadermitglied in der Unia. «Eine Meinungsverschiedenheit im Gewerkschaftsbund ist kein Kündigungsgrund.» Von einer Strafaktion könne daher keine Rede sein.
«Arbeit gerne und gut gemacht»
Offen ist, ob die Entlassung ein juristisches Nachspiel hat. Julia Gerber Rüegg will sich nicht dazu äussern, ob sie rechtliche Schritte gegen die Unia ergreifen wird. Für die Art, wie sie Mitarbeiter absetzt, gerät die Unia nicht zum ersten Mal in die Schlagzeilen. Im Februar letzten Jahres führte die umstrittene Absetzung eines Berner Sektionschefs zu breiten Protesten innerhalb der Gewerkschaft. Nach langen Verhandlungen bekam er schliesslich seinen Posten zurück.
Dass sie ihre Stelle verliert, bezeichnet Gerber Rüegg als «bitter». «Ich habe meine Arbeit gerne und auch gut gemacht», sagt die Wädenswilerin, die ihre Karriere bei der Unia 2008 in der Zentrale in Bern als Mitarbeiterin im Mediendienst begonnen hat. Dass die Kündigung ihre Jobsuche erschweren wird, glaubt die 55-Jährige nicht. Ihre berufliche Zukunft sei offen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.05.2012, 09:56 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
11 Kommentare
Roman Burger ist ein Wolf im Schafspelz. Sozialkompetenz gleich Null. Viele erhofften sich nach der Vaterschaft einen etwas menschlicheren, umgänglicheren und verständnisvolleren Burger. Aber der Unia-Gewerkschafter blieb der Alte und lebt weiter retromässig in den 50-er-Jahren. Als ehem. Sekretär des GBKZ fordere ich hiermit den Rücktritt Burgers als Unia-Geschäftsleiter und als Vorstand des GBKZ Antworten
Überhaupt ist es exorbitant, was gewisse Gewerkschaftsfunktionäre garnieren. Nebst Höchstlöhnen gibt es ein GA, für alles und jedes Spesenentschädigungen sowie Sitzungsgelder. Hierauf sollten die Gewerkschaftsmitglieder mehr achten und Abrechnungen einsehen. Abgezockt wird nicht nur bei den Banken. Antworten

Bitte warten