Sie traten nach dem Kopf wie nach einem Ball
Von Stefan Hohler, Simon Eppenberger, MĂĽnchen. Aktualisiert am 10.03.2010
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MĂĽnchner Prozess in ZĂĽrich
Befragte fĂĽr das Oberlandesgericht MĂĽnchen die zwei Hauptzeugen: Jugendstaatsanwaltschaft des Kantons ZĂĽrich.
Foto: Justa
U-Bahn-Station beim Sendlinger Tor: Hier verletzten die Schläger einen 46-Jährigen schwer. (Bild: Simon Eppenberger)
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MĂĽnchner Prozess
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Am dritten Tag im Prozess gegen die Schläger von der Goldküste tritt der 46-jährige Geschäftsmann auf, der beim Sendlinger-Tor-Platz lebensgefährlich zusammengeschlagen worden ist. Nachdem er während den ersten beiden Verhandlungstagen den Prozess schweigend verfolgte, rapportiert er heute vor den Richtern, was ihm am 30. Juni 2009 kurz vor Mitternacht widerfahren war. Seine Aussage ist ein Protokoll des Grauens.
Damals war er nach einem Geschäftstermin mit anschliessendem Nachtessen auf dem Weg ins Hotel. Als er seine Unterkunft bereits sah, schlug ihm Mike B. plötzlich und ohne ersichtlichen Grund mit voller Wucht von der Seite die Faust ins Gesicht. Der Mann ging sofort zu Boden, konnte sich aber zunächst auf den Händen und Knien halten. Daraufhin trat ihm Benji D. kräftig gegen den Kopf, laut Ermittlungen so, als ob er einen Ball treten würde.
Letzte Gesichts-OP im Januar
Mike B. trat anschliessend dem auf dem Boden liegenden Opfer zwei weitere Male gegen den Kopf. Der Geschäftsmann blutete aus Ohren und Nase, erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Nasenhöhlenbruch. Zudem hatte er verschiedene Brüche im Mittelgesicht, die Kieferhöhlen und der rechte Jochbogen wurden mehrfach gebrochen. An das Eintreffen der Rettungskräfte konnte er sich nicht mehr erinnern. Erst im Krankenhaus erwachte er aus der Bewusstlosigkeit, wie die Polizei später festhielt.
Die Folgen der Attacken waren so schwerwiegend, dass sein Gesicht in mehreren Operationen wiederhergestellt werden musste. Die Ärzte rekonstruierten sein Mittelgesicht neu. Der letzte grosse Eingriff erfolgte im Januar. Noch heute leidet er unter den Folgen der Schläge und Tritte. Laut seinem Vertreter vor Gericht, Wolf Dietrich Kohler, ist der Mann bis heute schwer gezeichnet und auf einem Auge fast blind.
Passant hielt sie von weiteren Schlägen ab
Nach den Aussagen des Geschäftsmanns wird heute das fünfte und letzte Opfer als Zeuge aufgerufen. Der bulgarische Student wurde zwei Minuten nach der brutalen Attacke beim Sendlinger-Tor-Platz niedergeschlagen. Wiederum war Mike B. der Anführer. Er schlug ihm ohne Vorwarnung oder Anlass mit dem Ellbogen von oben auf den Kopf. Benji D. und Ivan Z. schlugen ihn wuchtig gegen das Gesicht, Benji D. zudem gegen den Hals. Sie liessen erst vom Opfer ab, als ein Passant drohte, die Polizei zu rufen.
Daraufhin gingen sie laut Aussagen des Passanten zuerst locker-lässig weiter, als ob sie nichts aus der Ruhe brächte. Erst als sie die Polizeisirenen hörten, rannten sie davon. Die drei damals 16-jährigen Schüler flüchteten in die nahegelegene Jugendherberge, wo sie wohnten. Dort wechselten sie die blutverschmierten Kleider. Danach schauten sie sich einen Film an, als sie von der Polizei verhaftet wurden.
Das Gericht informiert heute um 13 Uhr ĂĽber die Befragung des Opfers und den weiteren Verlauf des Prozesses. Bernerzeitung.ch/Newsnetz ist vor Ort und berichtet laufend. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 10.03.2010, 13:17 Uhr
