Notbremse legt SBB-Verkehr lahm: 176 Züge betroffen
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 17.01.2012 74 Kommentare
Als die neue SBB-Zentrale Ost den Medien vorgestellt wird, gilt es für die Mitarbeiter ernst: Sie müssen die Panne in Altstetten kommunizieren und auf eine Störung bei Jestetten reagieren.
Artikel zum Thema
- Chaos im Morgenverkehr: Zug riss Fahrleitung herunter
- Erneut Unfall am Stadelhofen
- Zugausfälle und Verspätungen nach Kollision am Stadelhofen
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Heute Dienstag kurz vor 8 Uhr erreichte ein S-Bahn-Zug seinen Endbahnhof Zürich-Altstetten. Alle Fahrgäste stiegen aus, und der leere Zug wurde in Richtung Wettingen AG weitergezogen. «Dort sollte er auf seinen nächsten Einsatz warten», wie SBB-Sprecher Reto Kormann gegenüber der SDA sagte.
Ein Passagier verschlief jedoch offenbar die Endhaltestelle. Statt auszusteigen, schlummerte er im leeren Zug weiter. Als er erwachte, rieb er sich die Augen: Schlieren! Der Fahrgast sprang auf, packte die Notbremse und zog.
Halt löst Kurzschluss aus
Das Pech wollte es, dass der Zug ausgerechnet auf einem sogenannten Streckentrenner zum Stillstand kam. «Dort gibt es unterschiedliche Stromspannungen», wie Kormann erklärte. Dies löste einen Kurzschluss aus.
Dieser hat vermutlich bewirkt, dass eine derart grosse Hitze entstand, dass die Fahrleitung durchtrennt wurde. Darauf stürzte die Leitung zu Boden. Das Ende der Leitung berührte dabei einen Wagen, was zu einem derart grossen Stromfluss führte, dass der Zug beschädigt wurde. Daraufhin schaltete das Sicherheitssystem den Strom sofort ab.
Passagier durchgebrannt
Der Lokführer bemerkte, dass sich eine Türe öffnete und ein Passagier ausstieg, sagt Kormann gegenüber Tagesanzeiger.ch. Der müde Fahrgast sprang aus dem Wagen und floh über drei Gleise.
Ob gegen den Passagier Anzeige eingereicht wird und wie teuer der Schaden ist, kann Kormann derzeit nicht sagen. Priorität habe nun, dass die Gleise vor der Rushhour am Abend wieder befahrbar sind. Die Bahnstörung vom Dienstag zwischen Schlieren und Dietikon im Limmattal nähert sich derzeit dem Ende. Mitte Nachmittag waren drei von vier Gleisen wieder befahrbar, wie Kormann der SDA mitteilte.
Damit könne man voraussichtlich den Ansturm der abendlichen Rushhour bewältigen, sagte Kormann. Bis das vierte und letzte Gleis wieder befahren werden kann, dürfte es etwa 22 Uhr werden.
1300 Minuten Verspätung
Vom Ausfall waren 176 Züge betroffen. Sie fuhren Verspätungen von insgesamt 1300 Minuten ein, rechnete Kormann vor. Bisher seien keine sogenannten Regress-Forderungen bei der SBB eingegangen. Dies werde aber voraussichtlich noch kommen. Wenn ein Zugpassagier wegen der Streckenblockierung beispielsweise einen Flug verpasst hat, dann wird er wohl Forderungen geltend machen.
Mit ihrem Missbrauch der Notbremse ist die Person nicht allein. Laut Kormann registrierten die SBB im vergangenen Jahr 350 missbräuchliche Notbremsungen. Im Jahr zuvor waren es gar 395. Blicke man auf die vergangenen Jahre, so bewege sich die Zahl regelmässig zwischen 320 und 400. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.01.2012, 11:04 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
74 Kommentare
Völlig unentschuldbares, egoistisches Verhalten! Anstatt bis zur nächsten Haltestelle zu warten, und sich zu schämen, wurde die Notbremse gezogen! Ich hoffe, dass eines sofortige Geldbusse von Fr. 1'000-3'000 und 2-3 Tage Gefängnis unbedingt verhängt wird! Notbremsen sind nur bei Lebensgefahr zu ziehen, und sicher nicht bei verpassen von Haltestellen! Antworten

Bitte warten