In Seilparks ist eine solche Bahn verboten
Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 14.06.2011 81 Kommentare
J+S-Ausbildung in «Seiltechnik»
Das Cevi-Pfingstlager in Oetwil an der Limmat war ein J+S-anerkanntes Lager. Jedes Lager mit J+S-Anerkennung – und das sind die allermeisten Pfingstlager – muss auch von J+S-ausgebildeten Leiterinnen und Leitern begleitet sein, wie Christoph Lauener, Sprecher des Bundesamtes für Sport (Baspo) am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte.
Nach der rund einwöchigen Grundausbildung in «Lagersport/ Trekking» sind sie zu einer Weiterbildung alle zwei Jahre verpflichtet. Zu den Kursthemen gehört «Seiltechnik». Hier geht es unter anderem um das Bauen von Seilbahnen. Sie werden von Baum zu Baum gespannt.
Neben dem Sicherungsseil ist eine zweite Sicherung vorgesehen. Das J+S-Merkblatt schlägt ein quer gespanntes Seil vor, das am Fahrseil befestigt ist. Es hält die fahrende Person in einem gewissen Abstand vom Zielbaum auf. Eine ehemalige Cevi-Lagerleiterin berichtete der SDA von einem am Seil angebrachten stabilen Querholz mit dem gleichen Effekt.
Gefahren sehen lernen
Neben dem technischen Bereich vermitteln die Kurse laut Lauener auch «Erziehung zur Selbstverantwortung»: Die künftigen Leiterinnen und Leiter müssten lernen, Gefahren zu sehen und Situationen je nach Gelände, Wetter und dergleichen einzuschätzen. Wenn nötig, können sie noch vor Ort Experten beiziehen.
Zum konkreten Unfall wollte sich Lauener nicht äussern. Schnellschüsse seien nicht angebracht, es gelte erst einmal, die Ermittlungsergebnisse abzuwarten. Würde allenfalls ein Mangel entdeckt, so würde diese Erkenntnis in künftige Schulungen miteinbezogen.
Rund 11'000 Kinder und Jugendliche haben laut dem Baspo-Sprecher dieses Jahr an einem J+S-anerkannten Pfingstlager teilgenommen. Abgesehen vom tödlichen Seilbahn-Unglück in Oetwil an der Limmat habe er keine Kenntnis von «irgendeinem Vorfall». (sda)
«Fixe Seilbahnen haben ein passives Bremssystem»: Pit Bangerter, Präsident Verband Schweizer Seilparks. (Bild: zvg)
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Am Tag, nachdem ein achtjähriges Mädchen durch ein Seilbahnunglück gestorben ist, sagt die verantwortliche Organisation Cevi auf Anfrage, die Betroffenheit und Anteilnahme haben derzeit höchste Priorität. Auf die Frage, ob das Opfer einen Helm trug, antwortet Jürg Schelldorfer vom Cevi-Vorstand: «Das zu klären ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.» Obwohl weitere Infos am Nachmittag angekündigt wurden, teilt die Cevi nichts neues mit.
Auf die Frage, ob die Lagerleiter die Bewilligung hatten, eine Seilbahn zu bauen, gibt Schelldorfer auch am Nachmittag keine Auskunft und verweist auf die laufende Untersuchung der Behörden. Auch über das Alter der verantwortlichen Leiter oder eine allfällige Haftung schweigt der Cevi. Esther Surber von der Kantonspolizei Zürich sagt auf Anfrage, derzeit gebe es keine neuen Erkenntnisse, die kommuniziert werden können. Die Untersuchungen dauern voraussichtlich Wochen.
Grosses Gefälle
Laut der kantonalen Fachstelle Sport habe die christliche Organisation die Bewilligung für das Lager erhalten. Für die einzelnen Aktivitäten sind die Leiter jedoch selber verantwortlich. «Die Lageraktivitäten des Cevi finden gemäss den Vorgaben und Richtlinien von Jugend und Sport statt. J+S-Lagerleitende haben eine anerkannte Ausbildung und besuchen regelmässig Weiterbildungen», schreibt der Cevi. Ob die vom tödlichen Unfall betroffenen Leiter die nötige Jugend+Sport-Ausbildung beim Bundesamt für Sport (Baspo) tatsächlich absolviert haben, sagt der Cevi jedoch nicht.
Bei der Unglücksseilbahn fällt auf, dass sie auf rund 100 Metern Länge beinahe 40 Meter abfällt. Nachdem das Sicherungssystem versagt hatte, erreichte das verunfallte Mädchen auf dem steil nach unten führenden Seil ein so hohes Tempo, dass es sich beim Aufprall in einen Baum tödlich verletzte.
Keine Helmpflicht in Parks
In der Schweiz gibt es zahlreiche fix installierte Seilbahnen, meist als Teil von Hochseilgärten oder Seilparks. Laut Pit Bangerter, Präsident Verband Schweizer Seilparks, gibt es dort jedoch keine vergleichbaren Installationen. «Zwischen fest installierten und temporären Seilbahnen gibt es einen grossen Unterschied: Fixe Seilbahnen müssen ein passives Bremssystem haben, das gewährleistet, dass der Benutzer am Ende des Seils eine niedrige Geschwindigkeit hat – und zwar ohne selber bremsen zu müssen», sagt Bangerter auf Anfrage. Das bedeutet, die Seile sind so angebracht, dass sie beispielsweise von Beginn an so durchhängen, dass man gegen Ende wieder hinauffährt und dadurch automatisch abgebremst wird.
Dass bei temporären Seilbahnen die Winkel viel steiler sind, ist laut Bangerter jedoch nicht aussergewöhnlich. «Bei solchen Anlagen werden in der Regel textile Seile verwendet, die viel mehr durchhängen als Stahlseile, wie sie in fixen Seilparks montiert werden. Um temporäre Seilbahnen mit textilen Seilen aufzubauen, hängt man die Seile steiler», sagt er. Eine Helmpflicht in solchen Parks besteht nicht. «Vorschrift ist es nicht, getragen werden sie jedoch in praktisch allen Deutschschweizer Seilparks», sagt Bangert.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.06.2011, 12:04 Uhr
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81 Kommentare
Es ist schrecklich, was da passiert ist. Und ich kann nur hoffen, dass u.a. die Presse sich in allem zurück hält. Wer jetzt schon anfängt, Schuld zuzuweisen, ist unsensibel und voreilig. Lassen wir die Experten ihre Arbeit machen. Mir tuen die Eltern, die Cevi-Teilnehmer/innen und auch die Leiter sehr sehr leid. Allen viel Kraft! Antworten
Seilbahnen wurden schon zu meiner Jugendzeit gebaut. Das hat nichts mit "neuem" Kitzel für die Jungen zu tun. Pfadi und Cevi geben sich die grösste Mühe, Jugendliche der Natur näher zu bringen. Dieser Unfall ist ein enormer Rückschlag für die Verantwortlichen Leiter. Antworten

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