Das Gipfeltreffen zum Auftakt in Frauenfeld
Von Werner Schweizer
Vor drei Jahren war der Wettergott ein Aarauer, jetzt ist er zum Frauenfelder geworden. Pünktlich zur Eröffnung des Schwing- und Älplerfestes kehrte der Sommer zurück und begleitete den traditionellen Festumzug, der vom Bahnhof ins grosse Festgelände führte. An der Spitze die eidgenössische Zentralfahne des Verbandes, die von einer Delegation aus Aarau überbracht wurde. Schwinger-Obmann Ernst Schläpfer und OK-Chef Urs Schneider sassen in einer Kutsche, gefolgt von einem Oldtimer mit ehemaligen Königen. Vertreter des nächsten Eidgenössischen, 2013 in Burgdorf, fehlten nicht. Auch nicht der Siegermuni Arnold, der nach seiner Tournee im Kanton zurzeit der bekannteste Thurgauer zu sein scheint.
Viele der 285 Athleten reisten gestern an, bezogen ihr Quartier bei Freunden, im Hotel oder auch in der Kaserne und absolvierten dann noch ein Training. Für Zuschauer ohne Unterkunft waren in der Nacht Extrazüge unterwegs. Der erste von ihnen verliess Engelberg um 3.15 Uhr.
König 2007 – Sieger Kilchberg
Das Anschwingen beginnt nach der morgendlichen Besammlung mit dem Appell in der Arena. Diese hat verbandsweise und in geschlossener Formation (Viererkolonne) zu erfolgen.
Die Einteilung des ersten Gangs durch den Technischen Leiter des Schwingverbands, Werner Jakob, führte in den Spitzenpaarungen die Leader der fünf Teilverbände zusammen. So trifft der letzte Schwingerkönig jeweils auf den Sieger des Kilchbergers (oder Unspunnenfests). Das als Gipfeltreffen apostrophierte Duell von Jörg Abderhalden mit Christian Stucki fand letztmals am Eidgenössischen in Aarau statt. Der Berner, der erst von einer schweren Beinverletzung genesen war, blieb damals chancenlos. Seither ist Abderhalden, der zwei gröbere Blessuren auskurieren musste, nicht mehr ausserhalb des Gebiets der Nordostschweizer angetreten.
Die Bösen starten in der Mitte
Der Favorit der Innerschweizer, Philipp Laimbacher, muss sich gegen Matthias Sempach bestätigen, der mittlerweile auch ausserhalb der Berner Grenzen zum heissen Tipp auf den Titel aufgestiegen ist. Der junge Winterthurer Samir Leuppi eröffnet die Kämpfe auf dem Ring Nummer 7 in der Mitte der Arena, auf dem die Bösen turnusgemäss am Anfang und im achten Gang auftreten.
Die Einteilung ist ein Paukenschlag oder ein Weckruf. Die Geschichte hat gezeigt, dass eine Niederlage oder ein gestellter Gang zum Start für einen Favoriten kein Nachteil sein muss. Er erhält dann in den nächsten Gängen Gegner, die eher als leichter eingestuft werden. 2001 in Nyon verlor Nöldi Forrer beim Anschwingen gegen Rolf Klarer. Trotzdem reichte ihm sogar ein Schlussgang ohne Entscheidung zum Titel. Seit 1989 in Stans hat der spätere König am Samstagmorgen in sechs Eidgenössischen nur einmal mit einem Sieg begonnen. 2004 in Luzern schlug Abderhalden gleich die ersten sieben Gegner. Deshalb reichte ihm im Schlussgang gegen Thomas Sutter ein Gestellter. Der Samstag gehört oft den Aussenseitern. 1995 führte in Chur nach vier Gängen der schwingende Bobfahrer Steve Anderhub.Interview Beat Schlatter, Seite 10
Erstellt: 20.08.2010, 22:35 Uhr
