WM 2010

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R wie Rückblick auf die Fussball-WM in Südafrika

Von Fabian Ruch, Johannesburg. Aktualisiert am 12.07.2010

Vom 11. Juni bis 11. Juli stand die Welt von A bis Z im Zeichen der Fussball-WM – ein Rückblick in 26 Buchstaben.

V wie Vuvuzela: Nervig-kultig – und das Wort des Jahres 2010?

V wie Vuvuzela: Nervig-kultig – und das Wort des Jahres 2010?
Bild: Keystone

A wie Apartheid. Fussball ist purer Rassismus. Die kleinen Fussballnationen (A wie Aussenseiter) schauen immer noch zu, wenn die Grossen den WM-Titel unter sich ausspielen.

B wie Ballexperten. Gute Schützen wie David Villa und Diego Forlan, Wesley Sneijder und Thomas Müller haben die Weltbühne (endgültig) erobert. Die erwarteten Protagonisten aber versagten (siehe C).

C wie Casinos. Vielleicht vergnügten sich die Weltstars ja in den wunderbaren Casinos. Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo und Franck Ribéry, um nur drei Versager zu nennen, hätten auch gleich Roulette spielen können. Manchmal – zum Beispiel bei Frank Lampards Retro-Wembley-Tor – bekam man das Gefühl, auch die Referees würden sich zu oft an den Spieltischen aufhalten (siehe I und P).

D wie Dummheit. Brasilien wäre ein logischer Weltmeister. Doch Felipe Melos Rote-Karte-Tritt gegen Holland beendete die brasilianischen Träume im Viertelfinal. Melo (auch D wie Depp) spielt halt eben beim falschen Klub (siehe J).

E wie Europäer, enttäuschende und erfolgreiche. An dieser WM der verrückten Wendungen trauerten europäische Fussballländer (Italien, Frankreich, England, Portugal) zuerst, ehe sie grandios triumphierten (Spanien, Holland, Deutschland).

F wie Fifaland. Der Weltverband Fifa kontrollierte auch in Südafrika alles. Verständlich, weil er seine Partner und Sponsoren schützen will. Nervig, weil vieles überreglementiert war.

G wie Gyan, Asamoah. Der Stürmer aus G wie Ghana hätte der König von Afrika werden können (mindestens). Doch sein Penaltyfehlschuss im Viertelfinal gegen Uruguay hat das grösste Drama der WM zur Folge gehabt. Ja, der böse Jabulani ist der Schuldige – oder? (siehe Q)

H wie Hand Gottes. Sie bleibt in Südamerika, schwebt aber von Argentiniens Masskotchen (siehe M) zu Uruguays Luis Suarez, der mit einem Volleyballblock erst das Penaltydrama Gyans (siehe G) ermöglichte.

I wie Irrsinn. Die ganze Welt sah die Fehler der Schiedsrichter, nicht aber die Spielleiter selbst (siehe P). Es ist endlich Zeit für den Videobeweis (und mehr).

J wie Juventus. Der ruhmreiche Klub ist ein Trümmerhaufen. Leider hat das der italienische Trainer Marcello Lippi nicht bemerkt, er scheiterte mit seinem Juve-Block kläglich. Der Turnierdepp des Rekordweltmeisters spielt auch bei Juve (siehe D).

K wie Kapstadt. Die fantastische Stadt steht für traumhafte Möglichkeiten im Gastgeberland (Parks und Tiere, Essen und Trinken, Golfen und Geniessen) – aber eben auch für dramatische Gegensätze (siehe S).

L wie Lebensfreude. Die Südafrikaner sind trotz teilweise schrecklicher Armut fröhliche Menschen, sie haben sich als würdige Gastgeber erwiesen. Ihr Selbstbewusstsein ist gestiegen.

M wie Maskottchen. Das offizielle WM-Maskottchen (es heisst übrigens Zakumi) hat sich nicht etabliert. Aber die Argentinier haben zur Sicherheit gleich ihr eigenes mitgenommen. Es heisst M wie Maradona, hat als Folkloretrainer überzeugt und als Fussballlehrer versagt. Zudem hat M&M auch einen göttlichen Ruf verloren (siehe H).

N wie Neue Deutsche Welle. Die Deutschen (fast alle, siehe R) spielen jetzt richtig gut Fussball. Wer ist Michael Ballack?

O wie Orakel. Prognosen waren schwierig, und so erstaunte es nicht, erwies sich ein Tintenfisch aus O wie Oberhausen als bestes WM-Orakel.

P wie Pfeifen. Die armen, manchmal überforderten Schiedsrichter haben unfassbare Fehler fabriziert. Aber just als der Ärger riesig wurde (siehe I), steigerten sie sich wieder.

Q wie Quatsch. Der WM-Ball Jabulani flog oft hoch und weit, aber natürlich ist es Quatsch, ihm die Schuld am Scheitern der Freistossvirtuosen wie Cristiano Ronaldo (siehe C) oder Penaltydramatiker wie Asamoah Gyan (siehe G) zu geben.

R wie Reduitfussball. Nicht alle alemannischen Fussballtrainer haben den Trend in der Heimat mitbekommen (siehe N). Gentleman Ottmar Hitzfeld war so freundlich und hat die frühere militärische Strategie der Eidgenossenschaft gleich aufs Fussballteam übertragen. Das war keine gute Idee – und schon gar keine erfolgreiche.

S wie Sicherheit. Viele Polizisten sorgten für Ruhe – nicht nur im grossartigen S wie Soccer-City-Stadion. Die riesige Kriminalität in S wie Südafrika, vor allem in den Townships, tangierte die leider wenigen Touristen kaum. Aber: Die massiven Schulden werden S wie Steuerzahler und Lebensfreude (siehe L) belasten.

T wie Tshabalala, Siphiwe. Der Südafrikaner schenkte der WM gleich im ersten Spiel das vielleicht schönste Tor – Hollands Giovanni van Bronckhorst zirkelte im Halbfinal aber auch fantastisch präzis. Die Reporter waren ob des Zungenbrecher-Namens schon ab Tag 1 gefordert.

U wie U-23. Ein deutscher Standardname (Müller, Thomas) sowie ein Produkt der Neuen Deutschen Welle (Özil, Mesut) waren die besten Jungspieler.

V wie Vuvuzelas. Die nervig-kultigen Plastiktröten haben das Potenzial, zum Wort des Jahres 2010 gewählt zu werden.

W wie Wetter. Es herrschte W wie Winter auf der Südhalbkugel, am Abend konnte es kühl werden – was zum Abgang zahlreicher Teams passte.

X wie Unentschieden. Die Italiener wollten sich im Juventus-Stil (siehe J) mit drei Unentschieden in die Achtelfinals schmuggeln. Das klappte nicht.

Y wie YB. Seydou Doumbias Elf-Minuten-Einsatz für die Elfenbeinküste gegen Nordkorea hievte den Berner Klub doch noch auf die WM-Landkarte.

Z wie Zeitungen. Gaben hier alles, die «Sunday Times» widmete der WM gestern erneut über 100 Seiten. Es war ja auch ein wunderbares W wie WM-Märchen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2010, 09:17 Uhr

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