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«Holland spielt Anti-Fussball»

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 13.07.2010

Hollands Fussball-Übervater Johan Cruyff ist entsetzt über den Stil der Oranje-Elf. Er stellt damit die Zukunft von Trainer Bert van Marwijk infrage.

Höchst unterschiedliche Philosophien: Cruyff (l.), Nationaltrainer Van Marwijk.

Höchst unterschiedliche Philosophien: Cruyff (l.), Nationaltrainer Van Marwijk.
Bild: Keystone

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Johan Cruyff ist der Baumeister des spanischen Erfolgs

Johan Cruyff und Spaniens erster WM-Titel stehen in einer engen Verbindung. Der Holländer baute beim FC Barcelona die legendäre Juniorenabteilung auf und verordnete dem ganzen Klub seine Philosophie, das Kurzpassspiel bis zum finalen Schuss. Spaniens Weltmeister-Schütze Andrés Iniesta entstammt wie viele andere der Barça-Schule.

Wenn ein Trainer sein Land zum ersten Mal nach 32 Jahren wieder in einen WM-Final führt, müsste er eigentlich unbestritten sein - auch wenn er das Endspiel verliert. Beim holländischen Nationalcoach Bert van Marwijk ist dennoch das Gegenteil der Fall. Johan Cruyff, Star der grossen holländischen Mannschaft der 70er-Jahre, wirft Van Marwijk vor, er lasse «Anti-Fussball» spielen.

«Das ist hässlich, vulgär, hart, destruktiv und unansehnlich - man kann es kaum noch Fussball nennen», wettert Cruyff in der spanischen Zeitung «El Periodico» über den Finalauftritt gegen Spanien (o:1). Van Marwijks Schwiegersohn Mark van Bommel und Nigel de Jong hätten seiner Meinung nach schon vor der Halbzeit des Feldes verwiesen werden müssen. Van Bommel für ein hartes Tackling gegen Andrés Iniesta, De Jong für seinen Kung-Fu-Tritt in Xabi Alonsos Brust.

Kann man einen Vize-Weltmeister entlassen?

Dass Inter Mailand den FC Barcelona, der wie die spanische Nationalmannschaft auf das Kurzpasspiel setzt, in der Champions League mit einem harten Defensivkonzept stoppen konnte, lässt Cruyff nicht als Argument für Hollands Taktik gelten. «Es tut mir weh, dass Holland diesen Weg gewählt hat, ich hasse diese Art von Fussball», betont er.

Man muss kein Hellseher sein, um aus diesen Aussagen herauszulesen, dass Cruyff an Van Marwijks Stelle einen Trainer sehen will, der wieder auf die Offensive setzt. Und Cruyffs Wort hat in Holland ähnlich viel Gewicht wie jenes von Franz Beckenbauer in Deutschland. Dem Verband steht also ein richtungsweisender Entscheid bevor: Setzt er weiter auf den pragmatischen Van-Marwijk-Fussball oder gibt er dem schönen, aber bis auf 1988 (EM-Titel in Deutschland) fruchtlosen Spiel eine neue Chance? Und: Kann man einen Vize-Weltmeister wirklich entlassen? (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.07.2010, 10:27 Uhr