Handynummer reicht zum Töten

Von Geheimdienstlern gern bestritten: Mit einer Mobilfunknummer lassen sich Menschen orten und mittels Drohne töten.

Kann aus der Luft töten: Eine unbemannte Predator-Drohne des US-Militärs im Einsatz(undatierte Aufnahme).

Kann aus der Luft töten: Eine unbemannte Predator-Drohne des US-Militärs im Einsatz(undatierte Aufnahme). Bild: Keystone

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Vor dem NSA-Untersuchungsausschuss haben Geheimdienstler und Vertreter der deutschen Bundesregierung eines immer wieder beteuert: Eine Mobilfunknummer reiche nicht aus, um eine Person zu orten und mithilfe einer ferngesteuerten Drohne zu töten. Ein Informatiker kommt nun in seiner Studie zu einem anderen Ergebnis.

«Unter günstigen atmosphärischen Bedingungen», schreibt der Hamburger Informatikprofessor Hannes Federrath, sei eine Mobilfunknummer durchaus ausreichend, «um eine Fernlenkwaffe mit einem tödlichen Radius von fünf Metern für eine gezielte Tötung einsetzen zu können.» Voraussetzung sei lediglich eine Funkabdeckung in der jeweiligen Region. Seine Studie hat das Portal «Netzpolitik.org» veröffentlicht.

Von jeder interessierten Person durchführbar

Selbstverständlich, so der Experte, sei die Funkabdeckung in Deutschland besser als etwa in Afghanistan oder Pakistan. Grundsätzlich sei die Technik aber auch bei einer schlechteren Abdeckung einsetzbar – nur eben mit weniger präzisen Ergebnissen.

Zwar sei «nicht belegt», dass die Lenker militärischer Drohnen tatsächlich Mobilfunknummern nutzen, um eine Person ausfindig zu machen. Doch technisch machbar sei dies allemal – und sogar verhältnismässig leicht umzusetzen, auch von einer interessierten Privatperson.

Töten per Knopfdruck

Politisch brisant: Deutsche Geheimdienste haben vor dem Hintergrund des US-Feldzugs gegen den Terror auch Handynummern an CIA und NSA weitergegeben. Von offizieller Seite wurde dabei die These vertreten, dass eine Mobilfunknummer allein nicht ausreiche, um eine Person geografisch zu lokalisieren.

Was der US-Drohnenpilot Brandon Bryant 2015 vor dem NSA-Ausschuss berichtete, wurde bestritten: Alles, was er zum Töten per Knopfdruck gebraucht habe, sei eine Telefonnummer gewesen, berichtete Bryant damals. Jetzt scheint die These von der harmlosen Datenweitergabe Geschichte. (jdr)

Erstellt: 21.09.2016, 17:56 Uhr

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