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Wenn die Segelschiffe tanzen

Von Elsbeth Gugger, Amsterdam. Aktualisiert am 20.08.2010

Ostindienfahrer, Klipper und andere historische Segelschiffe haben gestern bei strahlendem Wetter im Rahmen von Sail 2010 den Hafen von Amsterdam angelaufen.

1/6 Läuft von kleinen Booten begleitet in den Hafen ein: Die «Stad Amsterdam»...
Bild: Keystone

   

Tausende begeisterte Zuschauer säumten die Ufer von der Nordsee bis nach Amsterdam. Sie wollten die Flottenparade mit den rund 50 Königinnen der Weltmeere mit ihren Feldstechern aus nächster Nähe betrachten. Gleichzeitig wurden die Riesenschiffe von unzähligen Freizeitkapitänen begleitet, die ihre Bötchen rechtzeitig für das alle fünf Jahre stattfindende nautische Grossereignis flottgemacht hatten.

Die bauchigen Segler

Angeführt wurde der spektakuläre Wasserumzug vom Klipper «Stad Amsterdam», dem 76 Meter langen Stolz der hauptstädtischen Wirtschaftsabteilung. Diese hatte das schnittige Schiff vor zehn Jahren im Rahmen eines Arbeitslosenprojektes bauen lassen. An Bord befanden sich neben viel kommunaler Prominenz der Bürgermeister und Sail-Schirmherr Prinz Willem-Alexander. Dank der leichten Brise konnte der Klipper unter Segel in den Hafen einlaufen – allerdings hatte der Kapitän nur einen Bruchteil dessen hissen lassen, was auf voller See möglich wäre.

Nachdem die «Stad Amsterdam» mit einem Böllerschuss willkommen geheissen worden war, holten die Matrosen das Tuch wieder ein. Ein Raunen ging durch die Zuschauermenge, als kurz danach die «Götheborg» eintraf, ein fast 60 Meter langer Ostindienfahrer. Allerdings nicht das Original, sondern die Kopie des gleichnamigen, 1745 gesunkenen Schiffs. «So muss es hier im 17. Jahrhundert ausgesehen haben», schwärmte ein älterer Mann. Die bauchigen Segler brachten damals Gewürze, Seide und andere Kostbarkeiten aus den Überseekolonien nach Amsterdam und sorgten damit für unerhörten Reichtum. Die Epoche ging als Goldenes Zeitalter in die Geschichte ein.

Bis alle Windjammer, Klipper, Schoner und auch das an Sail 2010 teilnehmende «fahrende Erbgut» (historische Schiffe aus den Niederlanden) im Hafen vertäut lagen, dauerte es gut drei Stunden. Dazwischen sorgten Grachtenbootkapitäne immer wieder für Aufsehen, weil sie sich oder ihr Gefährt originell verziert hatten.

Wasserstadt Amsterdam

Noch bis Montag sind die Schiffe – nicht nur von aussen – zu besichtigen, und im Hafen finden Regatten oder Ruderwettbewerbe statt. Gleichzeitig will sich Amsterdam als Wasserstadt verkaufen. Zu diesem Zweck wurde gestern der hauptstädtische Wasserkanon lanciert. In dem dicken Nachschlagewerk geht es um das nasse Element in allen Facetten, um Schleusen, Deichen und Kanäle, aber auch um Wohnboote, Wasserhaushaltung oder das Putzen der Grachten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2010, 13:36 Uhr

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