Verdacht: Sparlampen strahlen stärker als angenommen

Kaum eingeführt, und schon umstritten: Neue Studien zeigen, dass die Sparlampen viel stärker strahlen als bis jetzt angenommen. Der Bund hat dazu nun auch eine Studie gemacht. Noch ist sie unter Verschluss.

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Das Bundesamt für Energie (BFE) hat zusammen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Studie die elektrische Strahlung, die von Sparlampen ausgeht, erneut untersucht. Die Resultate liegen bei den beiden Ämtern bereits auf dem Tisch, doch informiert wird erst in wenigen Wochen. Grund: Die Studie über die elektrischen Felder kommt wohl zu einem anderen Schluss als eine Studie aus dem Jahr 2004. Bereits damals liess das BFE gemeinsam mit dem BAG untersuchen, ob die elektromagnetischen Felder von Energiesparlampen für die menschliche Gesundheit gefährlich sind.

In dieser ersten Studie sind die Autoren zum Resultat gekommen, dass Energiesparlampen bezüglich elektromagnetischer Strahlung «kaum schlechter als Glühlampen» abschneiden. Energiesparlampen könnten ohne Bedenken als Mittel zur Reduktion des Energieverbrauchs empfohlen werden.

Diese Studie war bereits von Anfang an umstritten. Experten aus dem In- und Ausland kritisierten lautstark, dass nicht die richtige Messmethode angewendet worden sei, wodurch die Messwerte weit unter der tatsächlichen Belastung durch Elektrosmog von Sparlampen lägen. «Man wird den Verdacht nicht los, dass die erste Studie die tatsächlichen Immissionen von Sparlampen zu Gunsten der eingleisigen Energiespardenker und der Sparlampenproduzenten verheimlichen wollte», sagt Peter Schlegel, Strahlungsexperte und langjähriger Kämpfer gegen alle Arten von Strahlungsquellen. Um dieser und weiterer Kritik zu entgegnen, liessen BFE und BAG eine zweite Studie verfassen. «Der methodische Ansatz ist anders und aufwändiger als bei der 2004-er Studie», sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd. Derzeit wird beim BAG und BFE darüber gebrütet, wie die Resultate der Öffentlichkeit im März kommuniziert werden.

Schweiz in Vorreiterrolle

Sollte die Studie tatsächlich belegen, dass eine Sparlampe in Kopfnähe viel stärker strahlt als zum Beispiel ein Computerbildschirm bei geringer Distanz und beim Einsatz von Sparlampen gesundheitliche Risiken bestehen, kommt das BFE in Erklärungsnot. Denn die Schweiz ist in Europa vorgegangen und war das erste Land mit Effizienzvorschriften für Haushaltslampen. Damit hat das BFE das Vorgehen in der EU beschleunigt, die dann letztes Jahr das «Glühlampenverbot» beschlossen hat.

Ausserdem erfüllen die viel gelobten Energiesparlampen die Anforderungen in vielerlei Hinsicht (noch) nicht. Laut einem Test des deutschen Konsumentenmagazins «Öko-Test» schneiden die Energiesparlampen im Falle von gerichtetem Licht wie bei einer Esstisch-, Schreibtisch- oder Leseleuchte mit Lampenschirm relativ schlecht ab. Zudem nimmt die Helligkeit einer Energiesparlampe im Laufe der Zeit deutlich ab.

Sparlampenhersteller werben mit der extrem langen Lebensdauer. Dadurch käme eine Sparlampe kostengünstiger als die alte Glühbirne. Laut Ökotest erreichen aber von 16 getesteten Modellen nur 7 die angegebene Lebensdauer. Ein weiteres Problem: Viele Energiesparlampe enthalten Quecksilber – und dieses giftige Schwermetall macht sie zum Sondermüll.

Wenig Sparpotenzial

In der Schweiz werden für die Beleuchtung laut BFE rund 15 Prozent des gesamten Stromverbrauchs benötigt. Doch selbst wenn alle Glühlampen durch Sparlampen ersetzt würden, reduziert sich der Stromverbrauch in der Schweiz nur um ein bis maximal zwei Prozent. Die EU gibt ein Sparpotenzial von vier Prozent an.

In Neuseeland hat die neue Regierung im vergangenen Jahr das Glühlampenverbot wieder über Bord geworfen. Gibt es auch in der Schweiz solche Bestrebungen? «Nein, das gibt es nicht», sagt Zünd vom BFE. Da die Schweiz praktisch alle Leuchtmittel importiere, würde ein solcher Schritt keinen Sinn machen. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 10.02.2010, 07:43 Uhr)

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