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Velo: Keine verschmierten Hosen und Hände mehr
Von Mathias Born. Aktualisiert am 23.03.2009 3 Kommentare
Die Fahrt durch den Schneematsch dauerte bloss Minuten. Dann kam das Velo fĂĽr den Rest des Winters in den schĂĽtzenden Keller. Doch die kurze Spritztour hat genĂĽgt: Die Kette ist rostig. Das Wasser und das Streusalz haben ihr schwer zugesetzt.
Die Kette ist des Velofahrers grösstes Ärgernis: Sie muss häufig geschmiert werden, damit sie nicht rostet. Staub und Dreck verbindet sich mit dem Öl zu einer Schlacke. So sehr man auch acht gibt, umkrempelt oder zusammenzurrt – bald verunstaltet sie die Hose. Wehe, wenn die Kette vom Kranz springt: Sie kann das Rad blockieren und einen Unfall provozieren. Selbst wenns glimpflich abläuft, bleiben die Hände lange gezeichnet.
Kette in der Kapsel ...
«Der offene Kettenantrieb ist pflegeintensiv und defektanfällig», sagt Carsten Katz. «Das ist unangenehm und kann mitunter sogar gefährlich werden.» Gemeinsam mit seinem Bruder hat er eine Lösung entwickelt: Die normale Kette wird mit Rädchen umgelenkt und in eine schmale, komplett abgeschlossene Kapsel verbannt. Damit ist der Antrieb vom Kranz bis zur Nabenschaltung – mit konventionellen Schaltungen funktionieren die neuen Antriebe nicht – komplett vor Wasser und Dreck geschützt, und die Hose vor Öl.
Das Kapselsystem sei bequem und effizient, sagt Carsten Katz. «Die Kette ist immer perfekt geschmiert.» Das ist wichtig. Denn von der Kette hängt ab, wie leicht man vorwärts kommt. Bei einer neuen Kette gehen rund 2 Prozent der Kraft durch Reibung verloren; der Wirkungsgrad beträgt also 98 Prozent. Mit einer durchschnittlich gepflegten werden 95 Prozent erreicht. Ist die Kette verrostet, sinkt der Wirkungsgrad schon mal auf 90 Prozent. «Bei einem offenen System fällt der Wirkungsgrad in den Keller», fasst Carsten Katz zusammen. Sein System ist zwar 1 bis 2 Prozent weniger effizient als ein nagelneues konventionelles, aber effizienter als das durchschnittliche System. Schon nach wenigen Spritztouren ist man mit Katz’ gekapselter Kette besser unterwegs. Die 600 bis 700 zusätzlichen Gramm fallen dabei nicht ins Gewicht. Egal ist auch, dass der Kettenwechsel etwas aufwändiger ist, schliesslich hält die Kette auch länger. Lediglich der Preis dürfte Gelegenheitsradler abhalten: Die zwei Serien, die ab Frühjahr fast ganz in der Schweiz produziert werden, sind mit den besten Komponenten ausgestattet und entsprechend teuer. Der Preis steht laut Katz noch nicht fest.
... Zahnriemen ...
Eine interessante Alternative zur Kette ist der Zahnriemen. Denn er muss nicht geölt werden und die Reinigung ist simpel. Die neuen «Carbon Drive»-Riemen der US-Firma Gates sind so mit Kohlenstofffasern verstärkt, dass sie sich nicht dehnen. Bei früheren Produkten war das anders: Das Treten fühlte sich «gummig» an, und die Riemen konnten durchrutschen.
«Der Zahnriemen eignet sich für Vielfahrer, die genug haben von quietschenden Ketten mit hohem Verschleiss», schwärmt Philip Douglas, Geschäftsführer von Simpel im zürcherischen Maschwanden. Und er fügt an: «Ich würde ‹Carbon Drive› auch für eine Weltreise einsetzen.» Der Riemen passe optimal zum Credo des Unternehmens, möglichst wartungsarme Fahrräder zu produzieren. Wer den Riemen statt der Kette will, bezahlt einen Aufpreis von 340 Franken.
Die fehlenden Langzeiterfahrungen sieht Douglas nicht als Problem. «Bei Harley Davidsons läuft ein fast gleicher Zahnriemen 80000 Kilometer ohne Wartung.» Notfalls liesse sich ein Velo auch wieder mit einer normalen Kette bestücken. Aufrüsten hingegen sei schwierig: Der Rahmen muss möglichst verwindungsfrei sein. Und er muss sich zum Montieren öffnen lassen. Simpel habe ein System entwickelt, mit dem der Riemen gespannt werden kann, so Douglas. «Die zum Patent angemeldete Lösung stösst auch bei grossen Herstellern auf Interesse.»
... oder Kardanwelle?
Andere Hersteller verfolgen einen noch radikaleren Ansatz: Sie übertragen die Kraft durch einen drehenden Stab, eine sogenannte Kardanwelle. Einige integrieren diesen in den Rahmen. Entsprechend robust ist der Antrieb. Mit der Kette mithalten kann er aber nicht: «Der Wirkungsgrad ist für ein Velo ungenügend», sagt Philip Douglas. Und Carsten Katz schildert: «Die Fahrt fühlt sich an, als sei man mit rostiger Kette oder platten Reifen unterwegs.» Für Sporträder sei die Kardanwelle ungeeignet. «Für Mietveloflotten in Städten aber ist die Technik sehr interessant.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.03.2009, 14:52 Uhr
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3 KOMMENTARE
@Hr. Nussbaumer: ich bin sicher der Zahnriemenantrieb wird sich auch bei Fahrrädern durchsetzen. Weitgehend wartungsfrei, sehr robust und langlebig. Letztlich wird wie immer der Preis entscheiden. Aber für E-Fahrräder gibts aus meiner Sicht schon heute nichts besseres als der Zahnriemen!
Ich fahre jetzt seit etwa 30 Jahren Velos mit 21-gängigem Kettenantrieb. Ich habe noch nie schmutzige Hände deswegen gehabt. Es gibt nämlich gute und preisgünstige Arbeitshandschuhe. Es wird über alles gesehen, für Fahrräder nie etwas Besseres geben als die High Tech Kette.
Naja ist nicht wirklich neu. Vollkommen geschlossene kettenschutzkasten sind in in Holland schon seit sicher 50 jahren üblich. Einziges problem ist dass es nur bis zu 3 gängen ging bis vor etwa 15 jahren, aber seitdem auch mit bis zu 10. Hab mich schon immer gewundert wieso es das hierzulande nicht gibt. Dann noch trommelbremsen dazu und er ist fast unterhaltsfrei.






