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Ein Schweizer Rennwagen auf Siegeskurs

Von Norbert Raabe, Jan Derrer. Aktualisiert am 08.09.2011 10 Kommentare

Zürcher und Luzerner Tüftler fahren mit ihrem Rennwagen Novena von Erfolg zu Erfolg – in der weltweiten Formula Student, in der so hart getestet und gefahren wird wie bei den Profis. Besonders vor dem Saisonfinale in Barcelona.

Gutes Gefühl für die Piste: Pilot Yannick Drapela gibt Auskunft über das Fahrverhalten des Rennwagens. (Video: Jan Derrer)

Die «Formula Student»

Die Rennformel der Universitäten ist ein internationaler Wettbewerb, der jährlich an acht Orten auf der Welt durchgeführt wird. Gegründet wurde sie schon 1981 in den USA; seit 1998 wird sie auch in Europa ausgetragen – mit insgesamt mehr als 800 Teams aus aller Welt. Die Aufgabe ist dabei für alle Teilnehmer gleich: Sie müssen einen Prototyp entwickeln, als Grundlage für ein Serienprodukt, von dem 1000 Stück mit Gewinn verkauft werden sollen. Bewertet werden nicht nur die Rennresultate, sondern auch die Teamleistung, der Erfindungsgeist und die Fertigung.

Links

Novena: Einige technische Daten

Gewicht: 181 Kilogramm
Chassis: Karbon-Monocoque
Fahrdynamik: Rennsport-ABS,Traktionskontrolle, Torque Vectoring
Energiespeicher: 144 Lithium-Polymer-Akkuzellen
Motoren: Zwei bürstenlose Permanentmagnet-Motoren
Leistung: 2 x 35 Kilowatt
Reichweite: 22 Kilometer in Renntempo
0 auf 100 km/h: 3,4 Sekunden

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Zweiter Rang auf dem Hockenheim-Ring in Deutschland, zweiter Rang im britischen Silverstone, Gesamtsieg in Spielberg in Österreich – noch dazu mit einem Weltrekord in dieser Liga. Für das Beschleunigungsrennen über die 75-Meter-Strecke brauchte Novena, das elektrisch betriebene Rennmobil (siehe Video oben), nur 3,752 Sekunden. Schon vor dem letzten Saisonrennen in Barcelona blickt der Akademische Motorsportverein Zürich auf seine erfolgreichste Saison zurück.

Ohne Pannen ging es trotzdem nicht. Beim Wettbewerb in Silverstone brachte der britische Regen das Team in Bedrängnis. In den Behälter mit dem Akku-Block gelangte Wasser. Das gesamte System war damit lahmgelegt, musste auseinander genommen, gereinigt und wieder montiert werden. Fünf Stunden dauerte die Operation am offenen Boliden. «Das war schon stressig!», sagt Alexander Kopanakis vom Novena-Team, «aber am Ende konnten wir beim Sprintwettbewerb noch eine Runde fahren. Das hat dann immerhin noch für den zweiten Platz gereicht.»

Nach fünf Jahren eins der Topteams

Knifflig sind die Probleme mit einem Prototypen, der in ständiger Entwicklung ist. Seit fünf Jahren fahren angehende Ingenieure der ETH Zürich und der Hochschule Luzern bei der Rennserie in Flitzern, die allesamt nach Schweizer Pässen benannt waren. Albula, das Modell im Jahr 2007 war ein Vierzylinder-Benziner und wog 258 Kilogramm. Maloja hatte 2008 erstmals einen Kohlefaser-Rumpf und brachte 20 Kilo weniger auf die Waage. Der Wagen Furka im vergangenen Jahr war das erste elektrisch betriebene Auto und fuhr zum ersten Mal in einer Liga mit den Topteams aus Deutschland und anderen Nationen – «auch denjenigen mit Verbrennungsantrieb», wie das Team stolz betont. Das Ziel ist klar: mit einem E-Boliden endlich die Brenner abhängen.

Immer schneller, agiler und vor allem immer leichter. 200 Kilogramm sollte Novena, italienisch für Nufenen, in der laufenden Saison wiegen, doch die ehrgeizige Vorgabe konnte das Team noch unterbieten – dank vieler Verbesserungen und Raffinessen. Die Kohlefaserzelle besteht nur noch aus einem Stück; die selbst gebauten Felgen aus Kohlefasern wiegen jeweils 1730 Gramm. «Gegenüber den früheren Alufelgen haben wir damit rund ein Kilo weniger», sagt Kopanakis, «das macht ingesamt vier Kilo. Das wirkt sich schon aus.» Dazu kamen Erleichterungen in Form eines Überrollbügels aus Aluminium statt Stahl und schlankeren Antriebswellen.

Hightech und Elektronik für schnelle Kurven

Zugleich haben die Nachwuchskonstrukteure die Fahreigenschaften im Visier. Zum Beispiel mithilfe der Gewichtsverteilung: Anders als beim Vorjahresmodell stecken nicht mehr zwei Akkus seitlich des Fahrersitzes, sondern es gibt nur eine Box, die hufeisenförmig um den Fahrersitz herum liegt. «Das Gewicht liegt also näher am Schwerpunkt, und das macht das Fahrzeug viel agiler», sagt Kopanakis – ein Vorteil für die Renndisziplin Skidpad, bei der der Wagen möglichst schnell eine 8-förmige Strecke fahren muss. Zudem wird die Leistung der selbst entwickelten Elektromotoren mithilfe von Torque Vectoring auf die Piste gebracht. Diese Technik kann mehr Drehmoment auf das äussere Hinterrad leiten – für eine optimale Beschleunigung in Kurven.

Tempo bolzen ist schliesslich nicht genug. Bei den vielfältigen Herausforderungen kann nur ein fein abgestimmtes Gesamtsystem Erfolg haben. Zumal es da noch die Jury aus hochkarätigen Experten gibt, die bei jedem Rennen den Preis für das technische Design vergibt. Dann spielen auch Innovationen wie die Ausnutzung der Bremsenergie – Rekuperation genannt – eine Rolle, die bei Novena möglich ist. «Das funktioniert», sagt Kopanakis, «doch wir haben es bisher selten benutzt, weil der Wagen sehr effizient ist und genug Energie dabei hat. Ausserdem wird dabei der Akku wärmer – und das ist ein Risikofaktor.»

Spannung vor dem letzten Wettkampf in Spanien

Derzeit testet das Team fieberhaft für das Saisonfinale Ende September in Barcelona – auf dem verlassenen Asphalt des Trainingsgeländes in Rothrist, umgeben von regungslosen Baggern und Bulldozern, die einer der fünf Hauptsponsoren dort lagert. Dank der grossen Unternehmen und vieler weiterer Gönner haben die jungen Renningenieure ein Budget von 250'000 Franken pro Jahr – genug für die mühsame Tüftelei an all den Kleinigkeiten, die am Ende über Sieg oder Platz 2 entscheiden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2011, 14:31 Uhr

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10 Kommentare

Marco Zanoni

08.09.2011, 18:48 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Ich finde das eine Super-Sache! Gratuliere Jungs! Antworten


Hanspeter Niederer

09.09.2011, 16:12 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Alle Achtung Jungs und (hoffentlich auch) Mädels. Ihr seit Teil der Hoffnung auf eine lebenswertere Zukunft, die sich abwendet vom hirnlosen Verbrennen von wertvollen Ressourcen. BRAVO. Ich wünsche nur das Beste für euren weiteren Lebensweg.. Antworten



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