Bohrungen für Schiefergas liessen die Erde beben
Von Peter Nonnenmacher. Aktualisiert am 17.06.2011 4 Kommentare
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Beim ersten Beben im April dachte man sich noch nicht viel im nordwestenglischen Seebad Blackpool. Es war nur eine schwache Erschütterung, bei der keine Person verletzt wurde und kein Sachschaden entstand. Als dann aber – vor wenigen Tagen – ein zweites Mal vor Ort die Erde bebte, war man in Blackpool plötzlich hellwach. Diese Küstengegend in der Grafschaft Lancashire ist für Erdbewegungen schliesslich nicht bekannt. Der «kleine Eiffelturm» der Stadt, Blackpool Tower, zeugt gerade vom Vertrauen der Blackpooler in ihre festen Fundamente.
Fracking als Grund für Beben
Besorgte Bewohner sahen das viktorianische Gestänge schon ins Meer rutschen. So schlimm, meint man beim Britischen Geologischen Amt, sei die Sache zwar noch keineswegs. Die zwei gemessenen Beben erreichten nur die Stärke 1,5 und 2,3 auf der Richterskala. Und ihre Epizentren fanden sich ausserhalb der Stadt, in Vororten wie dem Marktflecken Poulton. Was auch dem Geologischen Amt auffiel, waren aber Zeitpunkt und Lokalität der beiden Beben. Sie fanden sich nämlich genau im Bereich einer örtlichen Schiefergasproduktionsanlage – dort, wo die Firma Cuadrilla Resources neuerdings, im ersten Unternehmen dieser Art in Grossbritannien, den Schieferschichten der Erdkruste für kommerzielle Zwecke Gas zu entziehen sucht.
Die Methode dieser Gasausbeutung, in der Fachsprache «fracking» genannt, besteht darin, ins Schiefergestein mit Hochdruck Wasser, Sand und Chemikalien zu pumpen, um das Gestein aufzubrechen und Gas entweichen zu lassen. Dieser Prozess kann aber, wie Brian Baptie vom Geologischen Amt bestätigt, «kleine Erdbeben auslösen – das ist durchaus bekannt». Die beiden Beben, erklärt Baptie, hätten sich tatsächlich in unmittelbarer Nähe der Produktionsanlage und in entsprechender Tiefe ereignet und ein ganz ähnliches Wellenmuster verzeichnet: «Der Zeitpunkt der zwei Ereignisse in Verbindung mit der Fracking-Prozedur an dieser Stelle macht es sehr wahrscheinlich, dass beide Vorgänge im Zusammenhang zu sehen sind.»
Ängste sind nur «heisse Luft»
Cuadrilla Resources, das Schiefergasunternehmen, hat jedenfalls Konsequenzen aus dem nun laut gewordenen Verdacht gezogen und seine Bohrungen eingestellt. Die Firma, heisst es, nehme «ihre Verantwortung sehr ernst» und wolle in den nächsten Wochen erst einmal wissenschaftliche Untersuchungen abwarten. Bisher war «fracking», bei US-amerikanischen Bohrungen, schon für die chemische Verseuchung von Grundwasser verantwortlich gemacht worden. Dass es nun womöglich auch noch hausgemachte Erdbeben auslöse, geht den Kritikern des Gasabbaus entschieden zu weit.
Das Geologische Amt hofft der Geschichte in Bälde auf den Grund zu kommen. Die britische Regierung hält die aktuelle «Operationspause» in Blackpool für nützlich, eine generelle Überprüfung der Probleme des Schiefergasabbaus aber nicht für erforderlich. Der zuständige Energieausschuss des Unterhauses hat dieser Form der Gasgewinnung erst vor kurzem Unbedenklichkeit bescheinigt. Bei den Alarmmeldungen, befand der konservative Ausschussvorsitzende Tim Yeo, handle es sich doch nur um «heisse Luft». Auch die Angst vor einer Wasserverseuchung sei vollkommen unbegründet.
Neue Bohrungen in dünn besiedelter Gegend
Cuadrilla Resources will über die Wiederaufnahme der Produktion in Blackpool entscheiden, sobald es «alle geologischen Daten ausgewertet» und sich mit den Behörden beraten hat. Derweil sollen schon in wenigen Wochen neue Bohrungen in Hesketh Bank, südlich der Stadt Preston, beginnen. Hesketh Bank liegt keine 20 Kilometer von Blackpool entfernt. Aber es hat keinen «Eiffelturm». Und es ist eine dünn besiedelte Gegend. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.06.2011, 20:07 Uhr
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4 Kommentare
Erdbeben deswegen gab's auch schon in Arkansas. Es ist die gleiche Methode, die in Basel für das Geothermieprojekt angewandt wurde. Es wird Wasser in den Fels gepresst, damit dieser sich spaltet und das Gas freigibt. Ein giftige Chemikalien-Mix kommt ebenfalls zum Einsatz. Der Film Gasland (youtube) zeigt, was alles passieren kann. Antworten
Nur ein Unterschied besteht.:
Wenn es um Geothermie geht, dann sind Erdbeben ein Grund das Projekt abzubrechen, weil es viel zu gefährlich sei.
Wenn es aber um Erdgas geht, dann sind Erdbeben lediglich eine akzeptable Begleiterscheinung einer längst eingeführten Abbaumethode, und somit vollig normal und zu akzeptieren.
???
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