Wie man Schädlinge sanft bekämpft
Von Barbara Reye. Aktualisiert am 07.05.2012 1 Kommentar
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Biolandbau ohne Kohlfliegen
Legen Kohlfliegen ihre Eier auf frisch gepflanztes Gemüse, verlieren Ökolandwirte oft die gesamte Ernte. Laut einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts in Stuttgart haben Forscher jetzt Pellets aus Cyanobakterien und Gärresten von Biogasanlagen entwickelt, die diese Insekten auf ökologisch verträgliche Weise vertreiben sollen.
Bringt man die Pellets rund um das frisch gepflanzte Gemüse, werden die Cyanobakterien durch die Bodenflora abgebaut und ein Geruchsstoff freigesetzt, der die Kohlfliegen vertreibt. Gleichzeitig werden die Pflanzen durch die nährstoffhaltigen Gärreste gedüngt. Denn diese stammen aus Biogasanlagen, in denen Gülle von Höfen mit Öko-Zertifizierung zu Biogas abgebaut wird. In nur 14 Tagen entstehen dabei rund 300 Liter Biogas pro Kilogramm organischer Trockenmasse. Die nicht weiter vergärbaren Reste der Anlage werden getrocknet und unter anderem mit Hornmehl angereichert.
Wie Versuche in Spanien und Ungarn zeigen, wurde der angebaute Weisskohl und die Kohlrabi nicht mehr durch Kohlfliegen befallen. Und die Kohlrabis waren sogar etwa doppelt so gross wie die ungedüngten. (bry)
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Als ausgewachsene Larve überwintert der Pflaumenwickler versteckt am Stamm oder im Boden. Nach einer kurzen Puppenruhe schlüpft er im Frühling als fertiger Falter. Mit seinen bräunlich-grauen Vorderflügeln und einem aschgrauen Fleck an der Aussenecke ist er eher ein unauffälliger Schmetterling. Dennoch ist der rund ein Zentimeter grosse Falter nicht zu unterschätzen, weil seine Larven im Obstbau zu massiven Ernteverlusten führen können.
«Er gehört zu den Hauptschädlingen an Pflaumen», sagt der Zoologe Jörg Samietz von Agroscope in Wädenswil. Wenn man ihn nicht rechtzeitig bekämpfe, gäbe es später jede Menge madige Zwetschgen. Um jedoch möglichst qualitativ hochwertiges Obst auf den Markt zu bringen, hat der Forscher zusammen mit seinem Team jetzt auch für diesen Schädling eine Onlineprognose über den optimalen Zeitpunkt einer umweltschonenden Bekämpfung ins Internet gestellt. Bisher hatten sie dies für acht wichtige Schädlinge im Schweizer Obstbau schon gemacht.
Onlinevorhersagen aufgrund von Laboruntersuchungen und Wetterdaten
Wer zu früh oder zu spät mit einer Massnahme zur Bekämpfung der Schädlinge beginne und dabei nicht das jeweilige Entwicklungsstadium des Gliederfüssers berücksichtige, habe keinen grossen Erfolg, sondern schade vor allem der Umwelt, sagt der Experte. Auch die Rote Spinne, die vor allem Blätter von Obstbäumen und Weinreben befällt, ist nun auf der von Agroscope betriebenen Internetsite Sopra hinzugekommen. Für die Onlinevorhersagen haben die Forscher zum einen den Lebenszyklus der Schädlinge unter unterschiedlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen genau im Labor studiert. Und zum anderen langjährige Klima-Mittelwerte sowie aktuelle Daten der vergangenen Wochen und Monate von insgesamt 14 Wetterstationen an verschiedenen Orten in der Schweiz zur Berechnung ihrer Computermodelle benutzt.
Auf diese Weise sei es möglich, so Samietz, dass man auf die wichtigsten Obstbauregionen hierzulande eingehen könne, die aufgrund ihrer geografischen Lage ganz unterschiedlich seien. Zum Beispiel von sehr früh kultivierbaren Tallagen im Tessin bis hin zu den spät noch Früchte liefernden Obstbaugebieten in der Nordostschweiz.
Das Ziel: Männchen verwirren
In der Region Wädenswil fliegen gemäss Sopra seit Dienstag dieser Woche die ersten Pflaumenwickler umher. Dies bedeutet, dass es der letzte Zeitpunkt ist, um Fallen mit Lockstoffen aufzustellen. Sie dienen dazu, die Männchen zu verwirren, indem sie exakt den Duft der Weibchen imitieren. Mit der Folge, dass die Männchen die Weibchen nicht mehr finden können und die Paarung gezielt verhindert wird. «Eine geniale Methode», sagt Samietz, «die aber nur funktioniert, wenn man die Dispenser mit den spezifischen Pheromonen kurz vor dem ersten Schlüpfen der Falter oder sofort danach am Pflaumenbaum aufhängt.» Wurde dies jedoch verpasst, lässt sich der Schädling nur noch durch eine chemische Behandlung in Schach halten. Zum Beispiel mit Fenoxycarb zu Beginn der Eiablage, das eine Verpuppung verhindert. Oder zehn Tage später mit dem Larvizid Indoxacarb, das das Nervensystem der Raupe blockiert.
Der Pflaumenwickler tritt normalerweise in zwei Generationen pro Jahr auf und kann im Frühling kurz nach der Blüte sowie auch noch später im Sommer schlüpfen. Legt ein Weibchen befruchtete Eier auf der Frucht ab, bohrt sich nach ein paar Tagen die geschlüpfte Larve bis zum Innern der Pflaume vor, wo sie sich dann bis zum Stein umgebenden Fruchtfleisch frisst. Handelt es sich dabei um eine reife Frucht, ist der Befall von aussen gut sichtbar. Denn aus dem ursprünglichen Einbohrloch quillt nun ein Gummitropfen heraus. Und beim Öffnen der Pflaume lassen sich auch die Larve und die mit Kot gefüllte Frasskammer sofort erkennen.
Vom Ei zum Tier in vier Wochen
Anders schädigt die nur rund einen halben Millimeter grosse Rote Spinne Obstbäume und Reben. Sie überwintert in Eiform auf Ästen, Knospen oder am Stamm. Anfang bis Mitte April beginnt sie je nach Witterung zu schlüpfen. Die jungen Larven stechen dann mit ihrem nadelförmigen Mundwerkzeug das pflanzliche Gewebe an und saugen den Zellsaft der Blätter heraus, was das Wachstum der Früchte beeinflusst. Die Entwicklungsstadien der Roten Spinne vom Ei über die sechsbeinige Larve zur achtbeinigen Nymphe bis hin zum adulten Tier dauern rund vier Wochen, bei hohen Temperaturen geht es entsprechend schneller. Und je nach Jahr entstehen vier bis sechs Generationen, die sich überlappen. Ab August bis Oktober legen die Weibchen der Spinnmilben dann Wintereier ab.
Die beste Methode gegen die Rote Spinne ist die Raubmilbe
Um die Ausbreitung der Roten Spinne zu verhindern, sollte laut der Internetplattform Sopra etwa in der Region Wädenswil eine Behandlung mit Pestiziden idealerweise am Samstag, 12. Mai, mit den Präparaten Fenpyroximat, Fenazaquin, Tebufenpyrad oder Acequinocyl erfolgen, weil dann bereits 9 Prozent der Eier der ersten Generation abgelegt sind und die gewünschte Wirkung am grössten sei.
Allerdings muss zuvor jeweils genau geprüft werden, ob dies überhaupt nötig ist. Denn am besten und umweltschonendsten ist nach wie vor eine biologische Regulierung der Roten Spinne mit ihrem natürlichen Gegenspieler, der Raubmilbe, die man bei Bedarf mithilfe von Filzbändern an die befallenen Obstbäume oder Reben bringt. «Dann saugt die Raubmilbe die Rote Spinne aus», sagt Samietz. Ziel sei es deshalb immer, dass das natürliche Gleichgewicht zwischen Schädling und Nützling stimmt – und nicht etwa durch den Einsatz von Pestiziden zu stark verändert wird. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.04.2012, 13:52 Uhr
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