Schmelzende Gletscher legen Umweltgifte frei
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Schmelzende Gletscher in den Alpen geben Umweltgifte frei, die über Jahrzehnte im Eis eingeschlossen waren und deren Anwendung schon längst verboten ist. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der Empa, der ETH Zürich und der Eawag. Die Forscher um Peter Schmid (Empa) und Christian Bodgal (ETH Zürich) untersuchten Sedimentschichten des Oberaarsees, einem auf 2300 Meter hoch gelegenen Stausee in der Nähe des Grimselpasses, wie die Empa am Dienstag mitteilte. Sie rekonstruierten so die Ablagerung schwer abbaubarer organischer Substanzen während der letzten 60 Jahre.
Zu diesen auch POPs (persistent organic pollutants) genannten Umweltgiften zählen zum Beispiel Dioxine oder technische Chemikalien, die als Weichmacher oder als Pestizide verwendet wurden. Viele stehen im Verdacht, die Entwicklung von Mensch und Tier zu stören oder sind gar Krebs erregend.
Gift-Geschichte nachgezeichnet
In dem rund einen Meter langen Sedimentbohrkern fanden die Forscher in den Schichten aus den Jahren 1960 bis 1970 viele Umweltgifte. In dieser Zeit seien im grossen Stil POPs produziert worden. Gut zu erkennen war auch, wie die Schadstoffmengen zurückgingen, als Anfang der 1970er-Jahre viele der Umweltschadstoffe verboten wurden.
In Sedimentschichten, die nicht älter sind als 10 bis 15 Jahre, stieg der Anteil der Gifte allerdings erneut. Die Menge der chlorhaltigen Chemikalien etwa lag ab Ende der 90-er-Jahre bis heute gar zum Teil höher als in den 60ern und 70ern, wie die Forscher im Fachmagazin «Environmental Science and Technology» berichteten.
Schmelze setzt Gifte frei
Ein möglicher Grund dafür ist laut den Wissenschaftlern, dass der See hauptsächlich vom Oberaargletscher gespeist wird. Dessen Zunge hat sich seit 1930 um rund 1,6 Kilometer zurückgezogen. So konnte er relativ grosse Mengen giftiger Substanzen freigeben, die vor Jahren von der Luft auf den Gletscher gebracht worden waren.
Laut dem Communiqué vermuteten Umweltforscher schon seit längerem, dass Gletscher ernst zu nehmende Quellen für einen erneuten Eintrag solcher Umweltgifte sind. Nun sei es aber erstmals nachgewiesen. Die Zürcher Forscher wollen nun unter anderem herausfinden, ob mit noch grösseren Schadstoffmengen aus Gletschern zu rechnen ist. (vin/sda)
Erstellt: 13.10.2009, 18:00 Uhr
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