Neuste Maya-Ausgrabungen sollen Weltuntergangstheorien widerlegen
Von Barbara Reye. Aktualisiert am 11.05.2012 8 Kommentare
Im Regenwald von Guatemala stiessen Archäologen auf ein Wandbild, das neue Interpretationen des Maya-Kalenders liefern und die Weltuntergangstheorien widerlegen soll. (Video: Reuters)
Astronomische Berechnungen für den Maya-Kalender. (Bild: National Geographic / PD)
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Gut versteckt und weitab jeglicher Zivilisation liegen die Ruinen der einstigen Maya-Stadt mit dem heutigen Namen Xultun im Norden Guatemalas. Die rund 20 Quadratkilometer grosse Anlage mit Tempeln und zahlreichen Bauten ist bisher archäologisch noch kaum erforscht worden, obwohl sie bereits vor etwa hundert Jahren erstmals entdeckt und in den 70er-Jahren dann nochmals kartiert wurde. Doch Xultun liegt, wie auch alle anderen Prunkbauten der Mayas, mitten im Regenwald.
Per Zufall hat das Team um William Saturno von der Universität Boston in dieser unwirtlichen und schwer zugänglichen Gegend nun einen Sensationsfund gemacht. In der Zeitschrift «Science» beschreiben die Forscher, dass sie den Spuren von Plünderern gefolgt seien. Auf diese Weise sind sie trotz der üppig und aufgrund der klimatischen Verhältnisse sehr schnell wuchernden Vegetation auf freigelegte Mauern eines Wohngebäudes gestossen.
Unmittelbare Zeitzeugnisse
Zur Überraschung der Archäologen waren die Mauern des Hauses mit recht gut erhaltenen, farbigen Wandmalereien dekoriert – etwa einem mit blauen Federn geschmückten König. Die Kunstwerke stammen aus dem frühen 9. Jahrhundert, also aus der Blütezeit der rätselhaften und legendären Maya-Kultur, die hundert bis zweihundert Jahre später in sich zusammenbrach.
«Es ist das erste Mal, dass man astronomische Inschriften in einem Wohnhaus gefunden hat», sagt der deutsche Maya-Experte Hanns J. Prem, der als Professor für Altamerikanistik während dreier Jahrzehnte die Geheimnisse der Maya-Überlieferungen vor Ort erforschte. Doch das Spektakulärste an dem Fund der Amerikaner seien die entdeckten astronomischen Berechnungen der Schriftgelehrten. Denn diese Kritzeleien an den Wänden seien ein unmittelbares Zeugnis aus jener Zeit. Bisher habe man lediglich Überlieferungen von astronomischen Kalenderberechnungen gehabt, die jedoch mehr als ein halbes Jahrtausend später auf Rindenpapier aufgeschrieben worden seien.
Die Mayas konnten Millionen Jahre in die Vergangenheit und in
die Zukunft rechnen.
Die Experten wussten, dass die astronomischen Berechnungen aus dieser Zeit etwa so aussehen mussten. Nun haben sie einen authentischen Beleg aus dieser Epoche aufgespürt. In Xultun finden sich zum Teil über die ganze Wand verteilt kleine Bildzeichen, Balken und Punkte, die Zahlenkolonnen darstellen. Diese Kalkulationen sind bisher nur in einem Dokument, dem Dresdner Codex, auf diese Art dargestellt worden. Es sind Berechnungen über Venusphasen sowie Mond- und Sonnenfinsternisse, Ritual- und Weissagungskalender, Anleitungen für Zeremonien zum Jahreswechsel und Beschreibungen der Aufenthaltsorte des Regengottes. Solche Aufzeichnungen auf Rindenpapier sind viel später entstanden, allerdings immer noch ein bis zwei Jahrhunderte bevor die Spanier das Land eroberten.
«In Xultun haben die Schriftgelehrten dagegen für ihre Kalkulationen die Wände benutzt, ähnlich wie eine heutige Wandtafel», sagt Prem. Weil sie diese nicht abwischen konnten, haben sie auf mehrere Stuckschichten übereinander geschrieben. Manchmal haben sie auch mit Rot etwas markiert, was gemäss William Saturno eventuell eine Korrektur darstellen könnte.
Die Mayas sind bekannt für ihr mathematisches und astronomisches Wissen. Aufgrund von Himmelsbeobachtungen entwickelten sie einen komplexen Kalender mit mehreren ineinander verschachtelten Zyklen. So brachten sie darin unter anderem ihren Ritualkalender mit 260 Tagen, den Sonnenkalender mit 365 Tagen, den Zyklus der Venus mit 584 Tagen sowie auch denjenigen des Mars mit 780 Tagen unter.
Kein Weltuntergang
Wichtig war stets, dass es am Schluss aufging und sie die entsprechenden gemeinsamen Vielfachen dieser völlig unterschiedlichen Zyklen gefunden hatten. Dabei konnten sie sogar Millionen Jahre in die Vergangenheit und in die Zukunft rechnen. Des Weiteren vermerkten sie in ihren umfangreichen Kalenderdarstellungen auch die verschiedenen Mondphasen.
Das Tolle daran sei, dass solche Zyklen nie aufhörten, sagt Prem. Man müsse sich einen Autoreifen vorstellen, der ja auch keinen Anfang und kein Ende habe. Deshalb sei die Diskussion über den Weltuntergang am 21. Dezember 2012 auch Humbug. Denn der Maya-Kalender sage keinen Weltuntergang voraus, sondern halte lediglich den Abschluss eines der vielen Zyklen fest. Für das Weltbild und das Kulturverständnis der Mayas war es von grosser Bedeutung, dass es weitergehe. Und dass Himmel und heilige Rituale im Einklang waren.
In Gefahr durchs Klima
Die Grabungsaktion in Xultun musste schnell vor sich gehen, um noch vor der Regenzeit fertig zu werden. Denn die freigelegten Mauern und ihre Kunstwerke, die über die Jahrhunderte der Zeit trotzten und einen Meter unter einer Vegetationsschicht begraben lagen, können durch die extremen klimatischen Bedingungen in der Region im Nu zerstört werden.
Für die Forscher war es grosses Glück, dass die Plünderer nicht wussten, was für Schätze dort zu finden sind, und daran auch kein Interesse haben. Doch die Diebe bahnten ihnen den Weg dorthin und führten sie durchs grüne Dickicht auf die richtige Fährte.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.05.2012, 18:43 Uhr
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8 Kommentare
Der Weltuntergang wird sicher wegen Terminproblemen oder anderem Nichtvorhersehbarem verschoben.Eine Frau Bertschinger (alias Uriella)hat doch auch noch etwas angekündigt,nur hat man davon schon länger nichts mehr gehört.Die Welt wird sicher untergehen,spätestens in 900 Millionen Jahren soll es auf der Erde so heiss werden,dass es mit dem Leben unvereinbar ist,weil die Sonne immer heisser brennt. Antworten
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