Diese Nervensägen sind besser als ihr Ruf
Von Christian Sartorious. Aktualisiert am 17.05.2011 7 Kommentare
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Sieben Hornissen töten ein Pferd, drei einen Menschen: Gefährlich laut brummende Hornissen sind hierzulande wohl die gefürchtetsten Wespen. Weiss doch der Volksmund, dass schon wenige dieser Insekten genügen, um Menschen oder gar Pferden den Garaus zu machen. Doch er irrt, der Volksmund. Hornissen sind sehr viel netter, als es ihr schauerlicher Ruf vermuten lässt. Eine einfache Honigbiene kann mit einem einzigen Stich nicht nur toxischeres Gift übertragen als eine Hornisse, sondern auch etwa die zehnfache Giftmenge.
Deutsche Zoologen und Toxikologen haben ermittelt, dass Hornissen mehr als 10000-mal zustechen müssten, um einen 70 Kilogramm schweren Menschen ernsthaft zu gefährden (Überlebenschance 50:50), Bienen hingegen keine 3000-mal. Da selbst grosse Hornissennester maximal 800 Tiere beherbergen und von diesen nur ein kleiner Bruchteil ausfliegt, um das Nest zu verteidigen, kann sich jeder selbst ausrechnen, wie gross die Gefahr ist, die von einzelnen Tieren ausgeht. Dazu kommt, dass sie überaus selten geworden und vom Aussterben bedroht sind. Auch kommen sie nicht an den Kaffeetisch oder zum Grillabend, denn an Süssem und Grilliertem zeigen sie keinerlei Interesse.
Libellen können schmerzhaft stechen, Hummeln gar nicht
Unsere Vorfahren kannten die Libellen oder Wasserjungfern noch als «Augenstecher» und «Teufelsnadeln». Trotz dieser martialischen Beinamen besitzen sie allerdings überhaupt gar keinen Stachel und können somit auch nicht zustechen. Die seltenen weiblichen Plattbauchlibellen werden manchmal mit grossen Wespen verwechselt, und dementsprechend panisch sind dann auch die Reaktionen. Dabei lassen sich die ungefährlichen Plattbäuche von Wespen sehr leicht unterscheiden, denn im Gegensatz zu ihnen fliegen Libellen absolut lautlos.
Hummeln stechen nicht gerne, das ist richtig, sie können es aber sehr wohl. Aufgrund ihres überaus schwach entwickelten Stechapparates ist es einer Hummel nicht möglich, etwa auf der Hand sitzend zuzustechen. Hummeln müssen sich zum Stechen immer mit dem Rücken abstützen, nur dann kann ihr Stachel auch menschliches Gewebe durchdringen. Rutschen sie einem beispielsweise in den Hemdkragen ist also durchaus Vorsicht geboten. Da Hummeln aber nun einmal nur sehr ungerne stechen, drohen sie in der Regel vor dem Stechen deutlich und unmissverständlich, indem sie sich auf den Rücken legen und ihren stachelbewehrten Hinterleib präsentieren. Da sie sich in dieser Lage mit dem Rücken zum Stechen auch abstützen können, sollte man dann lieber Abstand halten.
Wespen greifen aus reiner Aggressivität an
Weder Wespen, Hornissen noch Bienen oder Hummeln stechen aus reiner Aggressivität oder nur so zum Spass. Vielmehr stechen all diese Tiere nur im äussersten Notfall, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihr Nest in Gefahr ist. Gerade Wespen hängt ein schlechter Ruf an, weil die Deutsche und die Gemeine Wespe – und auch wirklich nur diese beiden Arten – gerne zum Kaffeekränzchen im Freien oder zum Grillabend vorbeikommen. Aber auch hier gilt: Wer nicht nach den Tieren schlägt, sie anschreit (die dabei ausgestossene Atemluft kann als Angriff gewertet werden) oder wild gestikuliert, hat nichts zu befürchten. Den Nestern sollte man ohnehin fernbleiben und nicht daran schütteln oder rütteln.
Verfängt sich ein Tier in den Haaren, wird es selbst alles daran setzen, so schnell wie möglich wieder zu entkommen. Aber: Wer draussen isst und trinkt, sollte Mahlzeit und Getränke, die man besser abdeckt, genau ansehen, ob sich nicht eines der Tiere darauf oder darin befindet. Werden sie versehentlich mitgegessen, geht das für alle Beteiligten nicht gut aus.
Einen Bienenstachel muss man sofort herausziehen
Der Stachel der Honigbiene ist mit winzigen Widerhaken versehen und somit verbleibt nicht nur der Stachel, sondern sogar der gesamte Stechapparat in der Einstichstelle und pumpt weiterhin Gift in die Wunde. Das muss in der Tat möglichst schnell unterbunden werden.
Wer aber beherzt zugreift, drückt meist mit seinen Fingern auf die Giftblase und somit den gesamten Giftinhalt noch schnell in die Wunde. Besser ist es, den Stachel mitsamt Stechapparat nicht mit den Fingern heraus zu ziehen und dabei zu quetschen, sondern mit dem Fingernagel abzukratzen. Neben der richtigen Technik kommt es dabei auch auf die Geschwindigkeit an. Ausserdem sollte man sich rasch entfernen, denn bei jedem Stich werden Stoffe freigesetzt, die andere Bienen dazu animieren, ebenfalls zuzustechen.
Bienen können nur einmal stechen: Die winzigen Widerhaken des Honigbienenstachels verhaken sich so sehr in unserer Haut, dass nicht nur der Stachel, sondern sogar der gesamte Stechapparat abgerissen wird. Klar, dass die Biene das nicht überlebt. Allerdings verhakt sich dieser Stachel nicht überall. Die Haut von Insekten etwa ist längst nicht so widerborstig wie unsere Haut. Somit können Bienen diese auch mehrfach durchstechen, ohne dabei Stachel oder Leben einzubüssen.
Wespen, Hornissen und Hummeln sind im Gegensatz zu Bienen überflüssig
Bienen bestäuben Nutz- und Zierpflanzen. Ohne sie gäbe es kaum Obst, Gemüse oder bunte Blümchen. Aber auch Hummeln kommt eine überaus wichtige Rolle beim Bestäuben der Pflanzen zu, ja sie fliegen sogar an kühleren Tagen aus, an denen Bienen viel lieber in ihrem warmen Stock bleiben. Wespen und Hornissen hingegen ernähren sich von anderen Insekten und betätigen sich somit als Gesundheitspolizei und Nützlinge: 500 bis 600 Hornissen vertilgen etwa 500 Gramm Insekten, 1000 Wespen fressen ganze 3000 Mücken, Fliegen, Raupen und Spinnen — pro Tag wohlgemerkt.
Alle gelbschwarz gestreiften Insekten können stechen
Mit ihrer gelbschwarz beziehungsweise braunschwarz gestreiften Färbung warnen Wespen und Co. unmissverständlich vor ihrer Giftigkeit. Das stimmt. Dennoch gibt es viele Trittbrettfahrer, die nur so tun als ob. Der Abschreckungseffekt ist der gleiche, die Tiere selbst aber sind vollkommen harmlos und könnten selbst dann nicht stechen, wenn sie wollten. So profitieren unzählige Schwebfliegen von ihrer optischen Ähnlichkeit mit den Stechimmen. Zu erkennen sind sie an der fehlenden typischen Wespentaille. Ausserdem können sie meist wie ein Kolibri in der Luft stehen, was Hummeln, Bienen und Co. normalerweise nicht tun.
Wespen mit dem längsten Stachel sind die gefährlichsten
Klar, ein grosser dicker Hornissenstachel schmerzt mehr, als der eines Bienchens — vom Gift ganz abgesehen. Doch die Wespen mit dem längsten Stachel, die Schlupfwespen, haben diesen nicht zur Verteidigung, sondern zur Eiablage, ist er doch zu einem sogenannten Ovipositor umgebildet, also einem Legebohrer. Von den Wespen mit dem längsten Stachel geht also die geringste Gefahr aus. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.05.2011, 16:28 Uhr
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7 Kommentare
Die hysterische Um-sich-Schlagerei oder gar das Krepierenlassen unter umgestülpten Gläsern bringt mich regelmässig in Rage. Ich stehe dann auf, befreie das gefangene Insekt und schnaube Unfreundliches in Richtung des Insektenvernichters (i.d.R. männlich). Glaubt der Mensch eigentlich immer noch, er habe als einziger ein Existensrecht, auf diesem Planeten? Die anderen waren schon lange vor ihm da. Antworten
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