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Wintereinbruch im März
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Die kälteste Nacht des Winters
Mit minus 38,9 Grad auf der Glattalp im Kanton Schwyz ist heute morgen die bisher tiefste Temperatur in diesem Winter in der Schweiz gemessen worden. Der bisherige Rekord von minus 35,6 Grad in La Brévine im Kanton Neuenburg vom vergangenen 1. Februar wurde damit um mehr als drei Grad unterboten. Die Glattalp liegt auf 1850 Metern über Meer.
Noch kälter war es auf der Glattalp letztmals am 1. März 2005 mit minus 40,3 Grad. Die bisher tiefste Temperatur auf der Glattalp seit Beginn der Messreihe im Jahr 1984 wurde im Februar 1991 gemessen: minus 52,5 Grad.
Selten dürfte sich die Schweiz so auf den Frühling freuen wie dieses Jahr. Seit Monaten ist es bitterkalt: Oberhalb von 1000 Metern haben Meteorologen seit 29 Jahren nicht mehr derart tiefe Winter-Temperaturen gemessen. Auch der Schnee freut nicht alle. Immer wieder legen heftige Schneefälle den Verkehr lahm. Zuletzt am vergangenen Samstag, als es im Mittelland innert kurzer Zeit zu rund 200 Unfällen kam. Der strenge Winter hat allerdings nicht nur die Schweiz im festen Griff, auf der ganzen Nordhalbkugel schlottern die Menschen.
Da scheint die Frage berechtigt: Gibt es die Klimaerwärmung überhaupt? Irgendwie will das Wetter nicht so recht zu den Warnungen der Wissenschaftler passen, dass Treibhausgase das Klima anheizen. Die Klimaexperten haben jedoch eine Erklärung für die Kältewelle. «Das gehört zur natürlichen Schwankungsbreite», erklärt Gerald Meehl vom National Center for Atmospheric Research in den USA gegenüber der Nachrichtenagentur DDP. Trotz der Erderwärmung werde es immer noch Kälterekorde geben, einfach weniger davon. So wird sich das Jahr 2009 in die Liste der zehn wärmsten Jahre seit 1880 einreihen.
Polarluft strömt nach Europa
Deke Arndt vom amerikanischen Klimadatenzentrum betont, dass die Klimaerwärmung häufigere und heftigere Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren, Stürme und sogar Kälteperioden zur Folge haben wird. Die Kältewelle der letzten Monaten auf der Nordhalbkugel habe mit dem Klimawandel nichts zu tun: Schuld ist eine spezielle Konstellation von Tief- und Hochdruckgebieten – die Westwinde über dem Nordatlantik wehen dadurch weniger stark, eiskalte Polarluft fliesst nach Europa.
Das ändert laut Arndt jedoch nichts daran, dass sich das Klima weiter erwärmt. Man dürfe Wetter nicht mit Klima verwechseln, sagt auch Klimaschützer Boris Schinke im deutschen «Handelsblatt». «Regional ungewöhnliche Wetterlagen weichen oftmals vom langjährigen Trend der Globaltemperatur ab.» In den letzten 100 Jahren sind die Temperaturen auf allen Kontinenten angestiegen.
Das Wetter vor der Haustüre
Diese Tatsache ist für die meisten nicht nachvollziehbar. Wenn es während zwei aufeinanderfolgenden Wintern wochenlang schneit und eisig kalt ist, denkt man schnell: keine Spur von Erderwärmung. Von dieser Überzeugung bringt einen auch der Fakt nicht ab, dass es diesen Winter im russischen Oimjakon, dem kältesten Ort der nördlichen Hemisphäre, mit 10 bis 15 Grad einen neuen Hitzerekord gegeben hat. Der renommierte US-Klimaforscher James Hansen hat eine Erklärung für diese scheinbare Kurzsichtigkeit: «Saisonale und regionale Wetterschwankungen, wie wir sie im Moment erfahren, sind für uns Menschen noch immer viel stärker spürbar als das Ausmass der durchschnittlichen globalen Erwärmung über das letzte halbe Jahrhundert betrachtet», sagte er kürzlich in der «Wochenzeitung». (cha)
Erstellt: 09.03.2010, 15:01 Uhr





