Das Tier des Jahres 2010
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Die Umweltorganisation Pro Natura hat die Langhornbiene zum Tier des Jahres 2010 bestimmt. Die «Pelzigen Pollentaxis» zählen zu den rund 580 Wildbienenarten der Schweiz und stehen für die unglaubliche Vielfalt der wertvollen Wildbienen, wie Pro Natura am Dienstag mitteilte. Die Wahl der Langhornbiene zum Tier des Jahres soll die Bedeutung der Millionen «unsichtbaren» Insekten für die Biodiversität, die Lebensgrundlage für uns alle, betonen, wie Pro Natura schreibt. 45 Prozent aller Wildbienen stehen in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten und bedrohten Arten. Die Bestäubung von Pflanzen ist eine unbezahlbare Dienstleistung aller Wildbienen. Verschwinden diese fleissigen Summer, verarmt die Vielfalt der Pflanzen und mit ihr die Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier, wie es weiter heisst.
Die Langhornbienen (Eucera nigrescens) fallen unter den Wildbienen auf, auch wenn sie nur 13 bis 16 Millimeter lang sind. Ihre Fühler sind so lang wie ihr Körper und sie haben einen pelzigen Rücken. Sie fliegen etwa von Mitte März bis Anfang August. Für die Nahrungssuche sind sie auf die Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütler angewiesen: Das sind Pflanzen wie der Wundklee, die Wiesenplatterbse oder die Zaunwicke. Daher findet man das Tier des Jahres vor allem auf artenreichen Trockenwiesen, in Hochstamm-Obstgärten oder in Lehmgruben. Die Langhornbienen kommen in der ganzen Schweiz ausser im östlichen Graubünden vor, meist unterhalb von 700 Meter über Meer. Langhornbiene ist ein Gattungsname und somit Sammelbegriff für mehrere Eucera-Arten. Je nach Literatur ist die Rede von vier bis neun Arten in der Schweiz. Im Gegensatz zu ihren Verwandten, der bekannten Honigbienen, leben praktisch alle Wildbienen einzelgängerisch.
Pflanze imitiert Geruch
Besonders bei der Langhornbiene ist ihre spezielle Liebe zur Hummel-Ragwurz, einer Orchideen-Art: Die Langhornbienen sorgen für die Bestäubung dieser Art. Die Pflanze imitiert dabei den Geruch und die Form eines Langhornbienen-Weibchens und drückt beim vermeintlich amourösen Besuch vom Bienen-Männchen ihre Pollen auf dessen Kopf. Mit diesem Paket fliegt das Männchen als «Pollentaxi» weiter und bestäubt ungewollt eine nächste Hummel-Ragwurz. Diese hochspezialisierte Abhängigkeit wird von Pro Natura als eindrückliches Beispiel für die fragilen Wechselwirkungen der Biodiversität bezeichnet. Dieses Verständnis will Pro Natura mit der Wahl der Langhornbiene und mit ihrer Kampagne «Biodiversität - jede Art zählt!» der Bevölkerung vermitteln.
Laut Pro Natura benötigen die Wildbienen geeignete Lebensräume für die Nahrungssuche und die Fortpflanzung: Die summenden Insekten leben auf Trockenwiesen und -weiden, Brachen, in Kiesgruben oder in Obstgärten. Besonders wichtig für das Überleben der Wildbienen seien Lebensräume mit lockerer Vegetation. Denn rund die Hälfte aller Arten - so auch die Langhornbienen - bauen ihre Nester in den Boden. Solche Lebensräume seien in der aufgeräumten und überbauten Landschaft am Verschwinden, auch die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Totalherbiziden raube den Bienen Nahrung und Nistplätze. Wildbienenschutz sei daher in erster Linie Biotopschutz, aber auch Landschaftsschutz. (sam/ap)
Erstellt: 05.01.2010, 10:41 Uhr
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