Biotreibstoffe führen zur Umweltkatastrophe

Aktualisiert am 19.08.2009

Grüne Treibstoffe scheinen nicht das zu halten, was sie versprechen: Sie sind alles andere als umweltfreundlich. Die Entwicklungsländer sind die Leidtragenden.

Eine Pflanze, die Afrika den Ruin bringen könnte: Jatropha curcas, mit deutschem Namen Purgiernuss.

Eine Pflanze, die Afrika den Ruin bringen könnte: Jatropha curcas, mit deutschem Namen Purgiernuss.
Bild: Keystone

Eine Studie der Christian Aid weist erneut auf die Probleme der sogenannten grünen Treibstoffe hin und bestätigt die Ergebnisse anderer Untersuchungen. Biotreibstoffe sind alles andere als umweltverträglich. Denn: Die weltweit steigende Nachfrage führt in den Entwicklungsländern zur weiteren Rodung von Wäldern, zur Vertreibung der Bauern und zum Missbrauch von Arbeitsrechten. Weiträumige finanzielle Unterstützung und Förderungen von Agrotreibstoffen in den Industrieländern machen es notwendig, mehr Pflanzen in Entwicklungsländern anzubauen.

Die Probleme mit Biotreibstoffen sind in Südamerika bereits sehr gut dokumentiert. Auch in anderen Kontinenten drohen ähnliche Auswirkungen. «In Afrika ist das Problem mit Agrotreibstoffen noch nicht offensichtlich», so Studienautor Eliot Whittington gegenüber pressetext. «Wenn allerdings Jatropha als Biotreibstoffpflanze in grossem Stil angebaut wird, droht ein ähnliches Szenario wie in Südamerika», warnt der Forscher.

Biotreibstoffpflanze Purgiernuss

Jatropha curcas, mit deutschem Namen Purgiernuss, ist ein Sukkulent, der bis zu acht Meter hoch wird. Der hohe Ölanteil der Samen macht die Pflanze zu einer gefragten Biotreibstoffpflanze weltweit. «Da Jatropha bisher nur in sehr geringem Masse als Plantagenpflanze angebaut wurde, gibt es nicht sehr viel verlässliches Informationsmaterial», meint Whittington. «Was man bis jetzt allerdings weiss, ist nicht besonders überzeugend. Die Pflanze wächst zwar auch in trockenen Regionen, doch kultiviert man sie und baut sie auf Plantagen an, ist auch hier wertvolles Ackerland und regelmässige Bewässerung notwendig.»

In Senegal haben Untersuchungen gezeigt, dass die Ausbeute von Jatropha in ariden Regionen mit jährlichen Niederschlägen von 500 Millimeter schlecht war. «In Regionen mit 800 und mehr Millimeter Regen pro Jahr ist die Menge der geernteten Jatropha-Samen deutlich höher. Dort stehen die Biotreibstoffpflanzen allerdings sehr wohl in Konkurrenz zu Nahrungspflanzen.»

«Auch bei der Ernte ist man mit der Jatropha nicht wirklich gut beraten, denn der grösste Teil muss von Hand durchgeführt werden», so Whittington. Zudem sind die Pflanzen anfällig für Schädlinge. «Man kann nicht generell sagen, dass Agrotreibstoffpflanzen schlecht sind. In kleinem Rahmen angebaut, können sie lokalen Gemeinden sehr wohl einen Nutzen bringen», so der Autor. Ein Beispiel sei etwa das Mali Folkecenter MSC - ein Vorzeigeprojekt, des United Nations Environmental Programme UNEP - bei dem Jatropha zum Betrieb des dorfeigenen Stromgenerators und für Landmaschinen genutzt wird. «Sobald allerdings Jatropha kommerziell in industriellem Ausmass angebaut wird, ist es in keiner Weise nachhaltig», kommt der Autor in der Studie zum Schluss.

CO2-Einsparungsmengen werden überschätzt

Der Bericht kritisiert zudem auch, dass die CO2-Einsparungsmengen durch die Nutzung von Agrotreibstoffen vielfach zu hoch angesetzt und damit stark überschätzt werden. Auch die Umwidmung von nicht bebautem Land in landwirtschaftliche Flächen wird in den Berechnungen nicht berücksichtigt. Die Produktion einiger Agrotreibstoffe kann sogar dazu führen, dass 30 Prozent mehr CO2 emittiert wird als bei der Nutzung fossiler Brennstoffe. (pte)

Erstellt: 19.08.2009, 09:52 Uhr

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