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Bald ist der Aralsee vollends verschwunden
Von Martin Läubli. Aktualisiert am 13.08.2009 12 Kommentare
Der Aralsee stirbt. Das neuste Bild des Terra-Satelliten der Nasa, aufgenommen am 3. Mai 2009, zeigt: Es gibt keine Hoffnung mehr. Hier kann es kein Leben mehr geben. Salziger Staub bedeckt einen grossen Teil des Sees.
Langsam verdunsten die letzten Wasserflächen. Der Aralsee war einst der viertgrösste See der Welt. Wissenschaftler geben ihm vielleicht noch zehn Jahre, dann ist er ausgetrocknet. Es ist eine Naturkatastrophe. Aber der Mensch hat sie verursacht – zweifellos. Es begann in den 1960er-Jahren: Die Sowjetunion leitet das Wasser der Syr Darja und Amu Darja zu den trockenen Ebenen in Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan. Die beiden Flüsse sind die Lebensadern des Aralsees. Sie bringen Schmelz- und Regenwasser aus den Bergen.
Blühende Flora statt See
Das Bewässerungsprojekt ist für die Bauern ein Erfolg. Die Wüsten grünen, Baumwolle und Getreide wachsen prächtig. Für den Aralsee ist es aber der Anfang vom Ende. Bereits in den späten 1980er- Jahren wird der nördliche Teil – der kleine Aralsee – vom grossen südlichen getrennt. Zehn Jahre später sind Küstenstreifen von mehr als 50 Kilometer Breite ausgetrocknet. Die ersten Terra-Satellitenbilder im Jahre 2000 enthüllen die Katastrophe.
Für die Fischer gibt der See bereits viel früher nichts mehr her. Die Fischindustrie beschäftigte in den frühen 1960er-Jahren etwa 60'000 Arbeiter. Ende der 1970er-Jahre fingen die Fischer bereits 75 Prozent weniger Fische. Wenige Jahre später war der kommerzielle Fischfang am Ende. Für die Bauern war die Austrocknung des Sees der Beginn eines Teufelskreises: Sandstürme blasen regelmässig den salzigen Staub aus dem ausgetrockneten Seebecken auf das Ackerland. Die Bauern versuchen den Boden zu retten, indem sie ihn mit Frischwasser auswaschen. Die Konsequenz: Salziges Wasser, angereichert mit Pestiziden und Dünger, fliesst vom Acker in den abflusslosen See zurück. Und der Wind wiederum bläst nun Staub mit Agrargift vom Seebecken in die Dörfer. Das Risiko für Lungenerkrankungen steigt.
Kleiner Aralsee gerettet
2005 geben die Kasachen den grossen Aralsee auf. Sie bauen mit Geldern der Weltbank einen Damm zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil, um wenigstens den kleinen Aralsee zu retten. Tatsächlich füllt ihn die Syr Darja allmählich wieder auf. Die Planer sind zuversichtlich, dem Fischfang so wieder eine Zukunft zu geben. Ob der Damm allerdings die regionale Klimaveränderung bremst, ist fraglich. Mit der Austrocknung des Aralsees fehlt ein Wärmepuffer: Die Sommer sind heisser geworden und die Winter kälter. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.08.2009, 08:45 Uhr
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12 Kommentare
In ein paar Jahren sind die Bauern dört weggezogen oder an ihrem Lebensstyl zugrunde gegangen. Dann kann man das ganze Wasser ja wieder in den See leiten - oder man fängt schon früher mit nützlicheren Massnahmen als das abtrennen eines kleinen Teiles an und rettet die ganze Region. Antworten
M. Nef: seit wann ist die Weltbank eine Russenbank?Vermutlich der internationale Währungsfond auch. Man kann es sich ganz einfach machen.Aber warten Sie ab bis die schweizer Gletscher geschmolzen sind, schuldig dafür sind wohl nur die Ausserirdischen und nicht der Bundesrat oder das Parlament, oder die bürg. Parteien. Nachhaltigkeit: davon haben die Bauern auf der ganzen Welt noch nie was gehört Antworten
Das Schlimme ist dass diese Geschichte nur eine unter sehr viele ist. In der Schweiz werden die Gletscher in 2050 zum grössten Teil geschmolzen sein, in Indonesien verschwindet pro Jahr 1.8 millionen Ha Urwald. Was haben wir damit zu tun? Viele Probleme sind weltweit (Klimawandel, Versauerung der Meere, Artensterben) und die Ursache auch: die weltweite Gier nach mehr Mobilität, Wohnraum, Luxus. Antworten
Die Frage ob jeder von uns Mitschuldig ist, spielt eigentlich gar keine Rolle. Sondern was tun wir damit wir mit unserem heutigen "schaffen" nicht etwas ähnliches in 40 Jahren fabrizieren? Z.B: warum werden noch immer soviele Abgase in die Luft geblasen, seien es nun Autos, Fabriken oder anderes? Obschon wir oft die Möglichkeit hätten es anders zu machen! Antworten
hauptproblem: die ressourcenverteilung ist unfair & wir sind zu viele gierige menschen. wie soll das funktionieren? vielleicht hilft das: globale geburtenkontrolle, max. 4 Mia. erdbevölkerung, globales ressourcen-managment, null-wachstum. Antworten
viele leute wollen dies einfach nicht sehen, dass sie mit ihrem täglichen einkaufsverhalten die welt mitbestimmen. der markt deckt die nachfrage. ganz klar. warum sollte der markt sachen anbieten die niemand will? intelligentes einkaufen wäre gefragt, statt nur immer das günstigste und erstbeste zu wählen. bio/fairtrade. das war früher selbstverständlichkeit - schade. hoffe die leuten ändern sich Antworten
@Majo: so leicht redest du dich nicht heraus. Klar haben explizit die Sowjetrussen dies ausgelöst. Aber ich vermute, dass du mit den Annehmlichkeiten der heutigen Zivilisation lebst, dass du Kleider trägst, in einer warmen Wohnung lebst, Auto fährst und dich vielseitig ernährst. Das führt zum gesamten Problem, der Aralsee ist dabei nur eine besonders tragische Wunde. Das betrifft mich und dich. Antworten
Es müsste einem einen Stich tief ins Herz geben, vor Angst, dass wir uns eben doch selbst ausrotten und die Erde zerstören - und das nicht erst in 1000 Jahren. Stattdessen zeigt man mit dem Finger auf die "Anderen", die offenbar die Schuld tragen. Ein derart gigantisches, disaströses Ereignis, seit Jahren bekannt - ist darum bestenfalls einen kleinen Artikel wert - der Steuerstreit ist wichtiger. Antworten
Der Mensch kennt in seiner Gier keine Grenzen. Die Natur muss unterjocht werden. Wie wird das mit noch mehr Menschen auf dieser Welt enden? Wenn der Mensch sich dannumal selbst ausgerottet hat, wird sich die Natur wieder erholen. Was soll's. Antworten
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Fabienne Studer
Die Menschheit war noch nie lernfähig und das wird wohl auch so bleiben. Die ach so hochgelobte sog "Krone" (wohl eher Fluch) der Schöpfung wird es als einzige Spezies bestimmt schaffen, sich selbst auszurotten. Es ist schon längst nicht mehr 5 vor 12. Antworten