Wissen

Wenn sich Mathematiker mit verknoteten Haaren beschäftigen

Büstenhalter als Gesichtsmaske, Selbstversuch mit knackenden Fingerknöcheln. Es gibt nichts, was man nicht erforschen könnte. Marc Abrahams sammelt solche skurrilen Fälle.

Hier wurde offensichtlich nachgeholfen. Doch Haare verknoten sich irgendwann immer, auch ohne Beihilfe.

Hier wurde offensichtlich nachgeholfen. Doch Haare verknoten sich irgendwann immer, auch ohne Beihilfe.
Bild: Keystone

Stichworte

Wenn Marc Abrahams zu einer Pressekonferenz einlädt oder Vorträge moderiert, strömen Journalisten und Wissenschaftler gleichermassen in Scharen zu ihm. Der Grund: Es gibt etwas zu lachen. So geschah es auch kürzlich bei der Jahrestagung der amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften in San Diego.

Abrahams gibt die sehr spezielle Zeitschrift «Annals of Improbable Research» heraus. Darin sammelt der studierte Mathematiker obskure Forschungsergebnisse, die auf den ersten Blick lustig, skurril oder aber völlig überflüssig klingen. Sein analytisch-ironischer Blick auf die Wissenschaft ist inzwischen Kult. Weltbekannt ist der 54-Jährige zudem durch seine jährliche Show, bei der er an der Harvard University in Cambridge bei Boston zehn «Ig-Nobelpreise» verleiht. Nobelpreise für die Forschung, die «ignoble», also «unehrenhaft» ist.

«Ich möchte, dass die Leute erst lachen und dann denken», erklärt Abrahams sein Erfolgsrezept. Das beste Beispiel dafür ist die letztjährige Ig-Nobelpreis-Trägerin für «Gesundheit», Elena Bodnar von der Universität in Chicago. Die Medizinerin stellte in San Diego eine von ihr entwickelte aussergewöhnliche Gesichtsmaske vor. «Sie schützt davor, bei Feuer, Explosionen oder bestimmten Bomben giftige Stoffe einzuatmen», so Bodnar.

Körbchengrösse ist egal

Der Vorteil ist, jede Frau kann diese Gesichtsmaske immer dabei haben und zusätzlich einen anderen Menschen schützen. Das Besondere: Der Atemschutz wird in wenigen Sekunden aus einem Büstenhalter gebastelt. Die Körbchengrösse sei dabei egal, Hauptsache der Stoff bedecke gleichzeitig Mund- und Nase.

Das rote Satin-Dessous, das die attraktive Ärztin – nachdem sie geschickt einige Haken und Ösen gelöst hatte – aus ihrem Pullover zog, erfüllte alle Bedingungen. Testperson war Dorian Raymer, Student am Scripps-Institut für Ozeanografie, auch er ein Gast von Abrahams. Raymer hat mathematisch bewiesen, was jeder aus dem Alltag kennt: Schnüre, Bänder oder Haare verknoten sich irgendwann immer.

Bodnar legte dem jungen Forscher das Körbchen über Mund und Nase und fixierte die kleidsame Maske mit dem Schulterträger hinter seinem Kopf.

Die witzige Idee hat einen ernsten Hintergrund. «Bodnar stammt aus der Ukraine. Sie hat nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl Strahlungsopfer behandelt», sagt Abrahams. «Heute wissen wir, dass die radioaktive Strahlung kaum über die Haut eingedrungen ist, sondern die Menschen gefährliche Partikel einatmeten.» Hätten die Betroffenen 1986 schnell verfügbare Gesichtsmasken gehabt, wären sie nicht so schwer erkrankt.

44'000-mal Knöchel geknackt

Donald Unger aus Thousand Oaks in Kalifornien ging es mit seinem aussergewöhnlichen Langzeitversuch um ein persönliches Anliegen. Er widerlegte in einem mehr als 60 Jahre andauernden Experiment seine Mutter. Sie habe zu ihm stets gesagt: «Wenn du mit den Knöcheln knackst, bekommst du Arthritis.» Daraufhin knackte Unger zweimal täglich mit den Knöcheln seiner linken Hand, indem er die einzelnen Finger lang zog, insgesamt knapp 44'000-mal. Die Finger der rechten Hand verschonte er. Erfreulicherweise sind nach wie vor die Gelenke sämtlicher Finger des Immunologen gesund. «Du hattest Unrecht», rief Unger bei der Pressekonferenz pathetisch mit einem Blick in den Himmel zu seiner bereits verstorbenen Mutter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.03.2010, 06:34 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.


Populär auf Facebook Privatsphäre


Emil Frey AG Autocenter Bern

Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.