«Vulkanwolke, H1N1 oder Sars waren nie echte Gefahren»
Interview: Marc Brupbacher. Aktualisiert am 23.04.2010 25 Kommentare
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Als das Schweinegrippe-Virus vor einem Jahr von Mexiko aus seinen Zug um die Welt antrat, wussten selbst Experten nicht, mit welchem Gegner sie es zu tun haben. Die Folge waren Medienhysterie und Hygienewahn. Nun scheint der Spuk vorbei – für das Erste. Im April gab es in der Schweiz keine neuen Fälle mehr.
Insgesamt sind hier 20 Personen an der Schweinegrippe gestorben, wie aus der jüngsten Sentinella-Statistik des Bundesamts für Gesundheit (BAG) hervorgeht. Weltweit waren es 17'700 Todesfälle. Dennoch hat das Virus nicht so stark gewütet wie befürchtet. Das ist auch der Grund, weshalb sich in der Schweiz nur 17 Prozent der Bevölkerung gegen H1N1 impfen liessen. Die Kantone blieben auf ihren Impfstoffen sitzen. Diesen Herbst werden die Präparate bereits abgelaufen sein.
Das H1N1-Virus hatte aber auch seine guten Seiten, wenn man denn so will. Die saisonale Grippe konnte sich dadurch nicht ausbreiten. Während normalerweise zwischen 400 und 1000 vorwiegend ältere Personen an der saisonalen Grippe sterben, habe die nachweisbare exzessive Mortalität in diesem Jahr null betragen, wie der Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein gegenüber «20 Minuten online» sagte. Die harmlose Schweinegrippe hat also alle anderen Grippeviren verdrängt.
20 Menschen gestorben
BAG-Sprecher Jean-Louis Zurcher sieht die Schweinegrippe wegen den geringeren Todeszahlen aber nicht als Segen: «Es sind 20 Menschen in der Schweiz gestorben, die nicht hätten sterben sollen.» Die meisten Infektionen verliefen zwar glimpflich. Allerdings erkrankten im Vergleich zur normalen, saisonalen Grippe weniger Ältere, dafür häufig jüngere Menschen.
Die Schweinegrippe-Gefahr ist noch nicht vorbei. Das Virus zirkuliert weiter. Nach wie vor gilt von der WHO die höchste Pandemiestufe sechs. Für die kommende Grippesaison wird erwartet, dass der Schweinegrippe-Erreger wieder dominant sein wird - ob er mutiert und dann heftiger als im vergangenen Jahr zuschlägt, bleibt abzuwarten.
Im letzten Winter ist niemand an der saisonalen Grippe gestorben. Überrascht Sie das?
Ja und nein. Bei Mikroorganismen und Pflanzen ist es ein bekanntes biologisches Prinzip, dass ähnliche Organismen einander verdrängen können.
Dass dies aber so gründlich passiert, indem Grippestämme einander in so kurzer Zeit verdrängen, und es dadurch keine Toten durch die normale Grippe gab, hat mich doch überrascht.
Ist Ihnen ein Winter in Erinnerung, wo es ähnliche wenige Grippe-Tote gab?
Nein, aber Influenzaviren begleiten Mensch und Tier wahrscheinlich seit Millionen Jahren. Insofern sind Zyklen beim Auftreten von mehr oder weniger gefährlichen Stämmen ein evolutionäres Prinzip. Gäbe es nur eine Art von Grippevirus, wäre es längst wegselektioniert worden. Es gibt schliesslich Tausende von Virenarten, die für uns völlig harmlos sind, weil sie keine Strategie haben, unser Immunsystem zu überlisten.
Salopp gesagt: Die Schweinegrippe hat Hunderten das Leben gerettet. Ist das H1N1-Virus ein Segen?
Nein, H1N1 hat niemandem das Leben gerettet, weil die Evolution in sich keinen Sinn trägt. Wenn jemand im Lotto gewinnt, bestiehlt er ja auch nicht jene, die falsche Zahlen angekreuzt haben. Das Ganze ist Zufall, also Glück, worüber man sich freuen darf.
In der Schweiz gab es 20 Schweinegrippe-Tote. Nur 17 Prozent der Bevölkerung liessen sich impfen. Haben die Schweizer Behörden mit den Massnahmen gegen das H1N1-Virus überreagiert?
In den ersten paar Tagen sicher nicht. Pandemien sind eine biologische Möglichkeit, auf die man extrem rasch reagieren muss. Man hat dann aber auf der ganzen Welt viel zu lange gewartet um eine Entwarnung durchzugeben.
Nach dem Ausbruch der Krankheit herrschte zuerst Staunen, dann Angst.
Später wurde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ihre Schwarzmalerei kritisiert. Was ist Ihr Fazit rund ein Jahr später?
Die WHO muss über die Bücher. Wenn man Massnahmen anordnet, sollte man klar kommunizieren, ob etwas aufgrund von Computermodellen ein Risiko ist, oder ob eine Gefahr besteht, weil Beobachtungen und Messungen vorliegen. Klimaveränderung, Vulkanwolke, Gentechnologie, Vogelgrippe oder Sars waren Risikodebatten, aber nie echte Gefahren.
Wurde die Schweinegrippe auf Druck der Pharmaindustrie, mit der die WHO eng zusammenarbeitet, voreilig zur Pandemie erklärt?
Das ist wahrscheinlich eine Wanderlegende. Sicher ist, mit der Angst kann man immer ein Geschäft machen. Profitiert haben schliesslich auch die Hersteller von Desinfektionsmitteln, Masken und Papiernastüchern. Die eigentlichen Verlierer sind Forscher und Ärzte, welche geglaubt haben, die Leute würden rational handeln und sich impfen lassen. Diese Hysterie hat der Impfdisziplin nicht geholfen.
Wird es künftig schwieriger sein, bei einer wirklich gefährlichen Pandemie die nötige Aufmerksamkeit zu erregen?
Ja. Falls es aber Todesfälle gibt, wird ein hektischer Ansturm auf Medikamente und Impfung ausbrechen. Droht irgendwo ein Versorgungsengpass, beispielsweise Benzin oder Nahrungsmittel, muss man niemanden bitten, sich einzudecken. Zudem sind wir immer von einer Pandemie wie 1918 ausgegangen. Das war sicher falsch. Die Welt ist heute anders, wir haben eine sehr effiziente medizinische Versorgung. Ich bezweifle, dass ein Szenario wie 1918 überhaupt möglich ist.
Was ist für den kommenden Winter zu erwarten? Wie schätzen Sie die Gefahr einer gefährlichen Mutation des H1N1-Virus ein?
Ich hoffe, dass das H1N1-Virus in die Richtung mutiert, dass es noch harmloser wird, damit wir überhaupt keine Grippeopfer zu beklagen hätten. Kommt H1N1 wieder, können alle, die geimpft sind, schon mal aufatmen, weil sie wie Leute, die 1967-69 eine vergleichbare Grippe durchmachten, immun sind. Es könnte aber auch ein völlig anderer Virus-Stamm zur Weltumrundung antreten. Das Einzige, was sicher ist: Irgendeine Grippe kommt jedes Jahr. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.04.2010, 13:20 Uhr
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Die Vulkanwolke ist ein Naturereignis, weithin sicht- und verfolgbar. Dieses Ereignis mit Profit bringenden hochgepuschten Gefahren in Verbindungzu bringen, dies ist fahrlaessig. Die Chemie zockte ab, serioese Piloten betrachten die vorsorgliche Luftraumsperrung als verantwortungsvolle Massnahme. Kurz: Solche Beitreage bringen niemandem Sicherheit, das Gegenteil, der Mensch verliert Vertrauen. Antworten
Die Vulkanwolke ist ein Naturereignis, weithin sicht- und verfolgbar. Dieses Ereignis mit Profit bringenden hochgepuschten Gefahren in Verbindungzu bringen, dies ist fahrlaessig. Die Chemie zockte ab, serioese Piloten betrachten die vorsorgliche Luftraumsperrung als verantwortungsvolle Massnahme. Kurz: Solche Beitreage bringen niemandem Sicherheit, das Gegenteil, der Mensch verliert Vertrauen. Antworten
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