Tiersalbe gegen Schmerzen: das schlabbrige grüne Wunder
Von Fabian Sommer. Aktualisiert am 15.03.2010 6 Kommentare
Grün wirkt gut: Fussballer reiben sich die schmerzenden Waden gern mit einer Salbe für Tiere ein. (Bild: Beat Mathys)
Er reibt das schlabbrige Zeug überall dort ein, wo es wehtut. Und weh tut es Stefan Rüegg ziemlich oft an ziemlich vielen Stellen. Der 43-Jährige steht in der dritten Mannschaft des SC Aegerten-Brügg im Tor – fünfte Liga, trainiert wird auf Kunstrasen. Dort hechtet Rüegg den Bällen hinterher, dort schlägt er zwei Mal pro Woche ungezählte Male auf dem pickelharten Boden auf. Wenn das schlabbrige Zeug nicht wäre, sagt Rüegg, würde er sich das wohl nicht mehr antun.
Die Wirkung ist fabelhaft
Das schlabbrige Zeug heisst «Starke grüne Salbe ad us. vet.». Es ist hellgrün, fühlt sich an wie Pudding und riecht penetrant nach Menthol. Laut Packungsangabe ist es eine Salbe zur äusserlichen Anwendung bei Nutz- und Heimtieren. Das Produkt der Glattbrugger Tierarzneimittel-Vertriebs Virbac enthält zwei Wirkstoffe: entzündungshemmendes Methylsalcylat und wärmenden Kampfer, der auch für den starken Geruch der Salbe verantwortlich ist.
Landwirte reiben das Präparat ihren Kühen und Pferden ein, etwa bei Euterentzündungen oder Blutergüssen. «Durch die wärmende Wirkung des Kampfers wird eine chronische in eine akute Entzündung umgewandelt», erklärt Veterinär Dan Martin Sennhauser aus dem seeländischen Aarberg. So werde die Durchblutung angeregt und damit der Heilungsprozess beschleunigt.
Diese Wirkung schätzen nicht nur Rinder und Rösser, sondern auch Menschen wie Stefan Rüegg. Vor allem Sportler und Landwirte kennen die grüne Creme. Sie lindere Muskelschmerzen aller Art fabelhaft, loben sie. Fünftligatorwart Rüegg etwa reibt sich die Salbe vor dem Sport jeweils am Rücken und an den Beinen ein, manchmal zusätzlich auch noch an den Armen. Seit mehreren Jahren tue er das, Nebenwirkungen habe er noch nie gespürt. Für ihn sei die Salbe ein grünes Wunder, sagt er und lacht.
Die Konzentration ist hoch
Fakt ist: Die Aufnahme über die Haut und damit die Wirkung der «Starken grünen Salbe» beim Menschen ist nicht erforscht. «Wer die Salbe einreibt, begibt sich deshalb auf einen Blindflug», sagt Karin Fattinger von der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Inselspital Bern. Die leitende Ärztin hat mit dem Ostschweizer Hausarzt Markus Gnädinger kürzlich einen Artikel zur Salbe im Fachorgan «Schweizerischen Medizin-Forum» publiziert. Die Experten warnen darin vor möglichen Nebenwirkungen der Salbe: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Verwirrung, Halluzinationen, Krämpfe, sogar Nierenschäden. Offiziell bekannt ist indes keine Krankengeschichte, die eindeutig der Anwendung der grünen Salbe zugeordnet werden kann.
Der Handel ist frei
Fest steht dagegen, dass die «Starke grüne Salbe» ein äusserst erfolgreiches Produkt ist. «Die Salbe ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Evergreen», sagt Daniela Werner von der Herstellerfirma Virbac. «Das Produkt ist seit Jahrzehnten auf dem Markt und wurde von der Konkurrenz auch mehrfach kopiert.»
Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Salbe auch von Menschen am eigenen Körper und nicht nur an Tieren angewendet werde, sagt Werner. Darauf könne man aber keinen Einfluss nehmen. «Wir verkaufen das Produkt ausschliesslich an Veterinäre und anerkannte Abgabestellen. Was Endverbraucher mit der Salbe tun, ist ihre Sache.»
Das sieht Fünftligatorwart Stefan Rüegg ähnlich. Er besorgt sich die «Starke grüne Salbe» jeweils bei einem befreundeten Veterinär, die Dose à 450 Gramm kostet ihn schlappe 16 Franken. Das ist völlig legal: Das Präparat ist nicht rezeptpflichtig und darf deshalb frei abgegeben werden. Selbst in einer Dopingkontrolle hätten Rüegg und Kollegen kein Problem: Laut Matthias Kamber von Antidoping Schweiz enthält das schlabbrige grüne Zeug keine verbotenen Wirkstoffe. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.03.2010, 15:46 Uhr
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6 Kommentare
Ich musste doch ein wenig lachen, über die Aussage von Frau Dr. med. Karin Fattinger. Die Probleme des Blindfluges bei der Anwendung der grünen Salbe liesst sich etwa gleich, wie der Beipackzettel eines üblichen Medikamentes mit all seinen Nebenwirkungen. Man sollte eher mal die Wechselwirkungen der überdotiert verschriebenen Medikamente unter die Lupe nehmen! Ob da wohl jede Indikation stimmt!? Antworten
Diese Salbe ist fabelhaft.- Klar dass sich Ärzte usw. gegen diese Salbe aussprechen.Denn diese Salbe ist günstiger als viele Produkte die in Apotheken und bei den Ärzten erhältlich sind (auch diese Produkte können Nebenwirkungen haben.)Man muss eifach bei der Handhabung vorsichtig sein.Gutes Händewaschen nach der Anwendung ist Pflicht,denn in den Augen oder an anderern Regionen ist es unangenehm.- Antworten
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