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«Schnarchspange» heftig diskutiert

Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 22.11.2010 11 Kommentare

Arthur Wyss erfand die «Schnarchspange», die auch gegen Schlafapnoe hilft. Lungenärzte lehnen sie ab. Warum, darüber diskutieren Pneumologe Werner Strobel und Arthur Wyss.

Uneinig: Lungenarzt Werner Strobel vom Unispital Basel (links) im Gespräch mit Arthur Wyss, dem Erfinder der Gaumenspange Velumount.

Uneinig: Lungenarzt Werner Strobel vom Unispital Basel (links) im Gespräch mit Arthur Wyss, dem Erfinder der Gaumenspange Velumount.
Bild: Susanne Keller

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Herr Strobel, was haben Lungenärzte gegen die Schienung des Gaumens nach der Velumount-Methode von Herrn Wyss?
Werner Strobel: Herr Wyss suggeriert auf seiner Webseite, dass seine Spange nicht nur gegen Schnarchen, sondern auch gegen Schlafapnoe hilft. Doch bereits eine mittelschwere Schlafapnoe ist ein gesundheitliches Problem, und ein Produkt, das dagegen helfen soll, benötigt eindeutige Belege für seine Wirksamkeit. Diese Belege sind aber nur dürftig vorhanden.

Sie haben 2008 selbst eine Studie zur Schlafapnoe durchgeführt. Von den 42 Teilnehmernwollten 39 eine Alternative zur gängigen Überdrucktherapie ausprobieren und griffen auch zur Velumount-Spange von Herrn Wyss. Und 22 kamen sehr gut damit zurecht.
Strobel: Wenn Sie die Zusammenfassung meiner Studie genau lesen, stossen Sie auf folgende Feststellung: Die Schlafapnoe wird durch diese Spange vielleicht minimal gebessert, aber nicht in einem Ausmass, das mit der Überdruck- oder CPAP-Therapie vergleichbar wäre. Und es kommen längst nicht alle Patienten damit langfristig zurecht.

Warum nicht?
Strobel: Auch die neue Velumount-Version, ein Ring, ragt weit in den Rachenraum hinein, und das kann ein unangenehmes Gefühl hervorrufen. Das erträgt nicht jeder.

Sie stört, dass Herr Wyss sein Produkt nicht nur als Mittel gegen Schnarchen, sondern auch gegen Schlafapnoe anpreist?
Strobel: Die am schnellsten wirksame Therapie ist sicher die nächtliche Überdruckbeatmung mit der CPAP-Maske. Das ist der Goldstandard, und daran sollten sich andere Therapien messen.

Nach Angaben von Herrn Wyss half seine Erfindung bereits bis zu 6000 Betroffenen.

Arthur Wyss: Wir haben mittlerweile sogar bei 11'400 Personen unsere Velumount-Gaumenspange angepasst.

Und wie viele kommen damit nicht zurecht?
Wyss: Nur 3 Prozent. Die meisten Leute, die zu uns kommen, leiden und sind daher motiviert, etwas zu tun. Und deshalb schaffen sie es auch, die Spange einzusetzen. Nach zwei Jahren tragen sie immer noch 75 Prozent. Die CPAP-Therapie dagegen ertragen vielleicht 50 Prozent.

Strobel: Einspruch! Wenn man die Patienten mit typischen Symptomen und Leidensdruck behandelt, ihnen die Methode gut erklärt und sich für sie Zeit nimmt, beträgt die Erfolgsquote 80 Prozent.

Wyss: Verschiedene Studien widerlegen diese 80 Prozent, aber wir wollen nicht über Ausfälle reden. Es ist in Ordnung, wenn Patienten mit Schlafapone zuerst den Goldstandard, das CPAP-Gerät, erhalten. Wenn es nicht funktioniert, können sie die Velumount-Methode versuchen. Was aber nicht sein darf, ist, dass man ihnen aufgrund verschiedener Statistiken diese Methode gar nicht empfiehlt oder verschweigt.

Strobel: Wir empfehlen sie nicht, weil sie nicht gut wirkt. Es gab eine Studie am Kantonsspital Liestal. Die teilnehmenden Patienten hatten nachts pro Stunde Schlaf 24 Atemaussetzer. Mit Ihrer Spange wurden sie auf 13 pro Stunde reduziert. Käme einer meiner Patienten mit einem CPAP-Gerät auf ein solches Resultat, würde ich dies als unbefriedigend bezeichnen und versuchen, die Behandlung zu verbessern. Die Studie zeigt, dass Ihre Spange vielleicht besser als keine Behandlung ist, aber nicht als gut wirksam gegen Schlafapnoe bezeichnet werden kann.

Wyss: Das Ergebnis ist sogar sehr gut. Es ist eine Frage der Betrachtungsweise. In Wirklichkeit ist die Velumount-Methode mit ein paar Franken zu günstig. Es geht hier um Marktanteile und Geld. Die Pneumologie ist stark verknüpft mit der Schweizerischen Lungenliga, die mit der Vermietung von CPAP-Geräten pro Jahr rund 30 Millionen umsetzt.

Strobel: Ich persönlich erhalte ein Festgehalt und kassiere keine Prämie für abgegebene CPAP-Geräte. Aber es gab schon Versuche von verschiedenen Firmen, auch bei mir, die genau das anboten haben.

Wyss: Um auf die Velumount-Methode zurückzukommen: Sie funktioniert, das sieht man an der grossen Resonanz. Der Unterschied zwischen der CPAP-Methode und unserer Therapie ist, dass wir genau wissen müssen, warum der Patient Schlafapnoe hat, und wir passen dann entsprechend die Spange an. Die CPAP-Therapie dagegen wird einfach einem Patienten verordnet – mit einer Erfolgschance von 50 Prozent.

Strobel: Nochmals: Je nachdem, wie viel Mühe sich ein Arzt gibt, liegt die Erfolgsquote der CPAP-Methode bei 80 Prozent. Bei den 20 Prozent, bei denen es nicht klappt, sind die Alternativen alle nicht besonders gut. Operationen bringen oft nur einen kurzfristigen Effekt. Kieferorthopädische Massnahmen sind teuer, werden meist nicht von den Krankenkassen bezahlt und sind weniger wirksam als eine CPAP-Therapie. Die Gaumenspange von Herrn Wyss ist auch keine bessere Alternative. Und wenn man sie sieht, kann man sich vorstellen, dass sie durch Ungeschicklichkeit schnell verbogen wird und vielleicht nicht mehr wirkt. Es wäre aber vom Patienten zu viel verlangt, das zu merken und es selbst zu korrigieren.

Wyss: Herr Strobel, was Sie gerade gesagt haben, ist geradezu ein kreativer Ansatz, den man in der Pneumologie selten hört. Ich finde auch, dass die Qualitätssicherung unserer Methode in der Medizin erfolgen sollte, und erwarte künftig eine kreative Zusammenarbeit mit Lungenärzten.

Strobel: Sie suggerieren, dass Ihre Methode bereits eine etablierte Therapie mit einer gewissen Relevanz ist. Doch diesen Beweis muss erst eine seriöse Studie erbringen.

Wyss: Pneumologen haben gar kein wirkliches Interesse an einer solchen Studie. Schon vor vier Jahren wollte ein Lungenarzt am Berner Lindenhofspital die Wirksamkeit der Velumount-Methode untersuchen. Für die Studie waren 28 Personen nötig. Bis heute fehlen noch drei Probanden, um sie zu beenden.

Strobel: Jetzt bauen Sie aber geschickt vor, falls die Ergebnisse dieser Studie für Sie nicht gut ausfallen sollten.

Wyss: Falls diese Studie zum Abschluss kommt, werden Pneumologen Velumount dennoch nicht empfehlen, weil es noch an Langzeitstudien fehlt. Das ist unfair gegenüber den Massen, die an Schlafapnoe leiden.

Strobel: Wenn eine Pharmafirma ein neues Medikament auf den Markt bringen will, ist damit ein Riesenaufwand an Studien und Administration verbunden. Und das kostet im Minimum Millionen. Ihr Produkt aber, das angeblich für Hunderttausende Patienten allein in der Schweiz geeignet ist, soll aufgrund wenig aussagekräftiger Studien verschrieben werden.

Herr Wyss, geben Sie doch eine wissenschaftlich anerkannte Studie in Auftrag.
Wyss: Neben der Studie im Lindenhofspital läuft derzeit noch eine weitere im Spital Interlaken. Auch in Holland haben wir bereits Studien durchgeführt. Ausserdem arbeiten und forschen wir in China und Indien und machen dort Schulungen. Es läuft eine ganze Menge im Ausland. Wir reissen uns nicht darum, dass die Pneumologen in der Schweiz bei uns einsteigen, aber ich bedauere es, dass sie uns bekämpfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.11.2010, 12:46 Uhr

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11 Kommentare

Heinz Roth

22.11.2010, 19:28 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Ich trage die Spange seit 2007 und meine Frau und ich sind sehr zufrieden.Vorher trug ich die Maske CPAP 6 Jahre lang. Doch das Geräusch des Apperates störte meine Frau sehr stark.Jetz können beide sehr gut und ruhig schlafen. Antworten


Annette Soller-Müller

22.11.2010, 15:09 Uhr
Melden

Nach einer gründlichen HNO-Abklärung trägt mein Mann seit 2006 beinahe jede Nacht den Velumount. Seither hat er keine Atemaussetzer mehr, ist tagsüber weniger müde und schnarcht nur noch halb so laut - wir sind von Velumount überzeugt! Ein genial einfaches, wirkungsvolles und günstiges Hilfsmittel! Die ablehnende und kritische Haltung von Herrn Dr. Strobel ist für uns nicht nachvollziehbar... Antworten



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