Rausch ohne Reue
Aktualisiert am 16.03.2010 2 Kommentare
Erfinderisch in Sachen Drogen: Professor David Nutt.
David Nutt ist in Grossbritannien bekannt dafür, dass er auch unkonventionelle Wege geht. Als Drogenbeauftragter der britischen Regierung äusserte er beispielsweise, dass er Alkohol und Nikotin für weitaus gefährlicher halte als beispielsweise Cannabis oder LSD. Prompt wurde er entlassen – doch an Rauschmitteln wirkt der Pharmakologe und Institutsleiter am renommierten Imperial College in London weiter.
Mit einigem Erfolg, wenn man Berichten der britischen «Times» und anderer Zeitungen glauben darf. Der Forscher arbeitet demnach an einer Substanz, die er den «Nutt Slammer» nennt. Sie soll ähnliche Effekte wie geistreiche Getränke haben: einen milden Rausch, der allerdings eher entspannend sein soll als die derbe Trunkenheit durch allzu viele Biere.
Rauschsubstanz – mit einem Gegenmittel
Die Substanz basiert dem Bericht zufolge auf sogenannten Benzodiazepinen, die in der Pharmakologie bereits eine wichtige Rolle spielen und unter anderem Angstzustände lösen, beruhigen und eine euphorisierende Wirkung haben. Sie gelten allerdings weltweit als Medikamente mit einer der höchsten Missbrauchsraten – und können bei regelmässiger Einnahme abhängig machen.
Ein solches Suchtrisiko bestreitet Nutt bei der Substanz allerdings, an der er derzeit arbeitet. Und als weiteren Vorteil sieht er die Möglichkeit, dass Konsumentinnen und Konsumenten den Rausch mit einem Gegenmittel gezielt beenden könnten, bevor sie mit dem Auto aus der Kneipe heimfahren. Nötigenfalls, so erläuterte er, könne man sogar die Polizei mit dem Gegenmittel ausstatten.
Finanzierung der Forschung ungeklärt
Als Ziel seiner Forschungsarbeit schwebt Nutt eine geschmacksneutrale, flüssige Substanz vor, mit der sich wohlschmeckende Fruchtdrinks mixen liessen. Eine Ersatzdroge mit Cocktail-Charakter also, für die echte britische Bier- oder Whiskey-Anhänger womöglich keinen Geschmackssinn haben dürften.
Gleichwohl gibt der Wissenschaftler sich optimistisch. Schon im Jahr 2012 könne seine Droge auf den Markt kommen, glaubt er – vorausgesetzt, er bekommt die Gelder zusammen, die er für aufwändige klinische Tests, die Lizenzierung und alle weiteren Schritte benötigt.
Alles in allem dürften dabei laut den Berichten etwa 10 Millionen Pfund zusammenkommen. Und offen ist, wer dafür aufkommen würde. Auf besonders grosszügige Unterstützung durch den Staat dürfte Nutt kaum mehr zählen können, und die britischen Bierbrauer und Spirituosenbrenner dürften seine Ideen meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Erstellt: 16.03.2010, 18:52 Uhr
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2 Kommentare
Die Droge Benzodiazepin gibt es bereits im Handel und wird unter anderm auch als Valium bezeichnet. Auch die Wrikung von Valium ist, wie allgemein bekannt, ziemlich dieselbe wie sie in diesem Artikel beschrieben wird. Was das Argument "kein Suchtrisiko" betrifft, so lässt sich dazu sagen, dass schlechtweg jede Substanz psychisch abhängig machen kann. Was ist da neu ausser die Verpackung? Antworten
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