Rauchverbot erhöht die Gesundheit
Von Martina Frei. Aktualisiert am 27.04.2010 4 Kommentare
Ab dem 1. Mai werden die Herzspezialisten vermutlich weniger zu tun haben. Im guten Fall nimmt die Rate an Herzinfarkten nach einem öffentlichen Rauchverbot um 8 Prozent ab, im besten sogar um 25 Prozent. Das haben Studien aus anderen Ländern gezeigt. Die aktuellste stammt aus Kanada.
Einführung in Stufen
In Toronto, einer Stadt mit rund 2,5 Millionen Einwohnern, führten die Behörden das Rauchverbot in drei Stufen ein: Zuerst wurden öffentliche Plätze und Arbeitsplätze rauchfrei, in der zweiten Phase, rund zwei Jahre später, zusätzlich die Restaurants. In der dritten Phase, weitere drei Jahre später, durfte auch in Bars und Casinos nicht mehr gequalmt werden. Über die Dauer von zehn Jahren verfolgten die Forscher, wie häufig Herzinfarkte, Schlaganfälle, Asthmaattacken, Bronchitis und andere, mit dem Rauchen im Zusammenhang stehende Krankheiten auftraten. Als Vergleich dienten ihnen zwei Gegenden, die das Rauchverbot erst im Juni 2004 einführten.
Den stärksten Effekt auf die Gesundheit hatte die zweite Phase, als Restaurants in Toronto rauchfrei wurden. In dieser Zeit sank die Rate aller vier Krankheiten messbar: Es gab knapp 40 Prozent weniger Herzprobleme und Schlaganfälle und 33 Prozent weniger Lungenerkrankungen. In den Kontrollregionen dagegen blieb alles beim Alten.
Erste positive Zahlen aus Chur
Ein Indiz für die Forscher, dass der Rückgang mit dem Rauchverbot zusammenhing, waren Krankheiten wie Gallenblasenentzündungen, die vom Passivrauchen nicht beeinflusst sind. Sie nahmen trotz Rauchstopps ab.
Insbesondere bei Menschen, die bereits «verkalkte» Arterien haben, kann Rauch «das Fass zum Überlaufen bringen». Zigarettenrauch enthält mehr als 4000 Substanzen, wovon über 50 sicher oder möglicherweise Krebs verursachen können. Der Qualm schädigt auch die zarte Oberfläche der Gefässwände und begünstigt die Bildung von Gerinnseln, die dann ein Blutgefäss verstopfen und zum Herzinfarkt führen.
Der Kanton Graubünden führte das Rauchverbot bereits am 1. März 2008 ein. Dort sank die jährliche Zahl akuter Herzinfarkte von rund 230 in den zwei Jahren vorher auf 183 im Jahr danach. Gegenwärtig werten die Churer Mediziner die Daten aus dem nächstfolgenden Jahr aus. Betrachtet man alle Studien aus Italien, Schottland, Irland und weiteren Ländern gesamthaft, ist nach einem allgemeinen, öffentlichen Rauchverbot mit 17 Prozent weniger Herzinfarkten zu rechnen.
Keine Beweise
Dass dieser Rückgang allein auf das Rauchverbot zurückzuführen ist, beweist jedoch keine der Forschungsarbeiten. Es könnte andere ursächliche Faktoren geben, die den Forschern entgangen sind.
Dennoch dürften nicht nur die Herzspezialisten das Rauchverbot zu spüren bekommen, sondern auch die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Etwa 40 Prozent der chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen seien dem Passivrauchen zuzuschreiben, schätzten US-Forscher Anfang April.
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Erstellt: 26.04.2010, 23:07 Uhr
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