Nicht ohne Schutz in die Ferien
Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 16.09.2009
Wann bezahlen die Versicherungen?
«Wenn ein Kunde einen Nachweis des Arztes vorlegt, dass er Grippe hat und deshalb die Reise nicht antreten kann, zahlen wir die Stornokosten», stellt Andy Keller, Leiter Tourismus bei der Elvia, klar. Ob Schweinegrippe oder reguläre saisonale Grippe, ist völlig belanglos. Dasselbe gilt, wenn ein Reisender im Ausland an der neuen Grippe erkrankt. «Wird er unter Quarantäne gestellt, muss länger bleiben und mit einem extra Flug zurückreisen, übernehmen wir auch die Kosten», sagt Keller. Auf gleiche Weise verfährt man beim Mitbewerber, der Europäischen Reiseversicherung (ERV).
Doch: «Hat der Kunde plötzlich Angst, in ein bestimmtes Land zu reisen, weil sich dort beispielsweise die Ansteckungen massiv häufen, ist aber selbst nicht krank, muss er die Stornokosten aus eigener Tasche berappen», sagt Thomas Tanner, CEO der ERV. Anders verhält es sich wiederum, wenn das Bundesamt für Gesundheit eine Reisewarnung für das entsprechende Land herausgibt. In diesem Fall zahlt die Versicherung, auch wenn der Kunde putzmunter ist.
Selbst wenn sich bald die Fälle häufen, dass wegen der Schweinegrippe Reisen nicht angetreten oder unfreiwillig im Ausland verlängert werden müssen, komme die ERV dafür auf. «Wir sind für derartige Kumulereignisse abgesichert», beruhigt Tanner.
Nun gibt es bereits über 1000 Fälle von Schweinegrippe in der Schweiz. Und auch wenn Fachleute im Herbst mit einer möglicherweise aggressiveren zweiten Welle rechnen, scheint die Panik um die Krankheit im Moment etwas abgeklungen zu sein. Man lebt mit ihr und dazu passt auch das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Zürcher Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com. Laut ihr macht sich die überwältigende Mehrheit der hier wohnhaften Personen keine grossen Sorgen wegen der neuen Grippe.
Wohin es im Herbst geht
Doch in etwas mehr als zwei Wochen stehen die Herbstferien vor der Tür. Das ist die Zeit, in der man gerne nochmals vor dem langen Winter im Ausland etwas Sonne tankt. Zum Beispiel am Mittelmeer oder auch etwas weiter weg. «Begehrte Destinationen für die kommenden Herbstferien sind im Kurz- und Mittelstreckenbereich die Türkei und Tunesien», sagt Prisca Huguenin, Leiterin Unternehmenskommunikation von M-Travel Switzerland. «Aber auch Ägypten, da eine Reise dorthin jetzt um rund 200 Franken günstiger kommt als im Vorjahr», so die Fachfrau. Die Malediven stehen ebenfalls hoch im Kurs, die dieses Jahr im Schnitt für etwa 550 Franken weniger zu haben sind. «Und beliebt sind auch die USA. Dort sind die Preise um etwa 30 Prozent gefallen», so Huguenin, die auch die Pressearbeit für Hotelplan macht.
Tamiflu nein, Maske ja
Wie wappnet man sich in Zeiten der Schweinegrippe also am besten für einen Urlaub im Ausland? Was gehört in die Reiseapotheke? «Bei einem ansonsten gesunden Erwachsenen zeigt sich die Schweinegrippe bislang nur in sehr milden Auswirkungen, die unter denen der normalen saisonalen Grippe liegen», meint Dieter Fenner, Internist aus Melchnau. Tamiflu sei somit nicht nötig. Er rät aber, Schutzmasken und Handdesinfektionsmittel einzupacken.
«Der beste Ratschlag ist, unterwegs auf Hygiene zu achten und möglichst Abstand zu anderen zu halten», sagt Katrin Holenstein vom Bundesamt für Gesundheit. Nachdem sich der neue Erreger vom Typ A/H1N1 überall ausgebreitet habe, lassen sich einzelne Länder nicht mehr differenzieren oder sagen, auf dem Land sei es wesentlich sicherer als in Städten.
Hat die Schweinegrippe den Reisenden doch erwischt, lautet die Devise: Im Hotelzimmer bleiben, sich ausruhen und genügend trinken. Spätestens nach einer Woche sollten die Symptome dann verschwunden sein.
Kommt es allerdings zu Atemproblemen oder sinkt das Fieber trotz Einnahme von entsprechenden Medikamenten nicht, sollte der Patient rasch einen Arzt anrufen. «Aber nicht gleich direkt ins Spital gehen, sonst steckt man noch andere an«, sagt Fenner. Katrin Holenstein empfiehlt allen, die es in exotische Länder zieht, sich schon vorab zu informieren, was die Behörden vor Ort sagen und wie die medizinische Gesundheit organisiert ist.
Leuten, die zu den Risikogruppen gehören, etwa chronisch Kranke oder Personen mit geschwächtem Immunsystem, rät Fenner eher ab, in der nächsten Zeit in Länder zu reisen, in denen es zu zahlreichen Schweinegrippefällen kam. Und Frauen, die sich in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft befinden, empfiehlt er, erst nach der Niederkunft wieder zu reisen.
Noch guter Reisekomfort
Die Furcht vor Ansteckung treibt auch viele Fluggesellschaften zu ungewöhnlichen Massnahmen. Von Alaska Airways wurde bekannt, dass ihre Passagiere mittlerweile ziemlich ungemütlich sitzen und eventuell frieren müssen, denn die Airline entfernte sämtliche Kissen und Decken aus ihren Flugzeugen. Bei der Swiss dagegen bemerkt der Kunde noch keine Einschränkungen im Reisekomfort. «Wir halten uns an die Vorgaben des Bundesamt für Gesundheit und weisen auf Gefahren und Hygienemassnahmen hin, ergreifen aber keine spezielle Massnahmen», sagt Pressesprecher Jean-Claude Donzel. Bei Edelweiss Air, mit der viele Schweizer auf die Malediven reisen, gilt Ähnliches. «Wir haben Mund- und Handschutz an Bord, und unsere Flugbegleiter wissen, was zu tun ist», sagt Karl Kistler, Chef der Swiss-Tochter. Gebe es Platz in den Maschinen, dann würden Passagiere mit möglichen Grippesymptomen allein in eine Reihe gesetzt.
Anders sieht es dagegen bei der Einreise in die genannten Feriendestinationen aus. Wer in Male landet, muss bei der Einreise einen lückenlos ausgefüllten Fragebogen vorweisen. «Sie müssen angeben, ob Sie die letzten sieben Tage Halsweh, Husten und Fieber hatten, in welchen Ländern Sie sich zuvor aufgehalten haben und ob Sie mit Leuten in Kontakt standen, die an der Schweinegrippe litten», nennt der deutsche Honorar-Generalkonsul der Malediven, Gottfried Mücke, nur einige der vielen Fragen der Insel-Behörden.
Fieberscanner am Airport
Im Eldorado der Geschichtsfans und Taucher, Ägypten, hat sich der A/H1N1 Virus bis jetzt nicht sehr verbreitet. «Bei uns gibt es gerade einmal 631 Fälle von Schweinegrippe» sagt Konsul Sherif Nada von der ägyptischen Botschaft in Bern. Damit das so bleibt, erfasst auf jedem Flughafen des Landes eine Art automatischer Fieberscanner die Körpertemperatur der Ankommenden. «Ist sie erhöht, wird der Reisende vom medizinischen Personal am Flughafen untersucht. Bestätigt sich der Verdacht, wird er sofort in einem Spezialkrankenhaus unter Quarantäne gestellt», sagt Nada. Ähnlich verhält es sich übrigens auch in der Türkei und in Tunesien.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 16.09.2009, 15:06 Uhr
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