Eine Milliarde möglicher Wirkstoffe

Aktualisiert am 29.06.2009

Forscher der Universität Bern haben eine Datenbank erstellt mit rund 980 Millionen Molekülen, die Wirkstoffen in Medikamenten ähneln. Pharmafirmen und Wissenschaftler können diese Fundgrube nun ausbeuten.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Team um Jean-Louis Reymond der Universität Bern liess einen Grossrechner virtuell alle Moleküle bis zu einer bestimmten Grösse zusammenbauen, die sich als Medikamente eignen könnten. Wie die Forscher im Fachmagazin «Journal of the American Chemical Society» berichten, umfasst die daraus entstandene Datenbank rund 980 Millionen Verbindungen.

Die Wissenschaftler beschränkten sich auf Verbindungen, die neben dem praktisch allgegenwärtigen, leichten Wasserstoff auch Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel und Chlor beinhalten. Die Moleküle durften aus bis zu 13 dieser schwereren Atome bestehen und mussten chemisch stabil und synthetisch herstellbar sein.

Reges Interesse

Alle so gefundenen Moleküle könnten als medikamenten-ähnlich bezeichnet werden, sagte Reymond auf Anfrage. Die Verbindungen würden wahrscheinlich vom menschlichen Körper aufgenommen und seien dort verfügbar. Wirklich biologisch aktiv und interessant werde aber nur eines aus mehreren tausend Molekülen sein.

In der Datenbank - laut den Forschern ist es das weltweit grösste frei zugängliche Verzeichnis virtueller Moleküle - könnten sich also viele wirksame Arzneimittel befinden. Das Interesse ist denn auch gross: Bereits in den ersten Tagen wurde die Datenbank laut Reymond von etwa zehn Gruppen heruntergeladen. Darunter waren auch einige Pharmafirmen.

Die Firmen überprüfen die Datenbank mit diversen Methoden nach interessanten Molekülen, wie Reymond erklärte. An einem 3-D-Modell am Computer kann zum Beispiel vorausgesagt werden, wie ein Molekül aussehen muss, um sich an eine bestimmte Stelle eines Eiweisses zu heften. Dann wird die Datenbank nach entsprechenden Kandidaten abgesucht.

Erste Erfolge

Auch Reymond selber beschränkt sich nicht auf das Bereitstellen der Datenbank. Gemeinsam mit Kollegen der Universität Bern respektive der Universität Genf sucht er in zwei Projekten nach möglichen Wirkstoffen zur Bekämpfung von Krankheiten des Nervensystems.

Die Resultate seien noch nicht ganz spruchreif, sagte der Forscher. Doch ein paar Dutzend Moleküle seien nach der Datenbanksuche im Labor hergestellt worden. Und bei beiden Projekten hätten sich darunter ein paar sehr interessante befunden. (sam/sda)

Erstellt: 29.06.2009, 12:00 Uhr

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Wissen

Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?




Telefonbuch

Marktplatz