Wissen
Doch lieber barfuss joggen?
Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 18.01.2010
Studie sagt: Gut gepolsterte Hightechlaufschuhe schaden eher. (Bild: colourbox)
Forscher der University of Virginia brachten neulich Jogger ins Grübeln, die sich bisher blind auf die gute Dämpfung teurer Laufschuhe verliessen. 68 erfahrene Runner mussten auf einem Laufband trainieren: einmal in einem Schuhmodell, das repräsentativ für die derzeitigen Modelle ist, und einmal barfuss. Das Fazit erschreckte: Im Bereich der Hüfte war die Belastung 54 Mal höher als beim Barfusslaufen. Starke Kräfte machten auch den Knie- und Fussgelenken der Beschuhten zu schaffen. Angeblich sollte die Belastung höher sein als bei einem Spaziergang in hohen Pumps. Schuld seien, so die Forscher, der erhöhte Absatz und das Stützmaterial unter dem Fussgewölbe.
Gefährliche Dämpfung
«Mit den stark puffernden Laufsohlen hat die Anfälligkeit für Verstauchungen der Sprunggelenke zugenommen», bestätigt Martin Weber, Leiter Fusschirurgie an der Klinik für orthopädische Chirurgie am Berner Inselspital, die Kritik an den Laufschuhen der neuesten Generation. Je weicher die Schuhe und die Sohlen seien, umso weniger spüre man darin die Umgebung. Deswegen komme man von den Orthopädiegeräten immer stärker ähnelnden Joggingschuhen mit kissenartiger Dämpfung wieder weg. Auch deswegen, da diese derzeit oft verwendeten Dämpfungssysteme gemäss Kritikern dazu verleiten, über die Ferse zu laufen. Auch das belastet die Gelenke stärker als erwünscht.
Selbst manche Vertreter der Laufschuhindustrie stimmen der Studie zu, verweisen aber darauf, dass die Käufer – vielfach aus Statusgründen – den opulent gedämpften Schuh wünschen. «Der Kunde will lieber mehr Technologie als weniger», beobachtet auch der bekannte norddeutsche Sportarzt Matthias Marquardt.
Lieber ohne Schuhe laufen?
Wäre nun also der Barfusslauf die Alternative? So, wie es in den 80er-Jahren die südafrikanisch-britische Langstreckenläuferin Zola Budd vormachte? «Barfussjoggen ist ideal für die Wahrnehmung der Umgebung. Mit dem Nachteil, dass die Füsse nicht vor Fremdkörpern und der Witterung geschützt sind», meint dazu Orthopädiespezialist Martin Weber. Da müsse jeder selbst entscheiden.
Für den gemeinen Hobbyläufer, der durch das ständige Schuhetragen doch eher verweichlicht ist, dürfte das Joggen «ohne» wohl eine zu grosse Umstellung bedeuten. Zumal überall Schmerz oder Gefahr drohen, etwa durch Steine, Glasscherben oder Bierdosenverschlüsse. Vielleicht ist es doch besser, zu leichteren Modellen mit niedrigem Fersensprung zu wechseln. Bis die von den Forschern geforderten optimal stützenden, nicht belastenden Schuhe erhältlich sind. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.01.2010, 09:05 Uhr
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