«Das Virus ist nicht gefährlich, aber Besorgnis erregend»
Aktualisiert am 02.05.2009 2 Kommentare
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Diese Ansicht vertritt die Mikrobiologin Kathrin Mühlemann in einem Interview in der Samstagausgabe der Berner Tageszeitung «Bund». Mühlemann ist Professorin für Klinische Mikrobiologie an der Universität Bern und Ko-Direktorin des Instituts für Infektionskrankheiten.
In 17 Schweizer Fällen Ergebnis noch ausstehend
Auch Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung im Bundesamt für Gesundheit (BAG), teilte in der «Samstagsrundschau» von Radio DRS diese Einschätzung. Es sei immer noch zu früh für definitive Prognosen.
Nach Angaben von Mathys wurden in der Schweiz bisher 38 Verdachtsfälle abgeklärt. Bei 20 könne eine Infektion inzwischen ausgeschlossen werden, bei 17 sei das Ergebnis noch ausstehend. Bestätigt habe sich die Erkrankung in dem bereits bekannten einen Fall in Baden.
Immer noch «Besorgnis erregend»
Das Schweinegrippevirus ist laut der Berner Mikrobiologin Mühlemann vorderhand nicht unbedingt als «gefährlich», sondern eher als «Besorgnis erregend» einzustufen, zumal es das Potenzial für eine Pandemie hat.
Mit jedem Tag steige zwar die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus als weniger aggressiv erweisen werde als zunächst befürchtet. «Ich halte es aber für nicht sehr klug, heute schon solche Statements abzugeben.» Das könne die Bevölkerung zu stark beruhigen, handkehrum aber Verunsicherung und Unmut auslösen, wenn sich dann doch eine höhere Gefährlichkeit herausstellen würde.
Noch viele Unbekannte
Wenn jetzt zu früh entwarnt würde und es dann doch zu einem Todesfall käme, würde dies nicht akzeptiert. «Wir wissen noch immer nicht, wie krank machend dieses Virus ist.»
Wenn 30 Prozent der Bevölkerung daran erkrankte und das Bett hüten müsste, hätte das einen wesenlichen Einfluss auf das öffentliche Leben und die Wirtschaft - «ausgerechnet in einer Zeit, in der wir schon wirtschaftliche Probleme haben».
Auch wenn es noch keine Hinweise gebe, dass sich das Virus in der Schweiz schon so etabliert habe, dass es von Mensch zu Mensch übertragen werde, sei das Einhalten von Massnahmen wie Händewaschen und sich fern halten von Erkrankten sinnvoll. Vernünftig sei es auch, Gesichtsmasken zu Hause zu haben.
Sich als Privatperson mit Tamiflu einzudecken, ist laut Mühlemann hingegen unnötig. Das Medikament solle nur auf ärztliche Verordnung eingesetzt werden, da es Nebenwirkungen haben könne und deshalb nicht unbedenklich sei. Dass einige Apotheken Tamiflu offenbar rezeptfrei abgeben, ist laut Mühlemann illegal. (bru/sda)
Erstellt: 02.05.2009, 14:10 Uhr
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2 Kommentare
Apotheker dürfen (und sollen!) in begründeten Ausnahmefällen rezeptpflichtige Medikamente abgeben ohne dass ein Rezept vorliegt. Der Apotheker muss sich dabei an die Sorgfaltspflicht halten und die Abgabe dokumentieren. Ein möglicher Grund wäre z.B. eine Reise in ein Risikogebiet in dem kein Tamiflu verfügbar ist. Wer hier bleibt braucht aber sicher kein Tamiflu auf Vorrat. Antworten
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