Allergisch auf die Sonne

Dass der Sommer ziemlich nass ist, freut jene, die Schatten vorziehen sollten: Sonnenallergien gibt es häufig. Sie sind zwar in den meisten Fällen harmlos, können aber die Lebensqualität stark einschränken.

Ein Sonnenbad bekommt nicht allen gut. Oft reichen schon ein paar Minuten, um eine allergische Reaktion auszulösen. Besonders oft betroffen sind junge Frauen mit heller Haut.

Urs Baumann

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«Als würde es nicht reichen, dass ich leicht Sonnenbrand bekomme», sagt Kathrin Widmer*. Kaum kommt die hellhäutige junge Frau mit der Sonne in Berührung, malt diese rote, juckende Flecken auf ihr Décolleté und ihren Rücken. Dabei möchte die 28-Jährige doch Spaghettiträgertops tragen und die wärmenden Strahlen geniessen. Kathrin Widmer leidet an einer Sonnenallergie – wie möglicherweise 20 Prozent der Bevölkerung. Das zumindest wird in einer Werbung für Sonnenlotion behauptet. Die tatsächliche Anzahl ist aber nicht bekannt, da viele Patienten auf Grund nur geringfügiger Symptome nicht zum Arzt gehen, was auch der Luzerner Allergologe und Immunologe Gerhard Müllner bestätigt. «Ob es wirklich 20 Prozent sind, weiss man nicht, aber Sonnenallergien sind sicher weit häufiger, als man denkt.»

Ursachen im Dunkeln

Ebenso wenig weiss man, weshalb es so viele Sonnenallergien gibt. Nur ein kleiner Teil scheint angeboren zu sein, und manchmal entwickelt gemäss Müllner jemand auch eine Allergie wegen der Einnahme gewisser Medikamente oder wegen Autoimmunerkrankungen wie Lupus und Porphyrie. Beim grossen Rest aber kennt man die Ursache nicht.

Obwohl das Problem häufig ist: «In der Regel ist eine Sonnenallergie harmlos», sagt Gerhard Müllner, «nicht zu unterschätzen ist aber der Umstand, dass sie die Lebensqualität stark einschränken kann.» Ferien in südlichen Ländern sind bereits problematisch.

Unter dem Begriff «Sonnenallergie» werden drei unterschiedliche Krankheiten zusammengefasst: polymorphe Lichtdermatose (PLD), fotoallergische Reaktion sowie Mallorca-Akne.

Häufigste Form: PLD

Die mit Abstand häufigste Form ist die polymorphe Lichtdermatose (PLD). Sie verursacht ödemartige Erhebungen (Quaddeln), juckende Flecken oder auch Bläschen an den Stellen, an denen die Haut nicht an die Sonne gewöhnt ist. Also kaum je im Gesicht, da es immer der Sonne ausgesetzt ist, dafür zum Beispiel im Ausschnitt, im Nacken oder sehr häufig an den Armen. Die PLD kommt meist dann, wenn sich Sonnenhungrige im Frühsommer oder in den Sommerferien wieder in knapper Kleidung nach draussen wagen. Die Sonnendosis spielt dabei keine grosse Rolle: Wenige Minuten reichen für eine Reaktion aus. Junge Frauen mit heller Haut sind besonders oft betroffen. Die Reizung entsteht wohl dadurch, dass die UV-A-Strahlung der Sonne Sauerstoffradikale in der Haut erzeugt. Beim gesunden Menschen werden diese abgeblockt und neutralisiert. Bei PLD-Betroffenen versagt dieser Schutz.

Helfen kann eine Sonnencreme, die nicht nur die kurzwelligen UV-B-Strahlen abhält, die für den Sonnenbrand verantwortlich sind, sondern auch die langwelligen UV-A-Strahlen. In schweren Fällen ist auch eine Abhärtung durch gezielte Lichttherapie beim Arzt möglich. In weniger schweren Fällen verordnen einige Ärzte die vorsorgliche Einnahme von hoch dosiertem Betacarotin. «Die Wirksamkeit ist aber umstritten, und ich würde das nicht empfehlen», sagt Müllner. Viele Patienten schwören zudem auf die Einnahme von Kalzium. Einen Schutz bietet auch die Anwendung von Antioxidantien vor den Ferien oder dem ersten richtigen Sonnenbad. Diese Stoffe verhindern, dass Sauerstoffradikale im Körper und in der Haut Schaden anrichten. Man kann dies demonstrieren, wenn man einen Apfel schält und teilweise mit Zitronensaft beträufelt: Die behandelten Stellen werden weniger schnell braun. Im Zitronensaft steckt nämlich Vitamin C – eines der wichtigsten Antioxidantien. «Viel Früchte und Gemüse zu essen kann die Empfindlichkeit der Haut positiv beeinflussen», sagt Professor Christoph Schempp von der Hautklinik Freiburg i.Br. Man könne das als Faustregel sehen: Was in Gebieten mit viel Sonnenschein gedeihe, helfe häufig auch der Haut, sich gegen Überempfindlichkeit zu schützen. Zu den Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Antioxidantien gehören Tomaten, Zitrusfrüchte, Salbei, Kakao, Kaffee, Rosmarin, Basilikum und Knoblauch.

Es gibt allerdings auch lichtsensibilisierende Stoffe, vor denen sich Allergiker in Acht nehmen sollten: Sellerie, Bärenklau, Johanniskraut und Petersilie zum Beispiel. Sie können im Zusammenspiel mit der Sonne zu fototoxischen Reaktionen der Haut führen. Aber die Aufnahme über die Nahrung sei im Normalfall kein Problem, das betreffe eher jene, die bei Gartenarbeit äusserlich mit diesen Pflanzen in Berührung kämen.

Nicht Sonne allein schuld

Überhaupt ist häufig gar nicht die Sonne selbst das Problem, sondern die Kombination aus Sonne und bestimmten, meist chemischen, Stoffen. Die fotoallergische Reaktion ist die einzige der drei Sonnenempfindlichkeiten, die im medizinischen Sinne als Allergie bezeichnet werden kann. Dabei werden aus einigen Stoffen als Reaktion auf das Sonnenlicht Abbauprodukte auf der Haut gebildet. Gegen diese reagiert der Körper dann allergisch. Diese Stoffe können in Kosmetikprodukten oder in Medikamenten wie Antibiotika stecken. Das Gemeine: Auch auf manche Sonnencremen reagiert die Haut empfindlich. Dies lässt sich umgehen, indem Sonnenmittel mit ausschliesslich physikalischen Filtern (also mit Mikropigmenten wie Titanoxid und Zinkoxid) genutzt werden. Diese werden durch das Sonnenlicht nicht verändert, hinterlassen also auch keine Abbauprodukte auf der Haut.

Fettfreies Gel

Auch bei der dritten Empfindlichkeit kann die Sonnencreme eine Rolle spielen. Bei der Mallorca-Akne reagieren die durch das Licht gebildeten Radikale mit fetthaltigen Stoffen aus Sonnenschutzmitteln, Körperpflegeprodukten oder dem hauteigenen Talg. Es kommt zu Entzündungen und Knötchen – gerne im Décolleté und an fettigen Hautstellen. Auch an dieser Form leiden häufig junge Menschen – vorab Teenager mit unreiner Haut. Vorbeugen lässt sich die Mallorca-Akne durch die Verwendung von fettfreien Sonnengels, die einen hohen UV-A-Schutz haben. Dabei sollten es Patienten jedoch nicht belassen: Es empfiehlt sich bei allen Hautpflegeprodukten, auf eine fettfreie Variante umzusteigen.

Für jede Form der Sonnenallergie gilt: Wenn es juckt und brennt, helfen kühlende Umschläge, Kortisongel oder Antihistaminika. Sollten die Symptome schlimmer werden, die Entzündungen heftig oder gar mit Schwellungen (Gesicht, Zunge) verbunden sein, ist dringend ein Gang zum Arzt empfohlen.

In den meisten Fällen von Lichtunverträglichkeit können Betroffene selber eine Besserung erreichen: so wie Kathrin Widmer. Sie benutzt heute eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf Gelbasis, ohne chemische Inhaltsstoffe und mit UV-A-Schutz. Ausserdem isst sie viel Früchte und Gemüse. So hat die junge Frau die Symptome ihres Leidens recht gut in den Griff bekommen.

*Name geändert (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.08.2009, 10:05 Uhr

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