Heiliger oder Papst Hitlers?
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 21.12.2009
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Pius XII. soll selig und schliesslich heilig gesprochen werden. Das verkündete der aktuelle Papst Benedikt XVI. am Samstag. Besonders Juden sind darüber erzürnt: Mehrere Rabbiner gaben öffentliche Erklärungen ab, die Absicht des Papstes zeuge von «Insensibilität» gegenüber der jüdischen Gemeinde. Denn bis heute ist die Haltung von Pius XII, der von 1939 bis 1958 Papst war, gegenüber dem Holocaust nicht eindeutig geklärt.
Konservative Katholiken erachten Pius als «einen der grossartigsten Päpste der Moderne», wie der «Independent» schreibt. Gerade in Bezug auf den Holocaust sagen sie, Pius habe vielen Juden in Europa das Leben gerettet, indem er ihnen die Aufnahme in kirchliche Institutionen ermöglicht habe. Zu ihrem Schicksal habe er geschwiegen, weil er einerseits die Katholiken schützen und andererseits das Los der Juden nicht habe verschlimmern wollen.
Von 1917 bis 1929 in Deutschland tätig
Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli, 1876 geboren und 1958 verstorben, entstammt einer tiefkatholischen römischen Aristokratenfamilie. Viele seiner Ahnen und Verwandten dienten als Kirchenrechts- oder Finanzexperten dem Vatikan. Nach einer erfolgreichen Priesterlaufbahn war Pacelli von 1917 bis 1929 in Deutschland tätig.
1939 bestieg er den Heiligen Stuhl. Seine Haltung gegenüber dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland ist umstritten. So verurteilte er beispielsweise deutlich die Drohungen gegen Katholiken sowie den Einmarsch der Nazis in das erzkatholische Polen. Mit Kritik an der Judenvernichtung hingegen hielt sich der Papst nach bisherigen Erkenntnissen zurück.
Historische Prüfung bräuchte fünf bis sechs weitere Jahre
Vertreter des Judentums fordern nun, dass erst sämtliche verfügbaren historischen Dokumente studiert werden, bevor Pius heilig gesprochen wird. «Wir erwarten, dass die Kirche abwartet, bis die relevanten Dokumente vom Vatikan freigegeben werden», zitieren verschiedene Medien Iris Rosenberg, Sprecherin des Yad Vashem Mahnmals. Dies würde nach früheren Aussagen des Vatikans noch fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen.
Papst Benedikt XVI nahm am Montagnachmittag die Kritik indirekt in seine Weihnachtsrede in Rom auf. Er verurteilte die antisemitischen Verbrechen der Nationalsozialisten und hob die gemeinsamen Wurzeln von Judentum und Christentum hervor. Die Nazis hätten versucht, «Gott von der Erde zu verjagen, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Gott von Jesus Christus», sagte er. Der Holocaust sei eine «erschütternde Begegnung mit der Grausamkeit des menschlichen Fehlens, mit dem Hass einer verblendeten Ideologie, die ohne jede Rechtfertigung Millionen dem Tod ausgeliefert hat», gewesen.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.12.2009, 17:29 Uhr
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